Happy Birthday lieber Johannes – Geburt des Heiligen Johannes des Täufers

Aus dem Evangelium nach Lukas, Kapitel 1
Übersetzung: Bibel in gerechter Sprache
57 Die Zeit erfüllte sich für Elisabet, so dass sie gebären sollte. Und sie gebar einen Sohn.
58 Und die Nachbarinnen und Nachbarn sowie ihre Verwandten hörten, dass die Lebendige ihre Barmherzigkeit ihr gegenüber groß gemacht hatte, und sie freuten sich mit ihr.
59 Sie kamen am achten Tag, um das Kind zu beschneiden, und benannten es nach dem Namen seines Vaters Zacharias.
60 Doch die Mutter erwiderte ihnen: »Nein, er soll Johannes genannt werden.«
61 Sie sagten zu ihr: »Es heißt doch niemand in deiner Verwandtschaft so.«
62 Sie winkten aber seinem Vater, wie er denn wolle, dass er heißen solle.
63 Er forderte ein Schreibtäfelchen und schrieb: »Johannes ist sein Name«. Und alle wunderten sich.
64 Da öffnete sich sofort sein Mund und seine Zunge löste sich und er sang ein Loblied auf Gott.
65 Furcht kam über alle Nachbarinnen und Nachbarn, und im ganzen Bergland von Judäa wurden diese Dinge erzählt.
66 Und alle, die es hörten, nahmen es sich zu Herzen und sagten: »Was wird wohl aus diesem Kind werden?« Denn die Hand der Lebendigen war mit ihm.
80 Das Kind aber wuchs und wurde stark in Geistkraft, und Johannes lebte in der Wildnis bis zu dem Tag, an dem er vor Israel trat.

Autorin:
Passfoto A.R.Angela Repka, Offenbach, Literaturübersetzerin, verheiratet, zwei Söhne, vier Enkelkinder, Ausbildungskurs zum Diakonat der Frau, diakonische Tätigkeit in der Pfarrgemeinde

 
Die Predigt:
Happy Birthday lieber Johannes

Herzlichen Glückwunsch, lieber Johannes, zu deinem heutigen Geburtstag! Es ist schon sehr lange her, dass Dich deine Eltern auf ihre alten Tage noch bekamen. Die Menschen in deiner Umgebung haben sich damals über deine Geburt sehr gefreut und bis heute freuen sich viele darüber, dass und wie Du gelebt hast. „Wie schön, dass Du geboren bist, wir hätten Dich sonst sehr vermisst.“ heißt es in einem populären Geburtstagslied und das gilt ganz besonders für Dich, denn wie hätten wir ohne Dich Deinen Altersgenossen und entfernten Verwandten Jesus kennen lernen und als Freudenboten Gottes erkennen können? Mit der Taufe im Jordan wurde alles offenbar.

Deine prophetische Lebensaufgabe war es, die Menschen Deines Volkes, das zerstreut war und unter der römischen Besatzung litt, wieder zu ihrem Gott hinzuführen und ihren Zusammenhalt in der Erwartung des Messias zu stärken. Diese Dir von Gott anvertraute Aufgabe hast Du mit Entschlossenheit, Tatkraft und dem vollen Einsatz Deines Lebens erfüllt. Dafür sind wir Dir von ganzem Herzen dankbar.

Dankbar sind wir an diesem Festtag auch deinen Eltern, Zacharias und Elisabet, die – wie es das heutige Evangelium bezeugt – ein Leben geführt haben, das Gott sehr gefiel. Obwohl sie so lange kein Kind haben konnten, waren sie gütig und gerecht, ohne sich zu beklagen oder verbittert zu werden. Sie lebten, was schon in ihren Namen als Programm angelegt war. Zacharias heißt ja „Gott erinnert sich“ und mit seinem Dienst als Tempelpriester hielt Dein Vater die Erinnerung an die Treue Jahwes zu seinem Volk wach. Er glaubte daran, dass Gott in seiner Liebe und Fürsorge stets zum Menschen steht, auch wenn dieser ihn vergessen sollte.

Und der Name deiner Mutter, Elisabet, bedeutet „Gott ist Fülle“, „Gott ist Vollkommenheit“. Wie viel Gottvertrauen muss sie gehabt haben, wo sie doch fast ihr ganzes Leben lang unter dem Makel der Kinderlosigkeit litt. Kein Kind haben zu können war in der damaligen jüdischen Gesellschaft nicht nur ein persönliches Unglück, sondern auch eine gesellschaftliche Schande, für die vor allem die Frau verantwortlich gemacht und geächtet wurde, obwohl es, wie wir heute wissen, auch am Mann liegen kann.

An deine tapferen Eltern hat sich Gott erinnert und sie in besonderer Weise an seinem Heilsplan teilhaben lassen, indem er ihnen ein Kind schenkte, nämlich Dich. Es war, als würde ein alter vertrockneter Baum zur Überraschung und Freude aller einen grünen Trieb hervorbringen. Dein Vater, der geistliche „Profi“, konnte es zunächst nicht glauben, als ihm der Engel beim Tempeldienst Deine Geburt ankündigte. Es verschlug ihm eine Zeitlang die Sprache. Elisabet aber hat wohl keinen Moment gezögert, an die göttliche Fülle und die späte Erfüllung ihres Lebenswunschs zu glauben. Und so grünten und blühten sie beide und brachten Dich als Frucht ihrer Liebe und der Gottesliebe hervor.

Dein Name, lieber Johannes, bedeutet „Gott ist gnädig“. Dabei erinnern wir uns daran, dass das biblische Wort Gnade (hebräisch: chen) einen weiteren Sinn hat und auf eine Wohltat hinweist, die durch den Liebreiz, die Anmut einer Person bei einer höhergestellten Persönlichkeit hervorgerufen wird. Gott hatte Wohlgefallen an deinen Eltern und auch an Dir. So wirken Gott und Mensch bis heute zusammen: vertrauensvoll, oft auf verschlungenen Pfaden, wunderbar.

Lieber Johannes, Du hast nicht den Namen deines Vaters bekommen, sondern den von Gott für Dich bestimmten. Du hast auch nicht das Priesteramt des Vaters übernommen, obwohl es Dir als Erbe zugestanden hätte. Mit Dir sollte eben etwas Neues beginnen. Als Bußprediger, Täufer und Wegbereiter Jesu hast Du die Spur in eine neue Zeit gelegt, eine Spur, an die wir uns als Leute des Weges Jesu noch heute erinnern. Sie macht uns Mut, unseren ganz eigenen Weg in dieser oft verwirrenden Welt zu suchen und zu gehen.

Danke nochmals, lieber Johannes, und sei sehr herzlich gegrüßt. Ganz zum Schluss möchte ich Dir noch mit einem kleinen Gedicht einen Blumenstrauß überreichen:

Rosen

Hinreißend
die jungen Rosen
in wildroten Röcken tanzend
auf schlankem Stamm

Kostbar
die alte Rose
sich edel erhebend
im blassrosa Kleid
ihren Duft verströmend

Bewundernswert aber
die erdbraune Rose
verschlungenes Knäuel
durch die Wüste gepeitscht
von heißen Winden

bis endlich Regen fällt
nach Jahren, Jahrzehnten
und sie ergrünt, erblüht
Myriaden von Samen verstreut
um sich dann wieder zurückzuziehn
in ihre unscheinbare Gestalt

Rose von Jericho

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