Einspruch – 6. Sonntag im Jahreskreis C

Zweite Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Korinth, Kapitel 15
12 Wenn aber verkündigt wird, dass Christus von den Toten auferweckt worden ist, wie können dann einige von euch sagen: Eine Auferstehung der Toten gibt es nicht?
16 Denn wenn Tote nicht auferweckt werden, ist auch Christus nicht auferweckt worden.
17 Wenn aber Christus nicht auferweckt worden ist, dann ist euer Glaube nutzlos und ihr seid immer noch in euren Sünden;
18 und auch die in Christus Entschlafenen sind dann verloren.
19 Wenn wir allein für dieses Leben unsere Hoffnung auf Christus gesetzt haben, sind wir erbärmlicher daran als alle anderen Menschen.
20 Nun aber ist Christus von den Toten auferweckt worden als der Erste der Entschlafenen.

Aus dem Evangelium nach Lukas, Kapitel 6
In jener Zeit
17 stieg Jesus mit den zwölf Jüngern den Berg hinab. In der Ebene blieb er mit einer großen Schar seiner Jünger – und Jüngerinnen – stehen und viele Menschen aus ganz Judäa und Jerusalem und dem Küstengebiet von Tyrus und Sidon
18 waren gekommen, um ihn zu hören und von ihren Krankheiten geheilt zu werden.
20 Er richtete seine Augen auf seine Jünger – und Jüngerinnen – und sagte:
Selig, ihr Armen, denn euch gehört das Reich Gottes.
21 Selig, die ihr jetzt hungert, denn ihr werdet gesättigt werden.
Selig, die ihr jetzt weint, denn ihr werdet lachen.
22 Selig seid ihr, wenn euch die Menschen hassen und wenn sie euch ausstoßen und schmähen und euren Namen in Verruf bringen um des Menschensohnes willen.
23 Freut euch und jauchzt an jenem Tag; denn siehe, euer Lohn im Himmel wird groß sein. Denn ebenso haben es ihre Väter mit den Propheten gemacht.
24 Doch weh euch, ihr Reichen; denn ihr habt euren Trost schon empfangen.
25 Weh euch, die ihr jetzt satt seid; denn ihr werdet hungern. Weh, die ihr jetzt lacht; denn ihr werdet klagen und weinen.
26 Weh, wenn euch alle Menschen loben; denn ebenso haben es ihre Väter mit den falschen Propheten gemacht.

Autorin:
_MG_7932-webBirgit Droesser, Pastoralreferentin, war tätig in der Gemeindepastoral, in der Klinikseelsorge und im Theol. Mentorat Tübingen, jetzt Pfarrgemeinderätin in St. Bruno, Würzburg

 
Die Predigt:
Einspruch

Liebe Leserin, lieber Leser,
am Beginn eines Gottesdienstes rufen wir im Kyrie Christus, den erhöhten Herrn, in unsere Gemeinschaft. Wir sind hier zusammengekommen, weil wir glauben, dass Christus lebt, dass wir ihm nahe sein können im Beten, im Hören auf die biblische Botschaft, im Feiern des heiligen Mahles. Wir glauben, dass er auch uns aufrichten und stärken will

Stimmen wir also dem folgenden Satz des Apostels Paulus zu: Wenn Christus nicht auferweckt worden ist, dann ist euer Glaube nutzlos… Wenn wir allein für dieses Leben unsere Hoffnung auf Christus gesetzt haben, sind wir erbärmlicher daran als alle anderen Menschen? Paulus setzt sich in seinen Briefen mit Problemen in den Gemeinden auseinander, die er gegründet hat. Da ist in Korinth offensichtlich ein Streit darüber entbrannt, ob es eine leibliche Auferstehung von den Toten geben kann. Und Paulus beteuert: Nun aber ist Christus auferweckt worden als der Erste der Entschlafenen. Es scheint zunächst logisch zu sein, dass unser Glaube nur trägt, wenn seine Wahrheit über dieses Leben hinaus reicht. Wäre mit dem Tod alles zu Ende, was sollte dann der Glaube?

Und trotzdem möchte ich Einspruch erheben. Denn die Seligpreisungen Jesu haben eine solche Kraft und Stärke in sich, dass sie, allein für sich genommen, die Welt verwandelt haben. Normalerweise gelten die Menschen als glücklich, die es ganz nach oben geschafft haben, sich alles leisten können und das Leben im Luxus genießen. Nicht umsonst gibt es Woche für Woche so viele Lotto-Begeisterte mit der Hoffnung auf den ganz großen Gewinn. Aber Jesus sagt es ganz deutlich: der Reichtum führt euch auf einen Holzweg. Ihr könnt euch zwar vieles leisten, aber glücklich und froh kann euch das Geld nicht machen. Reich zu sein ist eine große Gefahr, das Gespür für die Anderen, die Mitmenschlichkeit zu verlieren und damit den Zugang zu den eigenen Gefühlen, zu sich selbst. Und wer viel Geld hat, hat nie genug. Unser Wirtschaftssystem wird von der Gier nach dem Immer-Mehr angetrieben. Wachstum heißt das Zauberwort: Steigerung der Rendite, Gewinnmaximierung, auch wenn es nicht immer mit rechten Dingen zugeht.

Versuchen wir einmal, uns nur für einen Moment vorzustellen, es hätte da niemanden gegeben, der die Armen in den Mittelpunkt stellt, die Hungernden und die Traurigen. Was für eine schreckliche, eiskalte Welt wäre das, zum Fürchten, wollten alle nur das Maximum für sich selbst herausholen, könnten nur die Stärksten überleben. Aber Gott-sei-Dank hat das Christentum durch seine Heiligen wie Benedikt, Hildegard, Franziskus und Elisabeth unsere Kultur so tiefgreifend geprägt, dass weit über die Bereiche des Glaubens hinaus viele Menschen zum Helfen bereit sind. Wir können das an Beispielen im Alltag erleben und an den großen Spendenaktionen der Rundfunkanstalten wie zur Zeit für die Katastrophe im Jemen.

Auch wenn manche über den Idealismus der Ärzte ohne Grenzen, der Krankenschwestern im Hilfseinsatz, der Ehrenamtlichen im Hospizverein, der Ärzte für Drogenabhängige, der Besucherinnen und Besucher in den Altenheimen – und so weiter – lachen, lasst sie. Vielleicht ist es ja nur eigene Verunsicherung und ein bisschen Neid. Denn wenn es gelingt, einem Menschen, der in Not ist, weiter zu helfen und ihn vielleicht in die Gemeinschaft mit anderen zu holen, seine Angst zu lindern, ist das eine so schöne Erfahrung, die viel mehr Freude macht als es Geld jemals kann.

Die Seligpreisungen umschreiben den Schatz unseres Glaubens:
– Selig, ihr Armen, denn euch gehört das Reich Gottes.
– Selig, die ihr jetzt hungert, denn ihr werde gesättigt werden.
– Selig, die ihr jetzt weint, denn ihr werdet lachen.
– Selig seid ihr, wenn euch die Menschen hassen … um des Menschensohnes willen…Denn euer Lohn im Himmel wird groß sein.

Die Seligpreisungen spornen uns an, ein aufrichtiges Interesse für unsere Mitmenschen und unsere Mitwelt zu entwickeln. Sie führen uns zueinander, damit wir einander kennenlernen und verstehen, damit wir Ungerechtigkeit überhaupt spüren und dann bekämpfen. Sie sind ein großes Geschenk.

Es wird nur dadurch übertroffen, dass wir nicht allein sind auf unserem Weg, sondern in Christus, der uns begleitet, einen Freund haben, der uns Hoffnung schenkt und so viel bewirken kann. Amen

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