Weihnachtsfreude? – 3. Adventssonntag C

Erste Lesung aus dem Buch Zefanja, Kapitel 3
14 Juble, Tochter Zion! Jauchze, Israel! Freu dich und frohlocke von ganzem Herzen, Tochter Jerusalem!
15 Der HERR hat das Urteil gegen dich aufgehoben und deine Feinde zur Umkehr gezwungen. Der König Israels, der HERR, ist in deiner Mitte; du hast kein Unheil mehr zu fürchten.
16 An jenem Tag wird man zu Jerusalem sagen: Fürchte dich nicht, Zion! Lass die Hände nicht sinken!
17 Der HERR, dein Gott, ist in deiner Mitte, ein Held, der Rettung bringt. Er freut sich und jubelt über dich, er schweigt in seiner Liebe, er jubelt über dich und frohlockt, wie man frohlockt an einem Festtag.

Aus dem Evangelium nach Lukas, Kapitel 3
In jener Zeit
10 fragten Johannes die Scharen: Was sollen wir also tun?
11 Er antwortete ihnen: Wer zwei Gewänder hat, der gebe eines davon dem, der keines hat, und wer zu essen hat, der handle ebenso!
12 Es kamen auch Zöllner, um sich taufen zu lassen, und fragten ihn: Meister, was sollen wir tun?
13 Er sagte zu ihnen: Verlangt nicht mehr, als festgesetzt ist!
14 Auch Soldaten fragten ihn: Was sollen denn wir tun? Und er sagte zu ihnen: Misshandelt niemanden, erpresst niemanden, begnügt euch mit eurem Sold!
15 Das Volk war voll Erwartung und alle überlegten im Herzen, ob Johannes nicht vielleicht selbst der Christus sei.
16 Doch Johannes gab ihnen allen zur Antwort: Ich taufe euch mit Wasser. Es kommt aber einer, der stärker ist als ich, und ich bin es nicht wert, ihm die Riemen der Sandalen zu lösen. Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen.
17 Schon hält er die Schaufel in der Hand, um seine Tenne zu reinigen und den Weizen in seine Scheune zu sammeln; die Spreu aber wird er in nie erlöschendem Feuer verbrennen.
18 Mit diesen und vielen anderen Worten ermahnte er das Volk und verkündete die frohe Botschaft.

Autorin:
Maria LerkeMaria Lerke, Pastoralreferentin in der Seelsorgeeinheit Winnenden – Schwaikheim – Leutenbach

 
Die Predigt:
Weihnachtsfreude?

Liebe Leserin, lieber Leser,
„nun lass doch den Kopf nicht so hängen – jetzt freu dich halt!“

Freude auf Knopfdruck – wie soll das gehen?

Der dritte Adventssonntag hat den Beinamen: Gaudete! das heißt übersetzt: Freut euch! So kurz vor Weihnachten wird unser Blick schon mal auf das Ereignis der Heiligen Nacht gerichtet. Gott wird Mensch und kommt uns damit ganz nahe! Der Herr, dein Gott ist in deiner Mitte (Zef 3,17), er bringt Rettung! – ist das nicht Grund genug, sich zu freuen und zu frohlocken?

Mal ehrlich – wie soll das gehen? Ein Blick in das Weltgeschehen unserer Tage und alle Vorfreude verpufft! Von Rettung keine Spur!

Schon wieder ein Terroranschlag mit Toten und Verletzten auf dem Weihnachtsmarkt in Straßburg. Zu den politischen und sozialen Unruhen weltweit, kommen dann auch noch Probleme im privaten Bereich. So viele Menschen sind von schweren Sorgen belastet, wissen nicht, wie es weitergehen soll, haben Angst vor der Zukunft, wissen vor Verzweiflung nicht mehr aus noch ein.

Nicht selten höre ich gerade jetzt in der Adventszeit – ihr mit eurem Märchen von Weihnachten könnt mir gerade dieses Jahr gestohlen bleiben.

Weihnachten verdrängen – auch das ist möglich: vielen reicht es vollkommen, dem allgemeinen Konsumrausch zu erliegen, sich gegenseitig mit Geschenken zu überhäufen. Festlich Essen und genügend Trinken im Kreis einer hoffentlich friedlichen Familie – fröhliche Weihnachten – was will man mehr?

Eigentlich armselig! – wenn wir die Texte des heutigen Adventssonntags anschauen, dann wird uns da eine ganz andere und eine viel größere Freude versprochen.

Der Prophet Zefanja nennt den Grund der Freude so: Gott hat dir vergeben, er ist in deiner Mitte, er ist dein Held und bringt dir Rettung! Das ist Grund für tiefste Freude: Gott liebt uns so sehr, dass er bei uns wohnen will. Wenn er unser Retter, unser Held ist, vor wem sollen wir uns dann noch fürchten? Da kommt echte Freude auf, Freude, die wir selbst nicht machen können, Freude aus tiefstem Herzen! Freude, nach der wir uns doch so sehr sehnen!

Geschenkte Freude!

Freude durch Geschenke? – Auch wenn sie noch so sehr von Herzen kommen, unsere Geschenke haben halt meistens doch ein Verfallsdatum!

Auf keinen Fall will ich ihnen jetzt die Laune am Schenken vermiesen, aber wenn wir die echte, von Herzen kommende Freude erfahren möchten, dann reichen eben Geschenke allein nicht aus.

Vielleicht helfen uns da die Ratschläge des Täufers Johannes weiter, die wir im heutigen Text des Lukasevangeliums bekommen haben: Viele Menschen zogen zu ihm hinaus in die Wüste in einer Situation, die alles andere als rosig war. Israel wurde von Rom aus regiert, die Statthalter verlangten hohe Steuern und ständig mussten die Menschen Angst vor römischen Machterweisen haben. Auch diese Menschen waren auf der Suche: es musste endlich was geschehen, so konnte es doch nicht bleiben, Gott konnte es doch nicht egal sein, wie es seinem auserwählten Volk erging. Voller Erwartung kamen sie zu Johannes und fragten: Was sollen wir tun?

Johannes, der ja bekannt ist für deutliche Worte, hat dieses Mal eine Antwort parat, die eigentlich ganz einfach ist. Erst wendet er sich an alle, die etwas übrig haben, etwas vom Essen oder den zweiten Mantel, sie lädt er zum Teilen ein. Auch von den Zöllnern und Soldaten verlangt er nichts Besonderes. Sie brauchen ihren Beruf nicht aufzugeben, sie sollen aber ihre Aufgaben ehrlich und mit Respekt vor den Menschen tun.

Es geht nicht um das Außergewöhnliche – es geht um unseren Alltag, da wo die Menschen auch nur mit Wasser kochen! Es geht nicht darum, die Sterne vom Himmel zu holen, sondern es geht um Selbstverständliches! Nicht gleich die Gesamtlösung ins Auge fassen – damit überfordern wir uns und alle Beteiligten. Vielmehr macht Johannes Mut zu den kleinen Schritten und dazu, mit dem Verändern bei mir selbst zu beginnen; den Finger in die Wunden Anderer zu legen – das bringt nur weitere Verletzungen; die Schuld bei den Anderen zu suchen – damit wollen wir doch meistens nur von unseren eigenen Fehlern ablenken!

Johannes geht da selbst mit ganz klarem Vorbild voran, wenn er sagt: „Nach mir kommt einer, der viel größer ist als ich!“ Wie leicht hätte er auf die schlechte Welt schimpfen und sich in seinem eigenen Ruhm sonnen können, doch darauf hat er verzichtet – er wollte auf den verweisen, der nach ihm kommt, der die Menschen mit der Kraft des Heiligen Geistes zu Gott versammeln wird.

Sich selbst zurücknehmen, damit der andere „groß“ werden kann. Wenn wir größtmögliche Freude erreichen wollen, ist das der Ratschlag von Johannes. Oder anders gesagt: Mit Jesus im Herzen brauchen wir uns nicht zu fürchten, dann können wir hoffnungsvoller und mutiger an unsere Aufgaben im Leben herangehen. Dann brauchen wir keine Angst vor dem „Zu-Kurz-Kommen“ haben – mit Jesus an unserer Seite haben wir ja schon Alles!

Wie gesagt – es muss nichts Außergewöhnliches sein. Im ganz normalen Alltag geschieht Wesentliches! Hier und jetzt, in den täglichen Herausforderungen meines Lebens kann ich mich verschließen oder mich anrühren lassen von der Not meiner Mitmenschen. Hier und jetzt kann ich eilig meinen Geschäften nachgehen oder mich mit meinen Möglichkeiten für die Würde derer einsetzen, die jetzt gerade meinen Weg kreuzen. Jetzt bin ich zur Entscheidung aufgefordert, jetzt kann ich Farbe bekennen, jetzt kann ich andere etwas spüren lassen von der Hoffnung, die in mir lodert, von der Sehnsucht, die in mir brennt.

Dann spüre ich, dann spüren andere, dass der Herr nahe ist! Jetzt schon!

Im Buch Zefanja ist aber noch ein weiterer Grund für unseren Jubel genannt. Wenn Gott in der Mitte seines Volkes lebt, freut sich nicht nur Israel, auch Gott freut sich an seinem Volk. Er erneuert seine Liebe, er jubelt und frohlockt wie an einem Festtag!

Ein unwahrscheinlich packender Text, Gott jubelt über uns Menschen?!

Und das, obwohl die religiöse und politische Situation der damaligen Zeit überhaupt nicht befriedigend war. Mitten in diesem unsicheren und von Zweifeln geprägten Schlamassel hat ein Prophet den Mut und spricht davon, dass Gott seine Liebe zu den Menschen erneuert!

Eine große Zusage: Gott bleibt uns treu, trotz all unserer Schwächen, trotz all unserer Halbherzigkeit, trotz all unserer Zweifel, ja mehr noch, er frohlockt und freut sich an uns.

Dieser Gott hält sich nicht neutral und ungerührt aus unserm Leben heraus. Er ist „Gott-mit-uns“, er lässt sich von unserem Tun betreffen und bewegen. Wie weit seine Liebe zu uns Menschen geht, hat er uns ja durch Jesus, seinen Sohn leibhaftig spüren lassen. Seine Liebe hat nicht Halt gemacht, als es schwierig und dreckig wurde. Selbst den Tod hat er auf sich genommen – Seine Liebe ist mächtiger als alles andere.

Gott kommt und will in unserer Mitte wohnen – der tiefste Grund für unsere Freude! Und es reicht schon, wenn wir für ihn unsere Türen und Herzen aufschließen – mehr muss gar nicht sein! AMEN

Veröffentlicht unter Predigten | Hinterlasse einen Kommentar