Der Herr ist mein Hirte, / nichts wird mir fehlen – 4. Fastensonntag A

Antwortpsalm 23
1 Der Herr ist mein Hirte, /
nichts wird mir fehlen.
2 Er lässt mich lagern auf grünen Auen /
und führt mich zum Ruheplatz am Wasser.
3 Er stillt mein Verlangen; /
er leitet mich auf rechten Pfaden, treu seinem Namen.
4 Muss ich auch wandern in finsterer Schlucht, /
ich fürchte kein Unheil; denn du bist bei mir, /
dein Stock und dein Stab geben mir Zuversicht.
5 Du deckst mir den Tisch /
vor den Augen meiner Feinde. Du salbst mein Haupt mit Öl, /
du füllst mir reichlich den Becher.
6 Lauter Güte und Huld werden mir folgen mein Leben lang /
und im Haus des Herrn darf ich wohnen für lange Zeit.

Autorin:
Walburga_2009Walburga Rüttenauer – Rest, Bensberg, verheiratet, drei Kinder, Grundschullehrerin, nach der Pensionierung Ausbildungskurs zum Diakonat der Frau, diakonische und liturgische Aufgaben in der Pfarreigemeinde

 
Die Predigt:
Der Herr ist mein Hirte, /nichts wird mir fehlen

Liebe Leserin, lieber Leser,
am heutigen Sonntag mutet uns die Liturgie mit dem Evangelium einen langen Text zu. Da ich diesen Text bereits 2014 an dieser Stelle ausführlich dargestellt habe, werde ich mich heute auf den Antwortpsalm Ps 23 konzentrieren, der einer der bekanntesten und geliebtesten Psalmen ist.

Als Texte aus der Bibel sind die Psalmen den Lesungen gleichwertig. So ist es sinnvoll, sich einmal intensiver mit ihm zu befassen. Der Grund für diese besondere Stellung liegt in dem meditativen Charakter der meisten Psalmen. Sie haben zum Inhalt biblische Geschichten oder allgemeinmenschliche Erfahrungen wie Krankheit, Verfolgung etc. Nicht immer passt der ausgesuchte Psalm zum Inhalt der Lesungen. Doch gerade an diesem Sonntag zeigt sich: Er verbindet die oft sehr unterschiedlichen Inhalte der Lesungstexte, durch einen gemeinsamen zentralen Gedanken. Er schenkt den Hörern wie Leserinnen eine Ahnung von einem himmlischen Gespräch.

Bei den Psalmen spielt die Übersetzung eine besondere Rolle. Es gibt viele Übersetzungen, manche, die mir besonders gefallen und manche, die mir zu wissenschaftlich sind. Dann kann der Psalm seine Melodie nicht entfalten, die sehr wichtig ist. Ich habe mich diesmal für die noch gültige Einheitsübersetzung entschieden, weil das Wieder-erkennen mir hilft, mich genauer auf den Kern des Textes zu konzentrieren.

Als Kind konnte ich viele Psalmen auswendig, weil meine Mutter das tägliche Abendgebet mit Psalmen füllte. Als dann die neue Übersetzung eingeführt wurde, war ich traurig, weil ich „meine Psalmen“ nicht wieder erkannte. Doch so erlebte ich an mir selbst das oft problematische Festhalten an Traditionen, denn ich wurde lange nicht heimisch mit der neuen Einheitsübersetzung.

Die Lesungstexte höre ich gerne in dem Gewand eines neuen Kleides bezogen auf die Gegenwart. Die Psalmen dagegen sind zeitlos. Hier ist vor allem wichtig, dass Wort und Klang einander ergänzen, denn Psalmen sind vor allem Lieder (ψαλμός/psalmós =„Saitenspiel“). Mittlerweile ist wieder eine neue Einheitsübersetzung erstellt worden. Doch ein neues katholisches Lektionar auf der Grundlage der neuen Einheitsübersetzung lässt auf sich warten. Unsere Sprache hat sich in den letzten Jahren sehr verändert und verändert sich fast täglich. Die Debatte, ob eine Übersetzung eher dem Unveränderlichen oder dem Gegenwärtigen sich nähern sollte, ist noch nicht abgeschlossen. So habe ich mich dazu entschieden, eine eher persönliche Deutung auf der Grundlage der jetzt schon wieder veralteten Einheitsübersetzung Ihnen vorzustellen.

Einem Gespräch zwischen Gott und der Beterin werden Sie zuhören oder es lesen können. Im Unterschied zu anderen biblischen Texten wird in den Psalmen nicht aus einer gewissen Distanz über Ereignisse und Personen berichtet. Mit Hilfe einer lyrischen Sprache entwickelt sich eine enge Beziehung zwischen Gott und dem Betenden.

Bei einem Psalm, der im Wechsel gesungen oder gesprochen wird, fügt die Liturgie im Wortgottesdienst einen Kehrvers ein. Der Kehrvers in diesem Antwortpsalm lautet: Der Herr ist mein Hirte, /nichts wird mir fehlen. Er ist zugleich auch der 1.Vers in diesem Psalm, der als Erinnerung nach je zwei Versen wieder eingeschoben wird und wie ein roter Faden die einzelnen Verse zusammen hält, wie ein Leitmotiv, das den verschiedenen Klängen die bleibende Bedeutung zufügt.

Antwortpsalm: Der gute Hirt Ps 23

KV: Der Herr ist mein Hirte, /nichts wird mir fehlen

„Mein Hirte“, wer ist das ?
Ein Hirte ist mir fremd,
selten gesehen,
aus einer Zeit, die weit zurück liegt.
Überholt? ohne Bedeutung? –
Doch es fehlt mir für mein Leben
eine bleibende Leitung.
Ein Hirte fühlt sich verantwortlich
für alle seine Geschöpfe persönlich.
Wie anonym dagegen empfinde ich
an meinem Arbeitsplatz die Leitung.
Wer kümmert sich darum,
ob mir etwas fehlt?
Nur die Fehler, die mir unterlaufen,
werden wahrgenommen.
Meine Lebensbegleiterin
nach der ich mich sehne
würde dagegen meine Schritte lenken
auf dem richtigen Weg.

1.Der Herr ist mein Hirte, /nichts wird mir fehlen

„Nichts wird mir fehlen?“
War ich jemals wunschlos?
Da bin ich mir nicht sicher!
Wie oft bin ich unzufrieden,
ohne zu wissen warum!
Könnte es mir jemals gelingen,
wunschfrei zu werden?

2. Er lässt mich lagern auf grünen Auen /
und führt mich zum Ruheplatz am Wasser.

Grüne Weiden, Auen,
wo mir Ruhe geschenkt würde,
welch ein Versprechen!
Wo finde ich sie heute, die Ruhe?
wo die grünen Weiden?
Selbst im Schlaf, in den Träumen,
finde ich keine Ruhe.
Die Weiden aus Kindertagen,
was ist aus ihnen geworden?,
Den Ruheplatz am Wasser
wo die Sonne sich spiegelt,
die Frösche ihren Kopf aus dem Schilf stecken
und Fische Luftsprünge machen,
gibt es ihn noch?
Wer wird ihn mir zeigen?

3. Er stillt mein Verlangen; /
er leitet mich auf rechten Pfaden, treu seinem Namen.

Wer stillt meine Sehnsucht,
mein Verlangen ?
Wer führt mich zum Ziel?
Mein Verlangen nach Gerechtigkeit
in meiner kleinen Welt
scheint mir unstillbar,
und in der großen Welt unmöglich!
An wen könnte ich mich wenden?
Würde ich einen Namen finden,
der mir Zuversicht und Zutrauen schenkt?

KV: Der Herr ist mein Hirte, /nichts wird mir fehlen.

4.Muss ich auch wandern in finsterer Schlucht, /
ich fürchte kein Unheil; denn du bist bei mir, /

Wo finde ich den Weg des Heils?
Wo ist der Wegweiser
im Dunkel meiner Zweifel?
Die Zuversicht, angenommen zu werden,
trotz Versagen, Fehlern und Ängsten,
wäre das mein Heil?
Der Wunsch nach Deiner Nähe ruft:
Bist du bei mir?
Woran erkenne ich dich?

dein Stock und dein Stab geben mir Zuversicht.

Auch wenn mir nichts mehr gelingt,
wenn ich mich fürchte
vor Versagen und Traurigkeit
vor dem nächsten Tag,
vor der Zukunft,
schenkst du mir Halt?
Wenn ich keinen Ausweg finde,
und deine Nähe suche,
werde ich dich finden?
Du wohlwollende Unbekannte?

KV: Der Herr ist mein Hirte, /nichts wird mir fehlen.

5. Du deckst mir den Tisch /
vor den Augen meiner Feinde.

Ein gedeckter Tisch, wie verlockend!
Eine wohlriechende Erinnerung
aus Kindertagen!
Eine leise Hoffnung nach neuer Kraft erwacht.
Ich fühle mich sicher bei Dir!
Und schon ist mein Leben angefüllt
mit Augenblicken spürbarer Zuneigung.
Feindliche Angriffe, verletzende Worte
verlieren an Gewicht und Bedeutung.
Die Feinde schwinden
aus meinen nächtlichen Träumen
und meinen harten Werktagen.

Du salbst mein Haupt mit Öl, /
du füllst mir reichlich den Becher.

Bei dir bin ich geborgen!
Du stillst den Durst nach liebevoller Annahme.
Du schenkst mir die Zuversicht
nach Geborgenheit.
Du schenkst mir die Gewissheit,
bei dir willkommen zu sein.
Erschöpft und dankbar
leere ich den Becher
gefüllt mit deiner Zuneigung .

KV: Der Herr ist mein Hirte, /nichts wird mir fehlen

6. Lauter Güte und Huld werden mir folgen
mein Leben lang /
und im Haus des Herrn darf ich wohnen für lange Zeit.

Deine Zuneigung kennt kein Ende!
Du stellst keine Bedingungen!
Du forderst keinen Ausweis,
keine Erfolge!
Deine Haustür steht immer offen.
einladend kommst du mir entgegen
und schließt mich für immer
in deine liebevollen Arme.
Dann bin ich endlich zu Hause

KV: Der Herr ist mein Hirte, /nichts wird mir fehlen!

In der alttestamentlichen Lesung erfährt David, der auf der Weide die Schafe seines Vaters hütet, die Einladung Gottes, sein Volk zu führen. In der Gewissheit, dass Gott der eigentliche Hirte ist, der ihn leiten wird, lässt er die Salbung des Propheten im Angesicht seiner Brüder zu. Denn das war nicht ungefährlich.

Im Evangelium wird ein Blinder von Jesus ausgewählt, um an ihm zu zeigen, wie sorgsam und liebevoll Gott durch seinen Sohn Menschen heilt und weiter leitet, wie der gute Hirte. Er öffnet nicht nur die Augen des Blinden, so dass die Finsternis weicht, die sein Leben bis zu diesem Augenblick umgab. Jesus öffnet auch sein Herz, so dass er trotz aufsteigender Anfeindung durch die Pharisäer ohne Furcht, Jesus einen Propheten nennt und ihn verteidigt. Als er dann aus der Synagoge geworfen wird, sucht Jesus ihn wieder auf und schenkt ihm den Glauben, dass sein Heiler der erwartete Messias ist. Auf ihn kann er sich verlassen, auch nach einem Rauswurf aus der Gemeinde!! Darüber könnten wir noch lange nachdenken.

Du deckst mir den Tisch/ vor den Augen meiner Feinde/ nichts wird mir fehlen!

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