Vom Ringen mit mächtigen Versuchungen – 1. Fastensonntag A

Aus dem Evangelium nach Matthäus, Kapitel 4
In jener Zeit
1 wurde Jesus vom Geist in die Wüste geführt; dort sollte er vom Teufel versucht werden.
2 Als er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, hungerte ihn.
3 Da trat der Versucher an ihn heran und sagte: Wenn du Gottes Sohn bist, so befiehl, dass aus diesen Steinen Brot wird.
4 Er aber antwortete: In der Schrift heißt es: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt.
5 Darauf nahm ihn der Teufel mit sich in die Heilige Stadt, stellte ihn oben auf den Tempel
6 und sagte zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist, so stürz dich hinab; denn es heißt in der Schrift: Seinen Engeln befiehlt er um deinetwillen, /
und: Sie werden dich auf ihren Händen zu tragen, /
damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt.
7 Jesus antwortete ihm: In der Schrift heißt es auch: Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht auf die Probe stellen.
8 Wieder nahm ihn der Teufel mit sich und führte ihn auf einen sehr hohen Berg; er zeigte ihm alle Reiche der Welt mit ihrer Pracht
9 und sagte zu ihm: Das alles will ich dir geben, wenn du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest.
10 Da sagte Jesus zu ihm: Weg mit dir, Satan! Denn in der Schrift steht: Den Herrn, deinen Gott, sollst du anbeten und ihm allein dienen.
11 Darauf ließ der Teufel von ihm ab und siehe, es kamen Engel und dienten ihm.

Autorin:
Elisabeth SchmitterElisabeth Schmitter, Pastoralreferentin, war tätig im Bischöflichen Ordinariat Rottenburg, Hauptabteilung Pastorale Konzeption, und arbeitet weiter in Verkündigungssendungen des SWR

 
Die Predigt:
Vom Ringen mit mächtigen Versuchungen

Liebe Brüder und Schwestern,
liebe Leserinnen und Leser,
die Geschichte, die der Evangelist erzählt, ist eine besondere. Sie ist die einzige, in der der Teufel selbst gewissermaßen einen Bühnenauftritt bekommt. Die einzige, in der es zum Showdown kommt zwischen der Macht des Guten und der Macht des Bösen, zwischen Jesus und dem Teufel. Dabei kommt es gar nicht darauf an, wie ich mir das vorstelle, ob es d e r Böse ist oder d a s Böse, mit dem Jesus ringt. Entscheidend ist: es war ein innerer Kampf, ein Ringen mit mächtigen Versuchungen. Und die Versuchungen, mit denen Jesus gerungen hat, sind keine anderen als die, mit denen auch wir es zu tun haben. Kein Wunder, es sind die großen Versuchungen, mit denen Menschen immer schon zu tun haben. Und das wird wohl auch so bleiben.

Die erste Versuchung fällt Jesus an, wie einen Hunger oder Durst überfällt. Was würde man nicht alles tun, wenn man hungrig ist! Jesus hatte tatsächlich lange und intensiv gefastet, so berichtet der Evangelist. Es sind unsere natürlichen Bedürfnisse und Triebe, die uns versuchbar machen. Aber wir sind ihnen nicht willenlos ausgeliefert, denn es gibt noch Wichtigeres als gutes Essen und ein komfortables Leben: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein.

An zu wenig Brot kann man sterben – und paradoxerweise auch an zu viel. An zu viel von all dem, was wir zusammenkaufen und ansammeln, und das uns dann fast ersticken kann. Und das uns den Blick dafür verstellen kann, was wirklich wichtig ist, und was wir wirklich brauchen.

Die anderen Versuchungen, die Jesus überfallen, sind anderer Art. Aber auch sie sind uns nicht fremd. Wer kennt sie nicht, die Phantasien von Größe und Allmacht und Unverwundbarbeit? Einmal ganz oben sein und die Fäden in der Hand haben, und alle anderen sind abhängig von mir und müssen sich mir unterordnen! Auch diesen Phantasien erliegt Jesus nicht, sondern lässt Gott Gott sein und setzt nicht den Menschen an seine Stelle.

Der Versucher oder die Versuchungen, sie sind nicht immer da. Aber sie können sich dann melden, wenn wir uns selbst nicht mehr ausweichen können, wenn wir uns klein und ohnmächtig, leer und einsam fühlen. Nicht zufällig ist Jesus gerade in der Wüste, als die Versuchung ihm so massiv in den Weg tritt, dass er all seine Kraft und all seinen Glauben braucht, um ihr nicht zu erliegen.

Es ist immer eine Art von Wüste, die uns verführbar macht. In der inneren Leere wuchern Gedanken und Phantasien, die uns so mancherlei einflüstern. Zum Beispiel, immer seien wir die Verlierer und alle anderen hätten mehr Glück im Leben. Und unser Platz wäre eigentlich ganz oben, wenn die anderen uns nicht immer benachteiligen würden.

Jesus hat sich von solchen Gedanken nicht überwältigen lassen. Wie hat er das geschafft? Er hat Gott ganz und gar vertraut. Er war gewiss, dass sein himmlischer Vater ihm alles geben und ihm nichts vorenthalten würde, was gut für ihn ist.

Wenn zwei Menschen einander vollkommen vertrauen und ganz eng verbunden sind, sagt man: zwischen sie passt kein Blatt Papier. Bei Jesus und seinem Vater kann man sagen: zwischen sie passt kein teuflischer Gedanke. Jesus war so vorbehaltlos mit seinem Vater verbunden, dass er sich von keinem Teufel und von keinem eigenen Gedanken einreden ließ, es gäbe da noch etwas Kostbareres als das Vertrauen auf den Vater, den er zärtlich Abba nennt, wir sagen: Papa.

Der Teufel ernährt sich von Misstrauen, sagt ein Sprichwort. Pech für ihn, wenn wir Jesu Beispiel folgen und das Vertrauen in uns groß werden lassen, ganz groß, das Vertrauen auf Gott.

Pech für den Teufel – fast möchte man sagen: für den ‚armen Teufel‘ − und: Segen für uns! Amen.

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