An Gott festhalten, gegen die Hoffnunglosigkeit – Fest der Darstellung des Herrn

Erste Lesung aus dem Buch Maleachi, Kapitel 3
So spricht der HERR:
1 Seht, ich sende meinen Boten; /
er soll den Weg für mich bahnen. Dann kommt plötzlich zu seinem Tempel /
der Herr, den ihr sucht, und der Bote des Bundes, den ihr herbeiwünscht. /
Seht, er kommt!, spricht der HERR der Heerscharen.
2 Doch wer erträgt den Tag, an dem er kommt? /
Wer kann bestehen, wenn er erscheint? Denn er ist wie das Feuer des Schmelzers /
und wie die Lauge der Walker.
3 Er setzt sich, / um das Silber zu schmelzen und zu reinigen: Er reinigt die Söhne Levis, /
er läutert sie wie Gold und Silber. Dann werden sie dem HERRN /
die richtigen Opfer darbringen.
4 Und dem HERRN wird das Opfer Judas und Jerusalems angenehm sein /
wie in den Tagen der Vorzeit, wie in längst vergangenen Jahren.

Aus dem Evangelium nach Lukas, Kapitel 2
Als sich für die Eltern Jesu
22 die Tage der vom Gesetz des Mose vorgeschriebenen Reinigung erfüllt hatten, brachten sie das Kind nach Jerusalem hinauf, um es dem Herrn darzustellen,
23 wie im Gesetz des Herrn geschrieben ist: Jede männliche Erstgeburt soll dem Herrn heilig genannt werden.
24 Auch wollten sie ihr Opfer darbringen, wie es das Gesetz des Herrn vorschreibt: ein Paar Turteltauben oder zwei junge Tauben.
25 Und siehe: In Jerusalem lebte ein Mann namens Simeon. Dieser Mann war gerecht und fromm und wartete auf den Trost Israels und der Heilige Geist ruhte auf ihm.
26 Vom Heiligen Geist war ihm offenbart worden, er werde den Tod nicht schauen, ehe er den Christus des Herrn gesehen habe.
27 Er wurde vom Geist in den Tempel geführt; und als die Eltern das Kind Jesus hereinbrachten, um mit ihm zu tun, was nach dem Gesetz üblich war,
28 nahm Simeon das Kind in seine Arme und pries Gott mit den Worten:
29 Nun lässt du, Herr, deinen Knecht, /
wie du gesagt hast, in Frieden scheiden.
30 Denn meine Augen haben das Heil gesehen, /
31 das du vor allen Völkern bereitet hast,
32 ein Licht, das die Heiden erleuchtet, /
und Herrlichkeit für dein Volk Israel.
33 Sein Vater und seine Mutter staunten über die Worte, die über Jesus gesagt wurden.
34 Und Simeon segnete sie und sagte zu Maria, der Mutter Jesu: Dieser ist dazu bestimmt, dass in Israel viele zu Fall kommen und viele aufgerichtet werden, und er wird ein Zeichen sein, dem widersprochen wird, – und deine Seele wird ein Schwert durchdringen.
35 So sollen die Gedanken vieler Herzen offenbar werden.
36 Damals lebte auch Hanna, eine Prophetin, eine Tochter Penuëls, aus dem Stamm Ascher. Sie war schon hochbetagt. Als junges Mädchen hatte sie geheiratet und sieben Jahre mit ihrem Mann gelebt;
37 nun war sie eine Witwe von vierundachtzig Jahren. Sie hielt sich ständig im Tempel auf und diente Gott Tag und Nacht mit Fasten und Beten.
38 Zu derselben Stunde trat sie hinzu, pries Gott und sprach über das Kind zu allen, die auf die Erlösung Jerusalems warteten.
39 Als seine Eltern alles getan hatten, was das Gesetz des Herrn vorschreibt, kehrten sie nach Galiläa in ihre Stadt Nazaret zurück.
40 Das Kind wuchs heran und wurde stark, erfüllt mit Weisheit und Gottes Gnade ruhte auf ihm.

Autorin:
Sr.Kathrin 05 AusschnittSr. Kathrin M. Prenzel, lebt im Franziskanerinnenkonvent in Bad Mergentheim und arbeitet in der Kur- und Reha-Seelsorge

 
Die Predigt:
An Gott festhalten, gegen die Hoffnungslosigkeit

Liebe Leserin, lieber Leser,
der Glaube an einen Gott, der da ist, der ein offenes Ohr für unsere Nöte hat und sogar Verheißungen für jedes Leben – das war noch nie einfach. So auch nicht für die Zeitgenos­sen des Propheten Maleachi, dessen Worte als Lesung zum heutigen Fest gelesen werden.

Zu seiner Zeit war Judäa von den Persern besetzt, die das Volk durch hohe Steuern in immer größere Armut trieben. So machte sich im Volk Enttäuschung breit und auch die Priester vernachlässigten den Tempel, da Gottes Verheißun­gen scheinbar ausblieben. Das Warten auf Gottes Eingreifen, so fragte man sich, lohnte es sich noch? Und genau in dieser scheinbar ausweglosen Situation fallen die Worte des Ma­leachi: Dann kommt plötzlich zu seinem Tempel der Herr, den ihr sucht und herbeiwünscht. Seht, er kommt!

Ganz ähnlich die Situation zur Zeit Jesu, etwa 500 Jahre später. Nicht mehr die Perser, aber die Römer halten das Land besetzt: das Volk leidet unter ihrer Herrschaft und er­sehnt die Freiheit – nicht nur politisch. Und obwohl der Mes­sias, der Retter, so lange auf sich warten lässt, war die Hoffnung auf ihn im Volk noch lebendig, wie uns Lukas in Hanna und Simeon stell­vertretend auf­zeigt.

Hanna, eine Witwe von 84 Jahren, die sich, wie wir durch Lukas erfahren, stän­dig im Tempel aufhielt, und Simeon, den man als gerechten und frommen Mann kannte. Er hoffte, ja er fühlte in sich die Gewissheit, er werde den lang ersehn­ten Retter Israels, den Messias, sehen und dann in Frieden sterben können.

Hanna und Simeon – zwei Menschen, die an den Verheißungen für ihr Leben festhielten und Gott noch nicht aufgegeben hatten. Die an ihm festhielten, jah­relang – selbst gegen die Hoffnungslosigkeit des Volkes und der in ihrem Sta­tus und Denken gefangen Schriftgelehrten und Priester. Nur so war es möglich, dass es Simeon genau zu dieser Stunde zum Gebet in den Tempel trieb, und auch Hanna genau in dem Moment da war, als Maria und Josef mit Jesus in den Tempel kamen, um ihr Reinigungsopfer darzubringen. Nur deshalb konn­ten sie in dem unscheinbaren Kind Jesus, den Messias, erkennen – in einer schlichten Begegnung, wie man sie tagtäglich im Tempel zu Jerusalem erleben konnte.

Mir selbst gibt diese Erzählung Hoffnung. Zunächst einmal gibt sie mir Hoffnung für mich selbst, dass ich nicht auf das große, besondere Ereignis warten muss, um Gott, um Christus, zu begegnen. Nein. Im Unscheinbaren, im ganz gewöhnlichen Alltag will Gott mir be­gegnen – und er tut es auch. An mir liegt es nur, offen zu sein und nicht schon vorher festzulegen, wie Gott sich mir zu zeigen hat. Offen zu bleiben, dass er sich oft in Situationen oder Personen zeigt, wo ich ihn sicher nicht erwartet hätte:
Dort, wo ich selbst keine Hoffnung mehr habe und sich plötzlich doch eine Möglich­keit auftut;
wo mir in einer Auseinandersetzung auf knallharte Art und Weise mein Horizont geweitet wird;
wo ich Gott schon lang nicht mehr lebendig in mir gespürt habe und mich ein Ort plötzlich tief ergreift oder ein Wort mein Herz bewegt.
Wo ich merke, dass es doch weitergeht in meinem Leben, dass sich etwas entwickelt, dass ich reife – und wenn es nur ist, dass ich, wie Hanna und Simeon, warten und mich wieder neu ausrichten lerne.

Und dann gibt sie mir Hoffnung für die Institution Kirche in Deutschland, die irgendwie orientierungslos ist und jede Diözese meint, durch Pastoralpläne oder Zusammenlegungen Neues schaffen zu können; die einen Synodalen Weg beginnt, von dem sich so mancher „alles“ und Viele „gar nichts mehr“ erwarten. In diese gespannte Lage hinein die Hoffnung nicht zu verlieren, dass Gott da ist, dass er eine Verheißung, einen Weg für seine Kirche hat – und damit für uns, das ist vielleicht die wichtigste Haltung in diesem Moment. Den Himmel offen zu halten, damit Gott wirken kann. Das heißt nicht, die Hände in den Schoß zu legen und alles zu erdulden. Seien wir prophetisch, schauen wir aus, wo Gott sich zeigen will, aber legen wir auch mit klaren Worten die Finger in die Wunden, die uns hindern an Gott zu glauben, weil zu viele Ungerechtigkei­ten brach liegen.

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