Endlich Sonntag – Taufe des Herrn / A

Erste Lesung aus dem Buch Jesaja, Kapitel 42
5a So spricht Gott, der HERR:
1 Siehe, das ist mein Knecht, den ich stütze; /
das ist mein Erwählter, an ihm finde ich Gefallen. Ich habe meinen Geist auf ihn gelegt, /
er bringt den Nationen das Recht.
2 Er schreit nicht und lärmt nicht /
und lässt seine Stimme nicht auf der Straße erschallen.
3 Das geknickte Rohr zerbricht er nicht /
und den glimmenden Docht löscht er nicht aus; /
ja, er bringt wirklich das Recht.
4 Er verglimmt nicht und wird nicht geknickt, /
bis er auf der Erde das Recht begründet hat. /
Auf seine Weisung warten die Inseln.
6 Ich, der HERR, habe dich aus Gerechtigkeit gerufen, /
ich fasse dich an der Hand. Ich schaffe und mache dich /
zum Bund mit dem Volk /
zum Licht der Nationen,
7 um blinde Augen zu öffnen, /
Gefangene aus dem Kerker zu holen und die im Dunkel sitzen, /
aus der Haft.

Aus dem Evangelium nach Matthäus, Kapitel 3
13 In jener Zeit kam Jesus von Galiläa an den Jordan zu Johannes, um sich von ihm taufen zu lassen.
14 Johannes aber wollte es nicht zulassen und sagte zu ihm: Ich müsste von dir getauft werden, und du kommst zu mir?
15 Jesus antwortete ihm: Lass es nur zu! Denn nur so können wir die Gerechtigkeit ganz erfüllen. Da gab Johannes nach.
16 Als Jesus getauft war, stieg er sogleich aus dem Wasser herauf. Und siehe, da öffnete sich der Himmel und er sah den Geist Gottes wie eine Taube auf sich herabkommen.
17 Und siehe, eine Stimme aus dem Himmel sprach: Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe.

Autorin:
_MG_7932-webBirgit Droesser, Pastoralreferentin, war tätig in der Gemeindepastoral, in der Klinikseelsorge und im Theol. Mentorat Tübingen, jetzt Pfarrgemeinderätin in St. Bruno, Würzburg

 
Die Predigt:
Endlich Sonntag

Liebe Leserin, lieber Leser,
Beruf und Schule haben nach der Weihnachtspause wieder begonnen und damit auch die täglichen Pflichten. Und viele von uns leben nicht mehr Tag für Tag, sondern wieder aufs Wochenende zu. „Endlich Freitag!“ heißt es in einem Fernsehwerbespot. Ja, viele empfinden unsere Zeit als schnelllebig und wenn es zur Hetze wird, ist das kein gutes Gefühl. Ständig sind wir mit Veränderungen und Neuem konfrontiert, ständig Lernen, immerfort neue Reize der Information und der Unterhaltung. „Endlich Sonntag!“ möchte ich dagegenhalten, denn der Gottesdienst darf ein Ruhepunkt sein. So wie sich früher die Menschen von harter körperlicher Arbeit im Gottesdienst ausruhen konnten, so sollte diese Stunde eine Zeit des Innehaltens, des Durchatmens und auch der Rückschau auf unser eigenes Leben sein, damit wir neue Kraft für das ständige Vorwärts schöpfen können. Lassen wir uns auf die Schrifttexte des heutigen Tages ein.

Verlangsamung
Da ist zuerst ein Staunen. Steht nicht die Krippe, vielleicht noch der Christbaum in unserer Kirche? Und im Evangelium sind bereits an die 30 Jahre vergangen! Denn Jesus tritt uns als erwachsener Mann entgegen. Über die Zeit zwischen der Rückkehr aus Ägypten in der Kindheit und seinem Aufwachsen und Leben in Nazareth erfahren wir nichts. Hat Jesus als Bauschreiner gearbeitet? Wie hat er mit seiner Familie den jüdischen Glauben gelebt? Wir wissen nur so viel, dass uns Jesus jetzt am Jordan als junger Mann begegnet mit einer flammenden Leidenschaft für Gott, als einer, der die Schriften der heiligen Bücher in- und auswendig kennt. 30 Jahre, in denen Jesus zu seinem Selbstbewusstsein in seiner Beziehung zu Gott gefunden hat.

Recht und Gerechtigkeit
In der ersten Lesung, einem der Gottesknechtlieder des Propheten Jesaja, kommen mehrmals die Begriffe Recht und Gerechtigkeit vor: Mein Knecht bringt den Nationen das Recht. Im übernächsten Satz wird erklärt, was gemeint ist: Das geknickte Rohr zerbricht er nicht und den glimmenden Docht löscht er nicht aus; ja er bringt wirklich das Recht. Und etwas weiter heißt es Ich, der HERR, habe dich aus Gerechtigkeit gerufen.

Im Evangelium, das uns von der Begegnung von Jesus und Johannes am Jordan und seiner Taufe durch ihn erzählt, taucht dieses Wort wieder auf, in einem kurzen Dialog zwischen den beiden Männern. Johannes, der große und eindrucksvolle Prophet, weiß, dass er ein Vorbereiter ist, ein Vorläufer, dass der eigentliche Gottgesandte erst kommt. Und jetzt will Jesus von ihm getauft werden. Johannes weigert sich und will das Verhältnis umkehren. Aber dann heißt es: Jesus antwortete ihm: Lass es nur zu! Denn nur so können wir die Gerechtigkeit ganz erfüllen. Da gab Johannes nach.

In einer kurzen Ansprache zu einer Diamantenen Hochzeit habe ich von einem evangelischen Pfarrer eine Ausdeutung über den Zusammenhang von Gerechtigkeit und Gnade gehört. Bei der Gerechtigkeit von Gott her gehe es nicht darum, dass wir für begangene Taten begünstigt oder bestraft werden, so wie wir es verdienen. Es gehe nicht darum, dass schuldig oder nicht schuldig festgestellt wird. Sondern Gottes Gerechtigkeit sei das große Wohlwollen der Gnade jedem und jeder Einzelnen gegenüber. Und in einem Kommentar zum heutigen Evangelium lese ich: Das Wort Gerechtigkeit „beschreibt ein Verhalten, das dem anderen in dem, was er braucht, gerecht wird.“ (Eduard Schweizer) Gott will umfassendes Heil für sein auserwähltes Volk. Jesus wird im Laufe seines Weges durch Wort und Tat dieses grundlegende Wohlwollen Gottes auf alle Menschen ausweiten, die sich Gott zuwenden und ihm öffnen. Es gilt jetzt jeder und jedem von uns. Gott will uns schenken, was wir brauchen.

Die Taufe
Jesus lässt sich im Jordan untertauchen wie die vielen Menschen seiner Zeit, die sich nach einer Erneuerung ihres Lebens und einer neuen Nähe zu Gott sehnen. Ist es heute anders? – Während das geschieht macht Jesus eine überwältigende Erfahrung. Das Unsagbare kleidet der Evangelist in eine symbolische Sprache: der Himmel öffnet sich, die Stimme vom Himmel und die Gestalt der Liebestaube überzeugen Jesus endgültig von seiner Berufung: Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich mein Wohlgefallen gefunden habe. Er ist derjenige, der Gottes Gerechtigkeit verwirklichen wird.

Das Erlebnis der Taufe muss für Jesus so erschütternd gewesen sein, dass er sich unmittelbar darauf für längere Zeit in die Einsamkeit und Stille der Wüste zurückzieht – wir hören davon in der Fastenzeit – , bis er öffentlich auftritt und seinen Weg geht.

Und unsere Taufe?
Auch wir und unser ganzes Leben sind eingehüllt in dieses Wohlwollen Gottes. Es wurde und wird uns täglich neu geschenkt und wir dürfen es erspüren: Du bist Gottes geliebte Tochter, du bist sein geliebter Sohn. Er will uns geben, was wir brauchen. Er will uns immer wieder neu ermutigen und aufrichten. Gott ist voll grenzenlosem Mitgefühl. Seit unserer Taufe wissen wir davon und sind auch für immer darauf verpflichtet.

Unsere Fähigkeit zur Empathie ist begrenzt und muss es sein, damit wir trotz des Leidens der ganzen Schöpfung noch froh und zuversichtlich sein können. Wer anderen mitfühlend gegenübertritt, muss ich auch abgrenzen können, darf sich fremdes Leid nicht zu eigen machen. Unsere Möglichkeiten würde es übersteigen, Gottes Macht aber nicht. Wir alle, so wie wir da sind, dürfen uns auch heute wieder seinem Mitgefühl und seinem Wohlwollen für uns ganz und gar aussetzen. Wir nennen es auch Segen. Gott sei Dank! Endlich Sonntag! Amen

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