Wie das „selfie“ von Gott – 34. Sonntag im Jahreskreis C / Christkönigssonntag

Zweite Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Kolossä, Kapitel 1
Schwestern und Brüder!
12 Dankt dem Vater mit Freude! Er hat euch fähig gemacht, Anteil zu haben am Los der Heiligen, die im Licht sind.
13 Er hat uns der Macht der Finsternis entrissen und aufgenommen in das Reich seines geliebten Sohnes.
14 Durch ihn haben wir die Erlösung, die Vergebung der Sünden.
15 Er ist das Bild des unsichtbaren Gottes, /
der Erstgeborene der ganzen Schöpfung.
16 Denn in ihm wurde alles erschaffen /
im Himmel und auf Erden, /
das Sichtbare und das Unsichtbare, /
Throne und Herrschaften, Mächte und Gewalten; /
alles ist durch ihn und auf ihn hin geschaffen.
17 Er ist vor aller Schöpfung, /
in ihm hat alles Bestand.
18 Er ist das Haupt, /
der Leib aber ist die Kirche. /
Er ist der Ursprung, /
der Erstgeborene der Toten; /
so hat er in allem den Vorrang.
19 Denn Gott wollte mit seiner ganzen Fülle in ihm wohnen, /
20 um durch ihn alles auf ihn hin zu versöhnen. Alles im Himmel und auf Erden wollte er zu Christus führen, /
der Frieden gestiftet hat am Kreuz durch sein Blut.

Autorin:
Karin_2016 (3)Karin Stump, Pastoralreferentin im Katholischen Forum Dortmund

 

Einführung in den Gottesdienst
Liebe Forumsgemeinde, herzlich begrüße ich Sie alle. Das Bild des unsichtbaren Gottes – ist das nicht ein Widerspruch in sich? Die großen Aussagen der Lesungen führen uns heute mitten in das Geheimnis Gottes und Jesu Christi hinein. Und von diesem Geheimnis her sollen wir uns selbst und die Welt verstehen! – Ich muss gestehen, das ist für mich immer neu eine Herausforderung. Im Alltag verstehe ich die Welt eher von ihren Anforderungen her. Oder begegnen Sie im täglichen Einerlei dem Bild des unsichtbaren Gottes? Aber wie wohl tut es, das Alltagsgeschehen ein Stück zu relativieren. Der wöchentliche Gottesdienst lädt dazu ein, sich neu in Gott zu verankern und von ihm aus auf die Welt zu schauen, auf die Mitmenschen und sich selbst. Bei allem, was uns Kummer und Sorge macht, was uns quer kommt: Wir haben Grund zu Dank und Freude.

Die Predigt:
Wie das „selfie“ von Gott

Liebe Leserin, lieber Leser,
von Christus her die Welt und uns selber verstehen! Der Brief an die Gemeinde in Kolossä hört sich an wie eine konzentrierte Meditation. Der Hymnus ist so reich und spricht mich durch die Jahre immer wieder an. Er geht an die Wurzeln unseres Glaubens. Ja, in diesem Bild von Gott, der Schöpfung und Erlösung, möchte ich mich getragen wissen und daraus bestärkt leben. Lassen Sie uns diesen Christushymnus Schritt für Schritt bedenken und verinnerlichen, was sonst so schnell vorbeirauscht:

Dankt dem Vater mit Freude! Bei allem, was das Leben bedeutet, danken für das Gute und manche Fügung. Dieser Dank geht nicht ins Leere, ins Universum, sondern an Gott. Er richtet sich an ein „Du“! Hier wird dieses Du als Vater angesprochen, als Schöpfer, der die Welt lenkt und führt, wenn auch unsichtbar. Danken schenkt Freude über das Gute und Schöne, das ich erkenne.

Er hat euch fähig gemacht, Anteil zu haben am Los der Heiligen, die im Licht sind. – Gott befähigt uns, jede und jeden. Im Glauben an ihn haben wir schon Teil am Licht, am Guten, denn:

Er hat uns der Macht der Finsternis entrissen und aufgenommen in das Reich seines geliebten Sohnes. Das ist manchmal unglaublich, wenn wir von finsteren Machenschaften erfahren, von Skandalen, von Unrecht und Tod. Und doch: Als Glaubende, als Getaufte sind wir der Finsternis nicht ohnmächtig ausgeliefert, wir sind schon im Licht und im Wirkungsbereich Jesu Christi.

Durch ihn haben wir die Erlösung, die Vergebung der Sünden. – Schuld, Fehler, Versagen, Sünden! Trotzdem sind wir geliebt. Alles ist vergeben, Christus schenkt einen Neuanfang. Jesus erzählt es wunderbar in den Gleichnissen vom barmherzigen Vater, vom verlorenen Schaf und der verlorenen Drachme. Jesus sucht die Verirrten und Verlorenen und freut sich über die Umkehr und das Wiederfinden.

Er ist das Bild des unsichtbaren Gottes. Wie sollen wir uns Gott, diese geheimnisvolle Macht vorstellen? Wir lesen das Gebot zu Beginn der Bibel: Du sollst dir kein Bildnis machen von Gott(Ex 20,4). In Jesus Christus macht Gott von sich selbst ein Bild. Jesus ist so etwas wie das „Selfie“ von Gott. In seinem Wesen erkennen wir Gott!

Er ist der Erstgeborene der ganzen Schöpfung, er ist vor aller Schöpfung, alles ist durch ihn und auf ihn hin erschaffen. Er ist Anfang und Ende, Alpha und Omega. Die Schöpfung, alles Leben, ist zielgerichtet, geht nicht ins Nichts und kommt nicht aus dem Nichts.

In ihm hat alles Bestand. Er trägt und bewahrt, in ihm bewährt und besteht unser Leben, ja der ganze Kosmos hat in ihm einen festen Grund. Wovor also haben wir dann noch Angst? Wir sind umfangen von Christus.

Er ist das Haupt. Jesus ist der Kopf, er denkt für uns mit und vor und nach. Er ist Geist und Seele der Schöpfung. An ihm hängt es, ohne ihn geht es nicht.

Er ist der Erstgeborene der Toten. Wie er der erste der Schöpfung war, so ist Christus auch der erste bei der Neuschöpfung, der Auferweckung der Toten. Seine Auferstehung ist der Dreh- und Angelpunkt für alle, die folgen werden. Dem Tod ist die Macht genommen.

So hat er in allem den Vorrang. – Niemand kann diesen Platz beanspruchen, da ist nur er: das Ebenbild Gottes, der erste, er begründet, bewahrt und bestimmt – und nach ihm kommen viele andere.

Denn Gott wollte mit seiner ganzen Fülle in ihm wohnen. Das ist es, das wir bald wieder an Weihnachten feiern. Die Einwohnung, die Inkarnation, die Menschwerdung Gottes! Jesus ist das Bild, das Gott ganz abbildet, seine Selbstoffenbarung. Zugleich wohnt Gott in jeder und jedem von uns. In Jesus aber wohnt Gott in seiner ganzen Fülle, weil er ganz von Gott kommt.

Um durch ihn alles auf ihn hin zu versöhnen. Versöhnung hat eine Richtung, geschieht durch Jesus Christus und mit Blick auf ihn, der alle Schuld und alles Leid auf sich nimmt. Unsere Unversöhntheit, den Unfrieden orientiert Christus zum größeren Horizont Gottes und seines Reiches hin. Alles Falsche, alle Schuld sind durch ihn gewandelt.

Alles im Himmel und auf Erden wollte er zu Christus führen. Alle Menschen, die gesamte Schöpfung, allen Schmerz, alle Freuden … zu Christus führen! Durch Christus möchte Gott alle trösten und erlösen. Daraus folgt auch, dass Jesu Freunde anderen Menschen von ihm erzählen möchten. Sie sind von ihm gesandt, die Botschaft weiterzusagen.

Christus, der Frieden gestiftet hat am Kreuz durch sein Blut. Hier wird es ganz klar und ungeschminkt ausgesprochen: Frieden kostet etwas! Gott hat sich Versöhnung und Frieden etwas kosten lassen: Seine Menschwerdung bis hinein in die Passion und den Tod. So ist Frieden schon gestiftet! Ist schon da. Wir haben daran teil, wenn wir die Welt von Gott her sehen. Wir können aus dieser Fülle erlöst wie Jesus Christus handeln. –

Deshalb ist Christus unser König: Vorbild, erster und letzter, verachtet und ermordet, Friedensstifter, heilig, Sohn Gottes, herausgehoben und dennoch nah, groß, einmalig, Gott-Mensch, Geheimnis. – Danken wir Gott mit Freude! Amen.

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