In der Verwirrung der Welt Zeugnis ablegen – 33. Sonntag im Jahreskreis C

Aus dem Evangelium nach Lukas, Kapitel 2
In jener Zeit,
5 als einige darüber sprachen, dass der Tempel mit schön bearbeiteten Steinen und Weihegeschenken geschmückt sei, sagte Jesus:
6 Es werden eine Tage kommen, an denen von allem, was ihr hier seht, kein Stein auf dem andern bleibt, der nicht niedergerissen wird.
7 Sie fragten ihn: Meister, wann wird das geschehen und was ist das Zeichen, dass dies geschehen soll?
8 Er antwortete: Gebt Acht, dass man euch nicht irreführt! Denn viele werden unter meinem Namen auftreten und sagen: Ich bin es!, und: Die Zeit ist da. – Lauft ihnen nicht nach!
9 Wenn ihr von Kriegen und Unruhen hört, lasst euch nicht erschrecken! Denn das muss als Erstes geschehen; aber das Ende kommt noch nicht sofort.
10 Dann sagte er zu ihnen: Volk wird sich gegen Volk und Reich gegen Reich erheben.
11 Es wird gewaltige Erdbeben und an vielen Orten Seuchen und Hungersnöte geben; schreckliche Dinge werden geschehen und am Himmel wird man gewaltige Zeichen sehen.
12 Aber bevor das alles geschieht, wird man Hand an euch legen und euch verfolgen. Man wird euch den Synagogen und den Gefängnissen ausliefern, vor Könige und Statthalter bringen um meines Namens willen.
13 Dann werdet ihr Zeugnis ablegen können.
14 Nehmt euch also zu Herzen, nicht schon im Voraus für eure Verteidigung zu sorgen;
15 denn ich werde euch die Worte und die Weisheit eingeben, sodass alle eure Gegner nicht dagegen ankommen und nichts dagegen sagen können.
16 Sogar eure Eltern und Geschwister, eure Verwandten und Freunde werden euch ausliefern und manche von euch wird man töten.
17 Und ihr werdet um meines Namens willen von allen gehasst werden.
18 Und doch wird euch kein Haar gekrümmt werden.
19 Wenn ihr standhaft bleibt, werdet ihr das Leben gewinnen.

Autorin:
Utta-Hahn-2-150x150Utta Hahn, Gemeindereferentin, Landpastoral Schönenberg in Ellwangen

 
Die Predigt:
In der Verwirrung der Welt Zeugnis ablegen

Liebe Leserin, lieber Leser,
dieses Evangelium klingt irgendwie seltsam – es hört sich nach Weltuntergang an, nach Katastrophen, Krieg, Zerstörung und Hass. Warum spricht Jesus in diesen Bildern zu seinen Freundinnen und Freunden? Das wirkt zunächst sehr irritierend und gleichzeitig ist es eine Aufforderung zu genauerem Hinschauen und eine Aufforderung, sich auf die Suche nach der Botschaft zu machen.

Am Anfang steht die Bewunderung der Freunde und Freundinnen Jesu für den Tempel, der mit schön bearbeiteten Steinen und Weihegeschenken geschmückt ist. Und dann entwirft Jesus ein Kontrast-Szenario, bei dem wirklich gar nichts mehr übrigbleibt von Schönheit und Geschenk. Warum und Wozu?

Ich bin an dem Satz in der Mitte des Evangeliums hängengeblieben: Dann werdet ihr Zeugnis ablegen können.

Der Tempel, die bearbeiteten Steine, die Weihegeschenke, sie alle sind Zeichen, dass Menschen Zeugnis ablegen. Sie zeigen, dass sie sich zu diesem mächtigen Gott bekennen, der es wert ist, einen so schönen und großen Tempel zu haben. Sie zeigen, dass sie wohlhabend sind und dankbar für ihren Reichtum, indem sie der Religion und Gott Kostbarkeiten schenken. Sie zeigen, dass sie auf der Sonnenseite des Lebens stehen und das genießen können.

Das ist großartig.

Und doch reagiert Jesus darauf mit einer Aussage, die zeigt: Das hat alles keinen Bestand. Nichts hat Bestand in dieser Welt,
nicht der Tempel,
nicht der Frieden
nicht die Natur und das Klima
nicht die Beziehungen, die wir leben.

Es gibt nichts, das wir uns sichern können

Damit ist Jesus nach zwei Sätzen schon in den Tiefen menschlicher Existenz angelangt. Bei den Fragen nach der Ausrichtung des Lebens, nach Zukunft und letztlich dem Sinn. Was hält den Unwegsamkeiten des Lebens stand?

Und in der größten Verwirrung der Welt und der ungewissen Zukunft und der Wut und Trauer über die Zerstörung – da genau sagt Jesus: Dann werdet ihr Zeugnis ablegen können.
Zeugnis darüber, wer ihr seid,
was ihr vom Leben, von der Liebe und vom beginnenden Reich Gottes schon in euch tragt, was in euch lebt, was euer Herz erfüllt.
Zeugnis darüber, was Menschsein bedeutet, das ihr als Freunde und Freundinnen Jesu einübt.
Zeugnis für die Würde jedes Menschen, die Gott ihm gegeben hat, egal wo auf der Welt, egal unter welchen Lebensumständen, egal in welcher Religion.
Zeugnis für die Mitmenschlichkeit und Solidarität, die die Welt lebenswert und freundlich macht.
Zeugnis für einen Glauben, dass wir alle Kinder Gottes sind und untereinander Brüder und Schwestern.
Zeugnis dafür, dass es eine geistige Verbindung gibt – wir nennen sie den Heiligen Geist, der uns wach macht für den Augenblick, für das gute Wahrnehmen der Situation und der Menschen, die um uns sind.
Zeugnis für eine lebenswerte Umwelt, die von uns einen bescheidenen Lebensstil benötigt, damit sie nicht stirbt.
Zeugnis für all das, was die Freunde und Freundinnen Jesu in der Gemeinschaft mit ihm gelernt und gelebt haben. All das Einladende, Zugewandte, Freundliche, Frohe.

Haben auch wir davon schon erfahren und erlebt?
Dann können auch wir solches Zeugnis geben.

Nicht mit vorbereiteten Verteidigungsreden,
nicht mit Lösungen, die in der Vergangenheit diktiert wurden,
nicht mit Abschottung und Verurteilungen,
sondern mit jener menschenzugewandten und freundlichen Art, die stets das Gute sucht, die stets die Hoffnung bewahrt und in der Verbindung mit Jesus eine nie versiegende Quelle der Kraft hat: denn ich werde euch die Worte und die Weisheit eingeben. Und […] es wird euch kein Haar gekrümmt werden.

So möchte ich dieses Evangelium gerne lesen. Einen Schritt heraustreten aus den offensichtlichen Bedrohungen und Ungewissheiten und mir zusagen lassen, dass Jesus an meiner Seite steht und mir die richtige Tat und Haltung ins Herz legt. Amen.

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Eine Antwort auf In der Verwirrung der Welt Zeugnis ablegen – 33. Sonntag im Jahreskreis C

  1. Ulrike Ruppert sagt:

    Danke für die Hoffnung- und Mut machende Predigt.

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