In die Entscheidung gestellt – 13. Sonntag im Jahreskreis C

Aus dem Evangelium nach Lukas, Kapitel 9
51 Als sich die Tage erfüllten, dass er hinweggenommen werden sollte, fasste Jesus den festen Entschluss, nach Jerusalem zu gehen.
52 Und er schickte Boten vor sich her. Diese gingen und kamen in ein Dorf der Samariter und wollten eine Unterkunft für ihn besorgen.
53 Aber man nahm ihn nicht auf, weil er auf dem Weg nach Jerusalem war.
54 Als die Jünger Jakobus und Johannes das sahen, sagten sie: Herr, sollen wir sagen, dass Feuer vom Himmel fällt und sie verzehrt?
55 Da wandte er sich um und wies sie zurecht.
56 Und sie gingen in ein anderes Dorf.
57 Als sie auf dem Weg weiterzogen, sagte ein Mann zu Jesus: Ich will dir folgen, wohin du auch gehst.
58 Jesus antwortete ihm: Die Füchse haben Höhlen und die Vögel des Himmels Nester; der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann.
59 Zu einem anderen sagte er: Folge mir nach! Der erwiderte: Lass mich zuerst weggehen und meinen Vater begraben.
60 Jesus sagte zu ihm: Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh und verkünde das Reich Gottes!
61 Wieder ein anderer sagte: Ich will dir nachfolgen, Herr. Zuvor aber lass mich Abschied nehmen von denen, die in meinem Hause sind.
62 Jesus erwiderte ihm: Keiner, der die Hand an den Pflug gelegt hat und nochmals zurückblickt, taugt für das Reich Gottes.

Autorin:
Passfoto A.R.Angela Repka, Offenbach, Literaturübersetzerin, verheiratet, zwei Söhne, vier Enkelkinder, Ausbildungskurs zum Diakonat der Frau, diakonische Tätigkeit in der Pfarrgemeinde

 
Die Predigt:
In die Entscheidung gestellt

Liebe Leserin, lieber Leser,
wir alle kennen den Satz: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Für manches gibt es gute Gründe, noch einmal eine Nacht darüber zu schlafen, bevor man eine vielleicht folgenschwere Entscheidung trifft. Aber es kommt auch vor, dass man vor lauter Zögern und Zaudern am Ende gar nichts tut, dass eine gute Idee nicht verfolgt, eine Verpflichtung nicht wahrgenommen wird, eine wertvolle Regung versandet. Dann ist die Gelegenheit verpasst, oft unwiederbringlich.

Im heutigen Evangelium lesen wir, dass Jesus die Entscheidung getroffen hat, nach Jerusalem zu gehen, wo ihn nach dem Jubel der Menschen bei seinem Einzug in die Stadt Verrat, Verhöre, Folter und der Tod am Kreuz erwarten. Einen Vorgeschmack erhält er schon, als die Boten, die er voraussendet, in Samaria keine Unterkunft für ihn finden können. Auf seiner Durchreise wird er abgelehnt, was ihn traurig und wohl auch zornig macht, wie seine späteren Worte zeigen. Doch lässt er sich nicht aufhalten, schon gar nicht durch das Ansinnen seiner Jünger Jakobus und Johannes, die ein Strafgericht über das gegen ihren Meister unfreundliche Dorf herabrufen wollen. Er weist sie vielmehr zurecht, denn sein Weg ist ein anderer, nicht der der Gewalt.

Als ihm aber unterwegs ein Mann begegnet, der Jesus mit den Worten Ich will dir folgen, wohin du auch gehst um Aufnahme in seine Gemeinschaft bittet, gibt er ihm fairerweise zu bedenken: Die Füchse haben Höhlen und die Vögel des Himmels Nester, aber der Menschensohn hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann. Wir erfahren nicht, ob ihm der Mann dennoch gefolgt ist.

Jesus kennt keinen Aufschub
Noch zwei andere Männer begegnen Jesus danach auf seinem Weg. Den einen fordert er selbst auf, ihm nachzufolgen. Als dieser ihn bittet, vorher nach Hause gehen und seinen Vater begraben zu dürfen, sagt Jesus, er solle die Toten ihre Toten begraben lassen und sofort aufbrechen, um das Reich Gottes zu verkünden, dessen Nähe er soeben in Jesus erfahren hat. Deutliche, ja harte Worte und ein klarer Auftrag. Der von Jesus Berufene gehört zu den Lebenden und als solcher darf er keine Zeit verlieren, den Menschen die frohe Botschaft vom Gott des Lebens und der Liebe weiterzugeben.

Der dritte Mann erklärt wiederum aus eigenem Antrieb seine Bereitschaft, Jesus zu folgen, will sich aber vorher noch von seiner Familie verabschieden – ein legitimes menschliches Begehren, wie auch der Wunsch die Eltern oder andere nahestehende Menschen würdig zu begraben. Doch Jesus kennt keinen Aufschub, wenn es ums Ganze geht. Und das Reich Gottes, „das Wohl schaffende Gutsein Gottes“ (Elisabeth Schüssler-Fiorenza), ist für ihn das Ganze, die Lebensgrundlage des Menschen und der Schöpfung, deren Rettung ihm am Herzen liegt. Hier, alsbald, sogleich sind für Jesus, den Freudenboten Gottes, charakteristische Wörter, mit denen die Dringlichkeit seiner Mission betont wird. Jesus überschreitet Grenzen, heilt am Sabbat, trinkt und isst mit Randständigen, um sie in die Gemeinschaft mit Gott und den Menschen zurückzuholen.

Weitergehen, nicht zurückblicken, nicht aufgeben
Weitergehen und nicht zurückblicken, nicht aufgeben, das gilt ganz besondere auch für Jesus damals auf seinem Weg nach Jerusalem in die Passion und in den Tod, der nicht das letzte Wort behalten soll. Neues Leben für alle aus einer erneuerten Gottesbeziehung lautet die Verheißung seines Lebens und Sterbens.

Wir wissen bei keinem der Männer, wie sie sich letztendlich entschieden haben, ob sie Jesus gefolgt sind oder nicht. Damit fordert der Text die Lesenden oder Hörenden, also heute uns, zur Entscheidung auf. Wollen wir, auch als Kirche, weiter zögern und zaudern, die nötigen Schritte zu tun oder sind wir bereit, im Sinne Jesu liebevoll, kreativ, undogmatisch und energisch zu handeln? Denen, die glauben und vertrauen, ist nicht weniger als die belebende Geistkraft Gottes als Beistand zugesagt. Wagen wir es aufzubrechen, in unserer je eigenen Situation, in den sich wandelnden Lebenslagen, in den Umbrüchen dieser Zeit – immer wieder von neuem? „Es ist nicht auszudenken, was Gott aus den Bruchstücken unseres Lebens machen kann, wenn wir sie ihm ganz überlassen.“ (Blaise Pascal)

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