Hoffnung – Dreifaltigkeitssonntag C

Erste Lesung aus dem Buch der Sprichwörter, Kapitel 8
So spricht die Weisheit Gottes:
22 Der HERR hat mich geschaffen als Anfang seines Weges, /
vor seinen Werken in der Urzeit;
23 in frühester Zeit wurde ich gebildet, /
am Anfang, beim Ursprung der Erde.
24 Als die Urmeere noch nicht waren, /
wurde ich geboren, /
als es die Quellen noch nicht gab, die wasserreichen.
25 Ehe die Berge eingesenkt wurden, /
vor den Hügeln wurde ich geboren.
26 Noch hatte er die Erde nicht gemacht und die Fluren /
und alle Schollen des Festlands.
27 Als er den Himmel baute, war ich dabei, /
als er den Erdkreis abmaß über den Wassern,
28 als er droben die Wolken befestigte /
und Quellen strömen ließ aus dem Urmeer,
29 als er dem Meer sein Gesetz gab /
und die Wasser nicht seinen Befehl übertreten durften,
30 als er die Fundamente der Erde abmaß, /
da war ich als geliebtes Kind bei ihm. Ich war seine Freude Tag für Tag /
und spielte vor ihm allezeit.
31 Ich spielte auf seinem Erdenrund /
und meine Freude war es, bei den Menschen zu sein.

Zweite Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Rom, Kapitel 5
Schwestern und Brüder!
1 Gerecht gemacht aus Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn.
2 Durch ihn haben wir auch im Glauben den Zugang zu der Gnade erhalten, in der wir stehen, und rühmen uns unserer Hoffnung auf die Herrlichkeit Gottes.
3 Mehr noch, wir rühmen uns ebenso der Bedrängnisse; denn wir wissen: Bedrängnis bewirkt Geduld,
4 Geduld aber Bewährung, Bewährung Hoffnung.
5 Die Hoffnung aber lässt nicht zugrunde gehen; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist.

Autorin:
VMHEZ64LMaria Sinz, Gemeindereferentin in Aalen, Referentin bei der KAB (Kath. Arbeitnehmerbewegung)

 
Die Predigt:
Hoffnung

Liebe Leserin, lieber Leser,

Aufbruch der Frauen
bei der Zugfahrt sprechen Frauen einer Wandergruppe davon. Meine Freundin schickt ein Foto. Meine Schwester fragt : machst Du mit? Die Tagesthemen berichten. Beim Frühlingsfest wird diskutiert. Bei einer Versammlung wird ein Impuls dazu gelesen. Selbst im Hospiz wird bei der Abendbrotrunde geredet, wie es wohl weiter geht.
Die Rede ist von Maria 2.0. Dem Aufbruch der Frauen.

Bei uns in Aalen war es ein Gottesdienst voller Freude. Die Frauen des Frauenbundes hatten eine Woche zuvor bei ihrer Versammlung diskutiert und beschlossen draußen vor der Kirchentür Gottesdienst zu feiern, während drinnen der ‚normale‘ Sonntagsgottesdienst stattfand. Alle Frauen trugen dieses Vorhaben mit. Und es wurde auch direkt umgesetzt. Ein Gottesdienst mit klaren Worten, voller Freude, Agape-Mahl und Tanz.

Wir rühmen uns der Bedrängnisse, denn wir wissen: Bedrängnis bewirkt Geduld. Geduld aber Bewährung, Bewährung Hoffnung.
Der Gottesdienst war ein Fest der Hoffnung. „Was haben wir schon alles gemacht, diskutiert, erstritten, durchgehalten“, sagt eine der Frauen, während der Vorbereitung . „Jetzt ist dieser Schritt dran.“

Die Art, wie die Aalener Frauen vorgegangen sind erinnert mich an die Entscheidung zu dieser Webseite: Geh und verkünde. Es war eine Entscheidung für die Hoffnung. Wir wollten nicht in der Diskussion, im Ringen um Argumente bleiben. Nicht fixiert auf die Hierarchie, sondern ein Zeichen setzen: hier sind wir. Jeden Sonntag gibt es eine katholische Frauenpredigt. Seit acht Jahren halten wir das durch. Mal mühsam, mal mit Leichtigkeit. Wichtig ist allein, dass wir der Entscheidung zur Hoffnung treu bleiben und den Weg weitergehen.

In Freiburg hatte Maria 2.0 ein anderes Gesicht. Nach der Priesterweihe gingen die Männer durch ein Spalier von Frauen. Sie sangen: wenn eine alleine träumt… Ein Priester erzählte davon und stellte fest, das bringe ihn in Bedrängnis. Am liebsten hätte er sich zu den Frauen gestellt. Er leidet an der Situation. Auch er kann sich der Bedrängnis rühmen. Bedrängnis bewirkt Geduld. Geduld aber Bewährung, Bewährung Hoffnung.

Gott ein bisschen mehr Platz lassen
Eine Hörende, die Maria 2.0. aufmerksam verfolgt, ohne selbst mitzumachen, sagt: die Veränderung muss aus dem Gebet kommen, sonst bleibt es im Gerangel stecken. Hier kann ich voll zustimmen. Wenn ein Schritt aus dem Gebet kommt, dann der von Maria 2.0. Jahrzehnte Beten sind dem voraus gegangen. Im Tun stehen wir, wie Bartimäus, auf und gehen auf die Hoffnung zu. Ich bin überzeugt, dass Gott schon lange sehnsüchtig auf diesen Schritt ihrer Kinder gewartet hat.

Auch wenn der Weg lang ist, dieser Schritt kann nicht mehr verschwiegen werden. Die Frauen haben draußen, vor der Tür, einen Ort geschaffen. Einen Ort, an dem der Name Gottes wohnen kann. Lange genug wurde „drinnen“ geschwiegen, beschwichtigt, übergangen, abgewiegelt, die Prioritäten anders gesetzt, oder kleine Zugeständnisse gemacht. Eine ältere Frau schüttelt sich: mit welcher Selbstverständlichkeit die Arbeit der Frauen genommen und gleichzeitig über sie weggegangen wurde. Oder es gibt einen obligatorischen Blumenstrauß, nachdem man sich ihre Arbeit aneignete; wie selbstzufrieden man Frauen ihren Platz zuweist.

Maria 2.0 lässt die Luft schnuppern, wie es ist, wenn das vorbei ist. Nun gibt es einen Ort, von dem Atem und Rettung erstehen.* Der Weg ist lang, braucht viel Hinhören, Sorgfalt und Mut zur Wahrheit. Die Hoffnung aber lässt nicht zu Grunde gehen; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen. Liebe im christlichen Sinn ist kein Gefühl, sondern eine Haltung, mit der auch die schwierigsten Wege gemeistert werden können. Gehen allerdings muss man schon.

In Leserbriefen wird schon die Sorge um eine erneute Kirchenspaltung beschworen. Nun, die Armutsbewegungen um Franziskus und Klara wurden schließlich auch integriert, als es nicht mehr anders ging. Andere Stimmen meinen, es gehe doch darum, dass die Kirche sich als Ganzes reformiere, neu ausrichte. Die Frage ist, warum dann nicht dieser eine konkrete Schritt getan wird. Gott lässt sich nicht an ein Geschlecht binden. Es braucht dazu keine Revolution. Wenn jeder seinen Handlungsspielraum voll ausschöpft, kann es ein organisches Wachsen sein. Mit Schmerzen, aber durch die muss man durch. Wenn jeder durch sein Tun Gott ein bisschen mehr Platz lässt bewegen wir uns auf einen Ort hin, auf eine Kirche hin, in der Gott seinen Namen mit Wohlgefallen wohnen lässt. An einen Ort, an dem sie endlich aufatmen kann: ich bin ganz.
Träumen wir weiter kraftvoll davon, wie es sein wird, wenn sich die Kirche, dieser selbstgewählten Fessel entledigt, und endlich ganz bei den Menschen sein kann. Ich spielte auf seinem Erdenrund und meine Freude war es bei den Menschen zu sein.

Worum es geht
Den Aalener Frauen war wichtig in ihrem Gottesdienst eine hierarchiefreie Kirche zu feiern. Durch die sorgfältige Gestaltung ist es ihnen gelungen. Es wurden keine Funktionen zugewiesen, jede hat ihre Aufgabe gefunden, und sich eingebracht. Das ist etwas ganz anderes.

Es geht in diesem Prozess nicht um den Austausch von Personen. Es geht nicht darum, dass ein paar Frauen mehr eine Karriere in der Kirche machen. Es geht auch nicht darum Kirche irgendwie wieder attraktiv zu machen.

Es geht um Erneuerung. Und die wird noch sehr wehtun. Liebe tut weh.

Es geht um Erinnerung und Ausblick: meine Freude war es bei den Menschen zu sein. Es geht um eine Kirche in der die Menschen spüren, Gottes Freude ist es bei den Menschen zu sein. In ihrem ganz konkreten Leben. Amen.
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Anmerkung * Namen Gottes in der Bibel in gerechter Sprache S.19:ha-Makom

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