Wir sind Gottes Kinder – Pfingstmontag

Zweite Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Rom, Kapitel 8
14 Schwestern und Brüder! Alle, die sich vom Geist Gottes leiten lassen, sind Kinder Gottes.
15 Denn ihr habt nicht einen Geist der Knechtschaft empfangen, sodass ihr immer noch Furcht haben müsstet, sondern ihr habt den Geist der Kindschaft empfangen, in dem wir rufen: Abba, Vater!1
16 Der Geist selber bezeugt unserem Geist, dass wir Kinder Gottes sind.
17 Sind wir aber Kinder, dann auch Erben; Erben Gottes und Miterben Christi, wenn wir mit ihm leiden, um mit ihm auch verherrlicht zu werden.

Aus dem Evangelium nach Johannes, Kapitel 3
16 Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat.
17 Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird.
18 Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er nicht an den Namen des einzigen Sohnes Gottes geglaubt hat.
19 Denn darin besteht das Gericht: Das Licht kam in die Welt, doch die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht; denn ihre Taten waren böse.
20 Jeder, der Böses tut, hasst das Licht und kommt nicht zum Licht, damit seine Taten nicht aufgedeckt werden.
21 Wer aber die Wahrheit tut, kommt zum Licht, damit offenbar wird, dass seine Taten in Gott vollbracht sind.

Autorin:
Maria LerkeMaria Lerke, Pastoralreferentin in der Seelsorgeeinheit Winnenden – Schwaikheim – Leutenbach

 
Die Predigt:
Wir sind Gottes Kinder

Liebe Leserin,
lieber Leser,
So kann es nicht weitergehen! – Mir reicht`s!
Es muss sich endlich was bewegen, was ändern!
Diese und ähnliche Ausrufe sind wohl jeder und jedem bekannt.

Meistens hören wir sie, wenn Menschen frustriert oder enttäuscht sind. Und wenn wir in unsere Welt schauen, dann gibt es da wirklich Vieles, das veränderungswürdig ist. Politikverdrossenheit, Protestbewegungen, massenhaft Austritte aus unseren Kirchen zeigen, dass es gerade an allen Ecken und Enden rumort. Sind unsere Hoffnungen auf mehr Gerechtigkeit und Frieden, nach mehr Leben in Fülle einfach eine Nummer zu groß? Müssen wir uns mit „Weniger“ zufrieden geben?

Wir feiern heute noch einmal Pfingsten. Gestern haben wir von diesem Brausen vom Himmel her gehört, von diesen Zungen aus Feuer, die sich auf den Jüngerinnen und Jüngern verteilten; mächtige Bilder, die uns deutlich machen wollen, wie sehr die Heilige Geistkraft die Menschen durcheinander wirbeln kann, was passieren kann, wenn Gott sein Versprechen wahr macht. Ihre Angst war wie weggeblasen, die Freundinnen und Freunde Jesu strömten mutig hinaus, waren Feuer und Flamme und erzählten voller BeGEISTerung von Jesus Christus, ihrem Auferstandenen Herrn.
Da hat sich was bewegt! Plötzlich ging es weiter! Deshalb feiern wir an Pfingsten ja auch den Geburtstag der Kirche.
Die Kirche ist in die Jahre gekommen! und die Geburtstage?

Klar gibt es Unterschiede zwischen lustigen Kindergeburtstagen, lautstarken Geburtstagspartys der Jugendlichen, zünftigen Feiern der Erwachsenen und Festen, zu denen der eine oder die andere schon am Stock daher kommt. Trotzdem haben aber alle die Hoffnung, dass das Fest gut wird, dass sie ihr Leben wieder mal in seiner ganzen Fülle auskosten und erleben dürfen.
Welche Wünsche, welche Hoffnung haben wir dieses Jahr zu Pfingsten?

Geburtstage
An Geburtstagen wird ja gerne zurückgeschaut, was war gut? was hat uns geprägt? – aber wir fragen auch, was soll, was darf sich ändern? Welche Wünsche und Ziele habe ich für das kommende Jahr? Oft wird das dann noch in eine Rede gepackt, und je nach Geräuschpegel der Feiernden wird dann zugehört, oder auch nicht. Heute ist in der Lesung der Brief des Apostel Paulus an die Römer gerichtet und ich lade Sie ein, ihn jetzt als „Geburtstagsrede“ für unsere Kirche anzuhören.
Schwestern und Brüder! Alle, die sich vom Geist Gottes leiten lassen, sind Kinder Gottes.
15 Denn ihr habt nicht einen Geist der Knechtschaft empfangen, sodass ihr immer noch Furcht haben müsstet, sondern ihr habt den Geist der Kindschaft empfangen, in dem wir rufen: Abba, Vater!
16 Der Geist selber bezeugt unserem Geist, dass wir Kinder Gottes sind.
17 Sind wir aber Kinder, dann auch Erben; Erben Gottes und Miterben Christi, wenn wir mit ihm leiden, um mit ihm auch verherrlicht zu werden.

Wow, eine Geburtstagsrede, in der uns versprochen wird, dass wir keine Angst mehr haben müssen! Wir werden quasi „adoptiert“ und außerdem geht es ums „Erben“!

Wie mag dieser Brief auf die Anhänger Jesu im damaligen Rom gewirkt haben?
Es ging drunter und drüber, ständig war da die Angst, als Christ verraten zu werden, womöglich die Eltern oder die Kinder zu verlieren. Und in diese schweren Zeiten hinein wird gesagt:
ihr gehört zur großen Familie Gottes,
ihr dürft Gott ebenso liebevoll wie Jesus selbst: „Abba, lieber Vater“ nennen,
bei ihm seid ihr keine unfreien Mägde oder Knechte, bei ihm seid ihr Töchter und Söhne,
dieser Vater nimmt euch an, wie sein eigenes Kind,
ja mehr noch, ihr seid Miterben Christi, das heißt – auch ihr bekommt ein „Wohnrecht“ im Reich Gottes! Dass dieses Versprechen viele Menschen trotz aller widrigen Umstände in Bewegung gebracht hat, das wissen wir aus der Geschichte!

Wie wirkt dieser Brief auf uns Christen heute?
Unsere Zeit wird oft als Chaotisch beschrieben und viele Menschen haben Angst vor der Zukunft. Bis vor wenigen Jahren waren die Menschen noch viel optimistischer. Die Hoffnungen waren groß auf immer bessere Techniken, auf medizinische Fortschritte und auf weltweite neue Erfindungen. Alles schien machbar, wenn nicht jetzt, dann aber bestimmt in nächster Zeit.
Doch heute erleben wir, dass eben nicht alles machbar ist, dass es viele Grenzen gibt, die wir wohl besser nicht überschreiten sollten, dass auch schon vieles „den Bach hinunter“ ist, für immer verloren, größtenteils durch unser Mittun.

Was macht das mit uns, wenn wir vom Apostel Paulus hören: keine Angst, ihr seid Kinder Gottes, ja mehr noch, ihr seid seine Erben!?
Wir sollen eben nicht im Pessimismus versinken – wir Christen dürfen voller Hoffnung sein, weil Gott uns als Vater angenommen hat!

Kind Gottes sein – was heißt das?
Normalerweise sucht sich ein Kind seine Eltern ja nicht aus. Kind-sein-dürfen ist in erster Linie wirklich ein Geschenk und es bedeutet: angenommen, beschützt und bedingungslos geliebt zu werden, auch wenn man selber noch nichts kann und eigentlich nur „Arbeit“ macht. Ich glaube dass wir uns alle genau danach sehnen, wenn wir den Wunsch äußern, wenigstens mal wieder einen Tag lang „Kind“ sein zu dürfen.

Gott sagt uns dies zu:
Gott nimmt uns an, egal wie wir sind, mit unseren Ecken und Kanten. Er sagt nicht: „wenn du lieb bist, dann kriegst du ….!“ im Gegenteil! Er sagt: „Komm, wie du bist – so mag ich Dich!“
Gott beschützt uns, nicht unbedingt in dem Sinne, dass uns nichts passieren wird! Er lässt uns ja unseren freien Willen, wir sind keine Knechte, Mägde oder Marionetten für ihn.
Gott begleitet uns auch dann, wenn unser Lebensweg holprig und steinig wird.
Gott ist der gute Hirte, er weiß auch dann einen Ausweg, wenn wir uns verirren oder in dunkler Schlucht unterwegs sind.

Was passiert, wenn wir uns in kindlichem Vertrauen diesem Abba, diesem liebenden Vater anvertrauen?
Eine uralte Geschichte, die ich früher im Religionsunterricht gehört habe, fällt mir da ein:
In einem Wohnhaus ist ein Brand ausgebrochen. Ein kleiner Junge rettet sich auf den Balkon. Die Feuerwehr kommt angefahren, sie halten das Sprungtuch und fordern den Kleinen auf, er solle doch herunterspringen. Doch er traut sich nicht. Erst als sein Vater kommt und die Arme weit aufhält, traut er sich, wagt den Sprung und überlebt.

Dass es an vielen Ecken und Enden brennt, das erleben wir täglich. Viele Probleme brennen nicht mehr unter, sondern bereits auf den Nägeln!
Viele Schritte und vielleicht sogar „Sprünge“ sind nötig, um zu retten, was noch geht. Wir brauchen Vertrauenspersonen, die Menschen auffangen, wenn sie drohen, abzustürzen. Wir brauchen Brüder und Schwestern, die löschen helfen, wenn sogar unsere Kirchen in Brand geraten sind. Nur gemeinsam können wir das schaffen!

Der Geist selber bezeugt unserem Geist, dass wir Kinder Gottes sind. (Römer 8,16)
Das ist das Geschenk, das Gott uns auch dieses Jahr zum Geburtstag seiner Kirche macht.
Seine heilige Geistkraft sagt unserem Geist, dass wir seine Kinder sind – ja mehr noch, diese heilige Geistkraft bezeugt es uns immer wieder aufs Neue. Wir dürfen auch im kommenden Jahr damit rechnen, dass Gott uns Geschenke seiner Liebe machen wird. Er lässt uns immer wieder spüren, dass er uns begleitet, dass er uns den Rücken stärkt, dass er uns die richtigen Worte eingibt, wenn es mal brenzlig wird, dass er uns eine Hand schenkt, die uns führt, wenn wir ängstlich und mutlos sind.
Die Jüngerinnen und Jünger haben damals in kindlichem Vertrauen ihre Hoffnung auf das Wirken Gottes in ihrer schwierigen Zeit gesetzt. Und so konnten sie hinaus gehen und helfen, dass viele Menschen in Gottes Familie hineinwachsen und zu einem Leben in Fülle finden konnten.

Das traut uns Gott auch heute zu – seine heilige Geistkraft will auch uns zu Zeugen seiner Liebe machen. Es kommt auch heute, trotz mancher Zweifel auf unseren Glauben an.
Mit meinem Gott überspringe ich Mauern! (Psalm 18,30)
Lassen wir uns senden?
Gottes Angebot steht!

Dieser Beitrag wurde unter Predigten veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

45 − = 44

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.