Gott bekannt machen – 7. Ostersonntag C

Aus dem Evangelium nach Johannes, Kapitel 17
In jener Zeit erhob Jesus seine Augen zum Himmel und betete: Heiliger Vater,
20 ich bitte nicht nur für diese hier, sondern auch für alle, die durch ihr Wort an mich glauben.
21 Alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast.
22 Und ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast, damit sie eins sind, wie wir eins sind,
23 ich in ihnen und du in mir. So sollen sie vollendet sein in der Einheit, damit die Welt erkennt, dass du mich gesandt hast und sie ebenso geliebt hast, wie du mich geliebt hast.
24 Vater, ich will, dass alle, die du mir gegeben hast, dort bei mir sind, wo ich bin. Sie sollen meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast, weil du mich schon geliebt hast vor Grundlegung der Welt.
25 Gerechter Vater, die Welt hat dich nicht erkannt, ich aber habe dich erkannt und sie haben erkannt, dass du mich gesandt hast.
26 Ich habe ihnen deinen Namen kundgetan und werde ihn kundtun, damit die Liebe, mit der du mich geliebt hast, in ihnen ist und damit ich in ihnen bin.

Autorin:
M. Rings-Kleer
Marita Rings-Kleer, Gemeindereferentin in der Pfarreiengemeinschaft Altenkessel-Klarenthal, Diözese Trier

 
Die Predigt:
Gott bekannt machen

Liebe Leserin, lieber Leser,

Sich kennen lernen
Wenn man heutzutage noch Menschen der alten Benimm-Schule trifft, dann stellen sie sich nach allen Regeln vor: „Darf ich mich vorstellen: Mein Name ist AB und ich komme aus XY und bin hier, weil..“. Trifft man aber auf einen jüngeren, modernen Menschen, dann heißt es oft: „Hallo, ich bin die A und wie heißt du? Was machst Du hier?“ In beiden Fällen, ob förmlich oder salopp, weiß ich nach der Vorstellung oft nicht mehr als den Namen und den Wohnort. Dennoch heißt es später nicht selten: Ich habe jemand Neues kennen gelernt.

Mittlerweile wird das Wort „kennen gelernt“ aber schon wieder anders gedeutet: Es wird dann benutzt, wenn sich zwei Menschen ineinander verlieben. Und dann gibt es noch dieses Wort aus alter Zeit, wenn ein Dritter zwei Menschen miteinander „bekannt gemacht“ hat.

Sich vorstellen, sich bekannt machen, sich kennen lernen sind drei Begriffe und auch drei Schritte, die zu e i n e m Prozess gehören. Sie gehören zusammen und sie brauchen einander auch. Denn ohne, dass ich mich vorstelle oder bekannt gemacht werde, kann ich den anderen Menschen nicht kennen lernen. Es braucht diesen ersten Akt, bei dem ich zunächst das wichtigste äußere Datum, nämlich meinen Namen, mitteile. Und umgedreht, wenn ich jemanden kennen lernen will, muss ich erstmal dieses Basis-Datum erfragen. Wie intensiv das „Kennen Lernen“ dann weitergeht, hängt vom Interesse an der Person ab. Ist die Bekanntschaft nur flüchtig, braucht es nicht viel mehr, soll sie intensiver werden, vielleicht sogar zu einer Beziehung oder Liebesbeziehung werden, dann brauche ich viel mehr Informationen über mein Gegenüber.

Kennen lernen nach und nach
Und mehr noch! Im Buch „Der kleine Prinz“ von Saint-Exupery wird auch vom Kennen lernen erzählt und davon, dass die Menschen kaum noch Zeit dafür haben. Dabei ist das Kennen lernen sehr wichtig, im Buch wird es „sich vertraut machen“ genannt und als ein Prozess beschrieben, der Zeit braucht. Der kleine Prinz will den Fuchs zum Freund und muss sich ihm Schritt für Schritt vertraut machen. Und nicht nur den Fuchs, auch seine Lieblingsblume, lernt er nach und nach kennen und erfährt so, was für sie wichtig ist, was sie braucht und wie es ihr geht. Beim Menschen ist es ebenso: Auch wir lernen unsere Liebsten nach und nach kennen, ihre angenehmen Seiten und auch ihre schwierigen. Und irgendwann entscheiden wir dann meist doch nicht nach der Informationslage, sondern mit dem Herzen.

Der Prozess des Kennenlernens
Jesus spricht in der Abschiedsrede des Evangelisten Johannes auch davon, dass er den Menschen damals den Namen Gottes bekannt gemacht hat und es bis zu uns heute tut. Und er hat diese „Bekanntschaft“ eingeleitet, damit auch zwischen Gott und uns eine Beziehung entstehen kann, eine Liebesbeziehung. Der Prozess des Kennen Lernens soll sich also auch zwischen Gott und uns Menschen vollziehen.

Den Menschen von Gott erzählen
Doch genau das ist heute nicht einfach. In der gerade zu Ende gegangen Erstkommunionvorbereitung fiel mir die Aufgabe zu, für die Eltern der fast fünfzig Kommunionkinder „Glaubensabende“ anzubieten. Wir hatten die Idee, den Müttern und Vätern Gott „vorzustellen“, denn im Jahr zuvor war uns wieder einmal aufgefallen, dass ihnen ganz viel Praxis fehlte.

Aber wir wollten ihnen nicht nur Gebete und Rituale überstülpen, sondern wir wollten, dass sie das, was uns als Glaubende antreibt, kennen lernen sollten. Also lud ich die Mütter und Väter auf freiwilliger Basis ein, Gott und seinen Sohn Jesus Christus, besser kennen zu lernen. Am ersten Abend kamen zwei Mütter, am zweiten Abend dann schon acht junge Mütter. Da die Frauen aus fünf ehemaligen Pfarreien bzw. Stadtteilen kamen, gab es natürlich erst eine Vorstellungsrunde. Im zweiten Schritt fragte ich sie dann, was sie von Gott und Jesus überhaupt wissen, wie weit sie Gott uns seinen Sohn kannten. Eine Mutter wusste von Weihnachten, dem Geburtsfest Jesu und auch, dass er gekreuzigt worden sei, die anderen Mütter wussten nichts! Sie sagten dies auch ganz offen. Ihr Kind hatten sie zur Erstkommunion angemeldet, weil sie das Fest feiern wollten. Aber wer Jesus war oder was seine Botschaft war, was er getan hatte, war ihnen gänzlich unbekannt. Der Versuch meinerseits, ihnen im Laufe des Abend Jesus mit ein paar grundlegenden Daten vorzustellen, war zum Scheitern verurteilt. Der Beweis dafür: Zum dritten Abend kamen dann wieder nur zwei Mütter. Es war mir also nicht gelungen, ihnen Jesus so weit bekannt zu machen, dass sie ihn auch kennen lernen wollten, dass sie diesen ersten Schritt zu einer Beziehung mit ihm, wagen wollten.

Wenn wir in unseren zahlreichen Teams und Arbeitsgruppen zusammen sitzen und über zukünftige Modelle von Pastoral nachdenken, dann fällt mir auf, dass wir immer davon ausgehen, dass wir Menschen vor uns haben, die Gott und seine Geschichte mit den Menschen kennen, die von Jesus Christus und seinem Handeln, seiner Botschaft wissen. Aber vermutlich ist der Satz aus dem Evangelium: Ich habe ihnen deinen Namen kundgetan gemacht und werde ihn kundtun, heute aktueller und wichtiger denn je. Denn es wird unsere zentrale Aufgabe werden, den Menschen von Gott zu erzählen.

In den Lesungen der vergangenen Wochen aus der Apostelgeschichte haben wir gehört, dass Paulus genau das getan hat. Er hat die Gottesdienste in den Synagogen genutzt, um den Menschen von dem „Neuen“, von Jesus Christus, zu erzählen. Er war dabei so erfolgreich, dass immer mehr Menschen kamen, um ihn zu hören und viele kamen auch zum Gauben. Auch damals schon galt: wenn ich mit Jesus eine Beziehung eingehen will, muss er mir vorgestellt werden, muss ich ihn kennenlernen. Und Paulus machte ihn den Menschen bekannt.

Einen neuen Weg entdecken
Der „alte Weg“ ist abgerissen, der Weg, auf dem Mütter und Väter zu Hause den Kindern schon von Gott erzählten, ihnen biblische Geschichten vorlasen oder beteten. Der „neue Weg“ muss weiter entdeckt und dann begangen werden.

Es braucht auch hierzulande wieder Menschen wie Paulus und Co., die alle Gelegenheiten nutzen, mutig und öffentlich von Gott zu sprechen. Es braucht Frauen und Männer, die den Namen Gottes und sein machtvolles Wirken auch in unserer Zeit, bekannt machen. Ich selbst versuche es, gelegen oder ungelegen, und ich wünsche mir, dass mehr und mehr dabei sind, wenn es gilt, Gott bekannt zu machen.

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