Jesus in den Herzen der Menschen – Christi Himmelfahrt C

Aus dem Evangelium nach Lukas, Kapitel 24
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern und Jüngerinnen:
46 So steht es geschrieben: Der Christus wird leiden und am dritten Tag von den Toten auferstehen,
47 und in seinem Namen wird man allen Völkern Umkehr verkünden, damit ihre Sünden vergeben werden.
48 Angefangen in Jerusalem, seid ihr Zeugen dafür.
49 Und siehe, ich werde die Verheißung meines Vaters auf euch herabsenden. Ihr aber bleibt in der Stadt, bis ihr mit der Kraft aus der Höhe erfüllt werdet.
50 Dann führte er sie hinaus in die Nähe von Betanien. Dort erhob er seine Hände und segnete sie.
51 Und es geschah: Während er sie segnete, verließ er sie und wurde zum Himmel emporgehoben.
52 Sie aber fielen vor ihm nieder. Dann kehrten sie in großer Freude nach Jerusalem zurück.
53 Und sie waren immer im Tempel und priesen Gott.

Autorin:
_MG_7932-web Birgit DroesserBirgit Droesser, Pastoralreferentin, war tätig in der Gemeindepastoral, in der Klinikseelsorge und im Theol. Mentorat Tübingen, jetzt Pfarrgemeinderätin in St. Bruno, Würzburg

 
Die Predigt:
Jesus in den Herzen der Menschen

Liebe Leserin, lieber Leser,

Abschiednehmen
Abschied nehmen zu müssen, tut oft sehr weh. Und doch ist es unumgänglich. Ohne Vergangenes zurückzulassen und auf das Neue zuzugehen, hätten wir keine Zukunft. Wenn uns ein geliebter Mensch durch den Tod genommen wird, dann lebt er oft besonders in seiner Stimme und in seinen Worten in uns weiter. Bestimmte Redensarten und Ansichten gehen mit uns mit. Sie tauchen immer wieder in unserer Erinnerung auf. Und manches von seinen Anliegen und seiner Persönlichkeit verstehen wir auch erst später, im Nachhinein, viel besser.

So ähnlich und doch auch wieder anders war es, als der Umgang, den Jesus nach seiner Auferstehung mit Maria und seinen Jüngerinnen und Jüngern gepflegt hat, aufhörte. So erzählen es die Evangelien, abgesehen von Markus, der seine Schilderung des Lebens Jesu mit der Auferstehungserfahrung der Frauen enden lässt. Eines Tages war der Abschied endgültig – wir sprechen von Christi Himmelfahrt. Und wie auch sonst im Leben begann der Prozess eines vertieften Nachdenkens über das, was Jesus gesagt und getan hatte, über das, was mit ihm geschehen war. Was hatte das alles zu bedeuten?

Anders war die große Freude, von der Lukas im Evangelium spricht, Freude in den Herzen der Jünger und Jüngerinnen. Jesus war nicht mehr da und doch fühlten sie sich nicht alleingelassen sondern gesegnet und beauftragt, für Jesus einzustehen und sein Anliegen weiterzutragen.

Ein Sinnbild für die neue Gegenwart Jesu
Mich begeistert immer wieder der schlichte Vergleich mit der Blüte des Löwenzahns: die goldene Blütensonne als Sinnbild für die Gegenwart Jesu auf dieser Erde, wie sich die Blüte nach einigen Tagen schließt und in eine wunderschöne Samenkugel verwandelt, wie dann der Wind die Samen überall hin trägt und später neue kleine Blütensonnen daraus entstehen. Wie sich der Same in die Erde senkt, so zieht Jesus ein in die Herzen der Menschen, die sich ihm öffnen. Sein Geist, die heilige Geistkraft, die wir bald am Pfingstfest feiern werden, hilft uns Menschen, unser Leben zu bestehen und seine Botschaft vom Reich der Gerechtigkeit und des Friedens überall hin weiter zu tragen.

Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung
Wie lange nicht mehr, ist das Einstehen für die Zukunft unserer Mutter Erde das große Thema dieser Tage. Ist es nicht großartig, dass der Einsatz für die Natur und unsere Mitwelt so viele Menschen in so vielen Ländern begeistert? Ist das nicht genau im Sinne Jesu, denn von den Folgen des Klimawandels sind die schutzlosesten Wesen, die Kinder, die Tiere und die ärmsten Völker der Welt am meisten betroffen? Und es wird einen langen Atem brauchen und vor allem ein Umdenken und Verzichten erfordern, für jede und jeden einzelnen ganz persönlich. Es geht darum, Prioritäten zu setzen und um die Bereitschaft zum Umkehren, was unseren Lebensstil angeht. Spüren wir, dass hier ein ganz jesuanisches Thema berührt ist? Wenn ihr nicht umkehrt … ist eines der Worte Jesu, das in der Christenheit weiterlebt.

Die Friday for Future Bewegung entstand nicht in den Kirchen. Und doch ist das Anliegen schon lange ein Thema in den Kirchen, nur immer wieder verdeckt von so vielem anderen. Jetzt ist der Funke übergesprungen. Gott sei Dank. Als Kirchen sollten wir die Bewegung für den Kimaschutz mit Konzentration unterstützen. Denken wir nur an Papst Franziskus und seine Enzyklika „Laudato si“. Im Film von Wim Wenders bezeichnet er unsere Mutter Erde das am allermeisten gequälte Geschöpf Gottes.

Wir Ältere erinnern uns vielleicht noch daran, wie lange „Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung“ schon ein Thema in den Kirchen ist. „Bewahrung der Schöpfung“ klingt nicht nur ein wenig wie von gestern. Es war schon in den 1980er Jahren ein Anliegen, das auf der auf der VI. Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) in  Vancouver 1983 seinen Anfang nahm. Und in diesen Tagen ist es 30 Jahre her als im Mai 1989 die Erste Europäische Versammlung der Kirchen in Basel ein Manifest verabschiedet hat, das alle Christinnen und Christen auf ihre Verantwortung für unsere Welt verplichten wollte. (* siehe Anhang) Eine Zeitlang wurde viel darüber gesprochen, in den Bistümern wurden Umweltbeauftrage eingestellt, die für die Umsetzung der Beschlüsse garantieren sollten. Aber dann haben sich nach meiner Wahrnehmung die anderen Themen in den Vordergrund geschoben.

Umkehren ist mühsam
Und außerdem ist es mühsam und kostet Geld. Es ist mühsam für die Pfarrgemeinden, bei allen Aktionen stets auch zu bedenken, ob sie umweltfreundlich sind. Außerdem kann man sich dann nicht immer für das Billigste entscheiden, wenn es um Baumaßnahmen geht oder ein Fest geplant wird oder z.B. Reinigungsmittel beschafft werden. Da ist viel Zündstoff für heftige Diskussionen enthalten, weil natürlich überall die Mittel begrenzt sind. Es ist mühsam auch im Privathaushalt und in der Familie. Was bringt es, wenn eine kleine Minderheit das teure Bio-Fleisch kauft? – ist ein oft gehörter Einwand. Und davon gibt es viele. Z.B.: warum sollen wir uns einschränken, wenn andere Länder in großem Stil die Umwelt verschmutzen? Doch erst wenn etwas weh tut, kann man davon sprechen, dass man ein Anliegen wirklich ernst nimmt. Und anfangen kann man halt nur bei sich selbst. Sich ändern und umkehren kann auch jede und jeder nur ganz persönlich.

Nicht ohne Jesus in unseren Herzen
Wenn wir uns mit Jesus wirklich verbinden, wenn wir ihm einen Platz in unserem Herzen einräumen, werden wir den langen Atem erhalten, der nötig ist, um die wirklich dicken Bretter zu bohren. Wir brauchen die Gemeinschaft mit ihm so dringend und die ständige Besinnung auf das Evangelium, damit wir uns gegenseitig immer wieder anfachen, korrigieren und ermutigen können.

Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung, das heutige Fest möchte uns einen neuen Schub geben, die Anliegen Jesu in unserer Zeit miteinander umzusetzen oder in der Sprache des Evangeliums, mit Freude Zeuginnen und Zeugen für ihn zu werden. Amen

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* Erste Europäische Ökumenische Versammlung
Im Jahr 1989, wenige Monate vor Öffnung der Berliner Mauer (9. 11.1989) fand in der Pfingstwoche vom 15.-21. Mai die Europäische Ökumenische Versammlung „Frieden in Gerechtigkeit“ in Basel statt. Sie wurde von der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) und der Europäischen Bischofskonferenz (CCEE) getragen und führte erstmals seit der Reformation alle Kirchen Europas zusammen. Es waren etwa 700 Teilnehmende aus fast allen Nationen Europas vertreten. Die Bevölkerung von Basel wurde ebenfalls in die Veranstaltungen mit einbezogen. Ein Versammlungsdokument mit den Anliegen der modernen Kirche ‒ im Vordergrund standen Gerechtigkeit, Friede und Bewahrung der Schöpfung sowie die politische Verantwortung der Kirche ‒ ging aus dem Kongress hervor. Der Dreiländermarsch durchs Dreiländereck Deutschland – Frankreich – Schweiz beeindruckte viele, vor allem aus dem Osten kommende Teilnehmende.

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Gedenkstein „stone of witness“ zur Erinnerung an die Erste Europäische Ökumenische Versammlung vor dem Kreuzgang des Basler Münsters. Foto: Erik Schmidt

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Die Linde wurde an der Ersten Europäischen Ökumenischen Versammlung vor dem Kreuzgang des Basler Münsters gepflanzt. Aufnahme von 2012. Foto: Erik Schmidt

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