Die Zukunft hat begonnen – 2. Sonntag der Osterzeit C

Zweite Lesung aus der Offenbarung des Johannes, Kapitel 1
9 Ich, Johannes, euer Bruder und Gefährte in der Bedrängnis, in der Königsherrschaft und im standhaften Ausharren in Jesus, war auf der Insel, die Patmos heißt, um des Wortes Gottes willen und des Zeugnisses für Jesus.
10 Am Tag des Herrn wurde ich vom Geist ergriffen und hörte hinter mir eine Stimme, laut wie eine Posaune.
11 Sie sprach: Schreib das, was du siehst, in ein Buch und schick es an die sieben Gemeinden in Kleinasien.
12 Da wandte ich mich um, weil ich die Stimme erblicken wollte. Als ich mich umwandte, sah ich sieben goldene Leuchter
13 und mitten unter den Leuchtern einen gleich einem Menschensohn; er war bekleidet mit einem Gewand bis auf die Füße und um die Brust trug er einen Gürtel aus Gold.
14 Sein Haupt und seine Haare waren weiß wie weiße Wolle, leuchtend weiß wie Schnee, und seine Augen wie Feuerflammen;
15 seine Beine glänzten wie Golderz, das im Schmelzofen glüht, und seine Stimme war wie das Rauschen von Wassermassen.
16 In seiner Rechten hielt er sieben Sterne und aus seinem Mund kam ein scharfes, zweischneidiges Schwert und sein Gesicht leuchtete wie die machtvoll strahlende Sonne.
17 Als ich ihn sah, fiel ich wie tot vor seinen Füßen nieder. Er aber legte seine rechte Hand auf mich und sagte: Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte
18 und der Lebendige. Ich war tot, doch siehe, ich lebe in alle Ewigkeit und ich habe die Schlüssel zum Tod und zur Unterwelt.
19 Schreib auf, was du gesehen hast: was ist und was danach geschehen wird.

Autorin:
Karin_2016 (3) Karin Stump, Pastoralreferentin im Katholischen Forum Dortmund

 
Die Predigt:
Die Zukunft hat begonnen

Liebe Leserin, lieber Leser,
Zukunftsfähigkeit, Nachhaltigkeit, Fridays for future – die Zukunft beschäftigt uns in diesen Zeiten. Ab heute liest die Kirche bis Pfingsten aus der Offenbarung des Johannes. Das letzte Buch der Bibel lädt ein, auf die Zukunft zu schauen, die von Gott kommt, und von daher die Gegenwart einzuordnen.

Johannes, der Autor der Offenbarung, wurde auf die Insel Patmos verbannt. Wahrscheinlich musste er, wie viele damals, ca. 90 nach Christus, Zwangsarbeit in den Felsen leisten, Steine hauen für große Bauten. Er schreibt für Menschen, die genau wie er Unrecht und Gewalt des römischen Imperiums erlitten. Bedrängnis ist deshalb ein wichtiges Stichwort in der Offenbarung.

Johannes wird wegen seines christlichen Glaubens verfolgt. Und er ist Begleiter, der anderen in dieser Lage Hoffnung und Mut zum Aushalten macht. Er versucht, den Glauben an Gott mitten in den Schrecken und Prüfungen zu leben und zu verkünden. Die Offenbarung will die Hülle wegziehen, die den Sinn der Geschichte und Gottes Heilsplan verbirgt. Uns erwartet mehr. Das sieht und schreibt Johannes in visionären Bildern. Diese Welt wird relativiert. Johannes tröstet die Verzagten. – Sind wir das nicht auch oft?

Er malt Bilder voller Hoffnung. Doch er malt auch das Horrorszenario. Schreckensbilder aus aller Welt sehen wir täglich in den Medien. Katastrophen, Skandale, unethisches Verhalten von Regierungen und Unternehmen werden ans Licht der Öffentlichkeit gebracht. Andererseits beschreiben in Diktaturen aller Zeiten Dichter, Autorinnen, Sängerinnen und Publizisten die reale Welt verhüllt in Bildersprache! Johannes ist Künstler, Poet und visionärer Prophet. Er muss eine tiefe Erfahrung der Macht, der Liebe und Heiligkeit Jesu gemacht haben.

So stellt er den Schrecken der Realität Bilder aus der guten Welt Gottes entgegen. Dem Drachen oder der Bestie, die für das römische Imperium und den Kaiser stehen, setzt er die Vision Jesu entgegen: Da kommt einer, der wie ein Mensch aussieht. Er ist unsere Zukunft!

Als erstes sieht der Seher sieben goldene Leuchter, die sieben christlichen Gemeinden Kleinasiens als Licht.  Und mitten unter den Leuchtern einen gleich einem Menschensohn. Die verfolgten Christinnen und Christen in der Dunkelheit sind Licht – wegen der Gegenwart Jesu in ihrer Mitte. So sagt Johannes gleichzeitig uns heute, wie wichtig es ist, dass die Gemeinden Erfahrungen mit Jesus machen! Dann sind sie Licht!

Der Menschensohn, Jesus Christus, erscheint als göttliche, transzendente Gestalt, prächtiger gekleidet als ein Kaiser und würdevoller als ein Hohepriester. Das lange Gewand macht ihn als Priester kenntlich, der Goldgürtel zeichnet ihn als König aus, das weiße Haar deutet auf die Ewigkeit hin. Seine feuerflammenden Augen zeugen von seinem göttlichen Wissen, die Bronze- Füße stehen für Stabilität und Festigkeit. Die Stimme des Menschen ist „laut wie eine Posaune, wie das Rauschen von Wassermassen“, majestätisch und mächtig. Die sieben Sterne in seiner Hand stehen für die sieben Gemeinden in Kleinasien und für ihre Schutzengel. Das Schwert, das aus dem Mund der Menschengestalt ragt, zeigt an, dass sein Wort göttliche und entscheidende Kraft hat. Sein Gesicht strahlt wie die Sonne. Es steht für seine Autorität.

Diese kraftvolle göttliche Gestalt macht Mut. Wenn sich die Verfolgten an diesen Menschensohn halten, so werden sie leben. Denn Jesus stellt sich vor: Ich bin der Lebendige. Ich war tot, doch siehe, ich lebe in alle Ewigkeit. ich habe die Schlüssel zum Tod und zur Unterwelt.

Johannes fällt zu Boden, wie andere Propheten bei einer Gotteserscheinung. Vor der Stärke Gottes spürt der Mensch seine Begrenztheit, seine Verletzlichkeit. Das Hinfallen symbolisiert auch die Situation der Gemeinden, die angesichts der römischen Schreckensherrschaft zu Boden gefallen sind. Aber sie werden berührt und erhoben durch Jesus Christus – wie der Seher selbst. Er, der aussieht wie ein Mensch, nicht wie eine Bestie, er aber legte seine rechte Hand auf mich und sagte: Fürchte dich nicht! In der Not tröstet Jesus: Ich bin bei euch, vom Anfang bis zum Ende, ich bin ein zärtlicher Freund, nah und stark, erhaben.

Jesus ist, wie Johannes auf Patmos, ein Opfer der Gewalt. Aber der Menschensohn wurde aus dem Tod auferweckt, er ist lebendig! Und so ist er für alle, die bedrängt sind, eine Hoffnungsgestalt. Die Leiden werden nicht immer andauern. Wir können aufatmen und werden leben! Zukunft hat begonnen.

Wer dem auferstandenen Christus begegnet, der voller Licht inmitten der Leuchter steht, der weiß: Er regiert! Auch heute. Auch in deiner Welt. Er ist der Herr auch deiner Zukunft. Die Vision des Johannes ist eine Kampfansage gegen alle gottähnlichen Ansprüche: Sei es die der römischen Weltmacht, seien es die anderer politischer, gesellschaftlicher, medialer Machthaber. Der wahre Herr der Welt wird in der oft armseligen, nicht selten verfolgten Gemeinde verehrt. Er ist der gekreuzigte, auferstandene und wiederkommende Christus.

Was baut Menschen, was baut Gemeinschaften und Gemeinden heute auf angesichts der Prachtbauten und der Machtanmaßung in unterschiedlichen Systemen, Staaten und Institutionen? Gottlose und menschenverachtende Lebensweisen lassen uns suchen nach einem, der wie ein Mensch aussieht und danach handelt. Gegen die Mächte, die heute Schrecken verbreiten, sind wir gerufen, Widerstand zu leisten und Hoffnung zu säen. Christsein lässt sich nicht auf Seelentrost und Innerlichkeit reduzieren. Es gibt Situationen, da fallen Christen auf, wenn sie nicht Mitläufer bleiben und ihren Glauben verstecken. Die Vision des Johannes ermutigt, das Menschliche, den Menschen zu bewahren gegen alle Bestien und Bestialität, gegen Gewalt und Ausbeutung von Mensch und Natur. Die Offenbarung entlarvt verkehrte Verhältnisse und richtet sie neu auf den Menschen, den Auferstandenen hin aus! In Bildern sehen wir schon die Zukunft, die von Gott kommt.

Aber bis dahin wird die Geschichte noch manche Kämpfe fordern. Und da tut es gut, dass einer da ist, ein wahrer Mensch, der die Hand auf die Schulter legt. Seid ohne Furcht. Diesen Trost können auch wir einander immer wieder nur zusprechen und weitergeben. Der Auferstandene steht uns dabei zur Seite. Amen.
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Anregungen: Gunther Fleischer, Die Botschaft heute, April 2019

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