Die Augen sind das Fenster zur Seele – 2. Fastensonntag C

Aus dem Evangelium nach Lukas, Kapitel 9
In jener Zeit
28 nahm Jesus Petrus, Johannes und Jakobus mit sich und stieg auf einen Berg, um zu beten.
29 Und während er betete, veränderte sich das Aussehen seines Gesichtes und sein Gewand wurde leuchtend weiß.
30 Und siehe, es redeten zwei Männer mit ihm. Es waren Mose und Elija;
31 sie erschienen in Herrlichkeit und sprachen von seinem Ende, das er in Jerusalem erfüllen sollte.
32 Petrus und seine Begleiter aber waren eingeschlafen, wurden jedoch wach und sahen Jesus in strahlendem Licht und die zwei Männer, die bei ihm standen.
33 Und es geschah: Als diese sich von ihm trennen wollten, sagte Petrus zu Jesus: Meister, es ist gut, dass wir hier sind. Wir wollen drei Hütten bauen, eine für dich, eine für Mose und eine für Elija. Er wusste aber nicht, was er sagte.
34 Während er noch redete, kam eine Wolke und überschattete sie. Sie aber fürchteten sich, als sie in die Wolke hineingerieten.
35 Da erscholl eine Stimme aus der Wolke: Dieser ist mein auserwählter Sohn, auf ihn sollt ihr hören.
36 Während die Stimme erscholl, fanden sie Jesus allein. Und sie schwiegen und erzählten in jenen Tagen niemandem von dem, was sie gesehen hatten.

Autorin:
C-Bettin-komprimiert-200x300Christina Bettin, Gemeindereferentin in der Gemeinschaft der Gemeinden Mönchengladbach – Süd im Bistum Aachen

 
Die Predigt:
Die Augen sind das Fenster zur Seele

Liebe Leserin, lieber Leser,
die Bibelstelle von der Verklärung Jesu auf dem Tabor begegnet uns alle Jahre wieder in der Fastenzeit. Dadurch, dass sie sich nicht im letzten „erklären“ lässt, behält sie eine besondere Faszination. Was gab es da zu sehen? Was beinhaltet dieses „Verklärt“-sein?

Unsere Augen sind ja ein hochkomplexes Sinnesorgan. Ein Großteil unserer äußeren Wahrnehmungen erreicht uns über die Augen. Es ist ein vielschichtiger Vorgang, wie die Wahrnehmungen empfangen, weitergeleitet und verarbeitet werden, wenn sie sich in Sekunden Bruchteilen in Bilder verwandeln. Als Laie ist mir das viel zu hoch, da den Durchblick zu haben und es fachgerecht erklären zu können. Hornhaut, Regenbogenhaut/Iris, Pupille, Linse, Glaskörper, Makula, Netzhaut und der Sehnerv spielen dabei eine entscheidende Rolle. Es geht mir hier aber natürlich nicht um eine naturwissenschaftliche Erörterung über das menschliche Augen. Vielmehr möchte ich Ihren Blick auf dieses besondere Sehen, das Aus-sehen, An-sehen, die Verklärung lenken.

Sie kennen sicher das Zitat von Hildegard von Bingen: „Die Augen sind das Fenster zur Seele“. Auf dem Hintergrund dieses Zitates möchte ich tiefer sehen und näher beleuchten.

Bei Fenstern ist es ja so, dass wir durch sie hinein und heraus schauen können. Trifft das auch auf unsere Augen zu? Sinneswahrnehmungen erreichen uns durch unsere Augen, dadurch kommt also ohne Frage etwas zu uns herein; es prägt sich ein Bild der äußeren Wirklichkeit in uns ab. – Doch kommt auch etwas von uns durch unsere Augen heraus? Kann mein Gegenüber etwas aus meinen Augen über mich herauslesen? Scheint etwas von mir selbst durch meine Augen nach außen?

„Schau mir in die Augen, Kleines“ bzw. „Ich schau dir in die Augen, Kleines“ lässt Regisseur Michael Curtis den Hauptdarstellen Humphrey Bogart im Filmklassiker, Casablanca, sagen. Er markiert damit einen ganz entscheidenden Augenblick. Es geht um Ehrlichkeit und Vertrauen über das gesprochene Wort hinaus, um Einblick in die Seele zu geben bzw. zu nehmen. Die Leute sagen, dass sie vor allem die Emotionen eines Menschen z.B. Schmerz oder Wut in seinen Augen sehen können. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass die Augen das wesentliche Merkmal des Gesichtes sind, das Hinweise auf die Absichten des Gegenübers gibt. Die Augen spielen von Anbeginn an eine Schlüsselrolle zum Erkennen von Freund oder Feind, von Gefahr oder freundlichen Absichten. Blickkontakt ist dabei etwas Wesentliches.

Ein gesenkter Blick möchte genau das verhindern und ungewollte Auskunft über mich vermeiden. Das kommt vor, wenn ich unsicher bin, etwas zu verbergen oder zu verheimlichen habe. Ein aus Scham gesenkter Blick, wird daher als verdächtig oder Schuldeingeständnis interpretiert. Ohne Augenkontakt kommt es in der Kommunikation im zwischenmenschlichen Bereich oft zu Missverständnissen. Das professionell eingeübte „Pokerface“ setzt auf diese Erkenntnis und kommt besonders im Kartenspiel zum Einsatz. Doch auch in anderen Kulturen, in denen andere Umgangsformen üblich sind, stoßen wir mit unseren europäischen Prägungen an unsere Grenzen. In Japan und China gilt längerer Blickkontakt z.B. als mangelnder Respekt.

Im Taborerlebnis Jesu scheint es mir also um eine neue Art des Sehens und um einen veränderten Blick zu gehen. Schauen wir genauer hin:
Als erstes einmal der Blickrichtungswechsel im Gebet. In dieser inneren Einkehr an besonderem Ort auf dem Berg, lenkt Jesus seinen Blick auf Gott und Jesu Aus-sehen verändert sich. Zwei Lichtgestalten treten auf und stehen ihm zur Seite. Deren Licht fällt auf Jesus. Es handelt sich um die zwei bedeutenden Gestalten des alten Bundes, Mose und Elija. Mit dieser Begegnung wird die herausragende Rolle und Aufgabe Jesu deutlich. Sie knüpft an die Verheißungen des ersten Testamentes an. Durch dieses Ereignis wird die Person Jesu und sein Auftrag ins rechte Licht gerückt. Von allen drei Gestalten geht ein Leuchten aus, sie erscheinen in strahlendem Licht.

Von innen her zu leuchten – ein Leuchten in den Augen entdecken – das sind für mich klare Umschreibungen dafür, dass Liebe mit im Spiel ist. Verliebte haben dieses Strahlen und Leuchten in den Augen. Sie sagen einander vielleicht: „Du bist mein Augenstern“. Ja, es geht bei diesem altmodischen Ausspruch um ein Leuchten von innen her, das ich in den Augen, im Blick, beim An-blick erkennen kann. An den veränderten Augen ist die Liebe abzulesen.

Da gibt es also eine erkennbare Liebesbeziehung zwischen Jesus und Gott, seinem Vater. Diese Liebe bringt die ganze Szene zum Leuchten. Diese besondere Verbindung hört nie auf. Sie trägt durch die dunkelsten Stunden. Wir können im Leuchten Jesu die Herrlichkeit Gottes ausmachen, die von Liebe geprägt ist, die Leben in Fülle verheißt. Im Taborlicht leuchtet damit schon der Weg Jesu auf, der auch viele Dunkelheiten mit sich bringen wird. Da bleibt nichts verborgen, alles darf ans Licht kommen. Das Licht ist stärker als das tiefste Todesdunkel. Keine Verdunkelungsgefahr mehr. Der Tod wird nicht das letzte Wort haben.
Was bedeutet das für unser Leben?

In der veränderten Blickrichtung auf Gott hin, gewinnt auch mein persönlicher Lebensweg an Kontur. Indem Gottes Licht auf mein Leben scheint, können mir die Dinge deutlich werden und ans Licht kommen. Solch ein erhellendes Licht wünsche ich mir für mein Leben. Solch einen liebevollen Blick möchte ich auf mir spüren, um gleichsam wie in einem „Spotlight“ meinen Weg klarer zu erkennen. Dann kann ich offenen Herzens und aufrechten Blickes in die Welt schauen. Dann kann ich auch meine Augen Fenster zu meiner Seele sein lassen, um anderen damit Einblick zu gewähren.

Dieses wohlwollende Licht wünsche ich in diesen Tagen bestimmten Personengruppen besonders: Dieses Licht wünsche ich den Leitungsverantwortlichen der Kirche in unsern Bistümern. Getrieben von der Frage „Was ist unser Weg?“ ; mit dem dringenden Wunsch, klarer zu sehen.

Das An-sehen der Kirche hat schwer gelitten. Machtmissbrauch und Klerikalismus sind dabei ein großes Übel.
Wann endlich kann man da wieder einen klaren Blick erkennen und aus freiem Herzen sagen: „Ich schau dir in die Augen, Kleines“? Deine Augen geben mir einen positiven Einblick in deine Seele, in deine ehrlichen Absichten.

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Eine Antwort auf Die Augen sind das Fenster zur Seele – 2. Fastensonntag C

  1. walter sagt:

    Feedback…
    vor 60 Jahren war es mir als Messdiener nie geheuer,was da am Altar geschah: war es doch nur „Hokuspokus „?

    Nach der Reformation des II.Vatikanum konnte man plötzlich die Zelebration „mit ansehen „. Die Landessprache verdrängte das Latein :
    man konnte “ mithören“ und sogar verstehen.

    Jetzt,50 Jahre weiter – die “ d i a l o g i s c h e Kirche “ .
    Schreibe also einen (Mail-)Kommentar zur Predigt oder zur “ liturgischen Sprache „,die Du wohl gehört ,aber/und evtl. (nicht ) verstanden hast…
    Halt anders als die „verstummten „Jünger damals auf dem Rückweg vom Tabor und heute nach der Messe.
    Feedback eben !

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