40 Tage klar und entschieden leben – 1. Fastensonntag C

Aus dem Evangelium nach Lukas, Kapitel 4
Übersetzung: Bibel in gerechter Sprache
1 Jesus aber kehrte voller heiliger Geistkraft vom Jordan zurück und wurde vom Geist in der Wildnis herumgetrieben.
2 Während 40 Tagen wurde er von der teuflischen Macht schwer geprüft. In jenen Tagen aß er nichts, und als diese Tage vorbei waren, hatte er großen Hunger.
3 Da sagte die teuflische Macht zu ihm: »Bist du ein Sohn Gottes, so sage zu diesem Stein, dass er Brot werden soll!«
4 Jesus aber antwortete ihm: »Es steht in der Schrift geschrieben: Die Menschen werden nicht nur vom Brot leben.«
5 Und sie führte ihn hinauf und zeigte ihm alle Reiche des Erdkreises in einem Augenblick.
6 Und die teuflische Macht sprach zu ihm: »Dir will ich alle Macht und all ihren Ruhm geben, denn mir gehören sie und ich gebe sie, wem ich will.
7 Wenn du dich vor mir verbeugst, soll alles dir gehören.«
8 Jesus aber antwortete ihm: »Es steht geschrieben: Du sollst die Lebendige, deinen Gott, anbeten und nur ihr dienen.«
9 Darauf führte die teuflische Macht ihn nach Jerusalem, stellte ihn auf die Zinne des Tempels und sagte zu ihm: »Bist du ein Gottessohn, so stürze dich hinab!
10 Denn es steht geschrieben: Deinetwegen wird er seine Engel senden, dich zu behüten,
11 und sie werden dich auf Händen tragen, damit dein Fuß nicht an einen Stein stoße.«
12 Jesus aber antwortete: »Es heißt: Du sollst die Lebendige, deinen Gott, nicht reizen.«
13 Und als die teuflische Macht die Prüfung ganz vollendet hatte, blieb er von ihm fern bis zur gelegenen Zeit.

Autorin:
VMHEZ64LMaria Sinz, Gemeindereferentin in Aalen, Referentin bei der KAB (Kath. Arbeitnehmerbewegung)

 
Die Predigt:
40 Tage klar und entschieden leben

Liebe Leserin, lieber Leser,
nachdem sich Jesus, zusammen mit dem ganzen Volk, hatte taufen lassen, geht er in die Wüste. Ein Ort besonderer Gottesnähe. Diese Zeit bereitet ihn auf die große Veränderung in seinem Leben vor: das öffentliche Wirken. Ganz bei sich und ausgerichtet auf Gott verbringt er 40 Tage in der Wüste. Das Ergebnis: Klarheit für seine Aufgabe. Lukas schildert im Bild der Versuchungen die klare Entschiedenheit Jesu.

Jesus hat seine Antworten auf drei Herausforderungen gefunden. Auf die Aufforderung zum Verwandlungswunder, die Versuchung politischer Macht und auf die Erprobung der Gottestreue.

eins
Einen Stein in Brot zu verwandeln zählt nicht zu seiner Aufgabe. Nein, er wird wie gewohnt am Sabbat in die Synagoge gehen, aus der Schrift lesen, das Buch schließen und darlegen: heute hat sich das Schriftwort erfüllt. Sich selbst als das Mensch gewordene Wort darzulegen, das ist seine Aufgabe. Er, der Sohn des Josefs und gleichzeitig ein ganz anderer. Seinen inneren Weg zu gehen und die Menschen seiner Zeit auf diesen Weg mitzunehmen, ist seine Aufgabe. Gegenüber ganz realen Menschen in einer ganz realen Welt den Glauben verkörpern, dagegen scheint die Versuchung einen Stein in Brot zu verwandeln ein Leichtes. Gott wirkt nicht an der Natur vorbei, sagt ein weises Wort. Gott wirkt durch Menschen.

zwei
Ein bisschen politische Macht würde der „Sache Jesu“ doch nicht schaden. Vieles wäre leichter umzusetzen. Jesus bleibt auch hier klar. Er spricht davon, Gott zu dienen. Allein vor ihm soll die Glaubende sich niederwerfen. Innerlich unabhängig bleiben in allem Tun. Oder anders gesagt auf Gott bezogen sein in allem Tun.
Dienen sollen wir (nur) dort, wo es der Menschlichkeit dient. Das hat nichts mit (sich) klein machen zu tun. Im Gegenteil, Jesus wird nicht müde, uns davon zu überzeugen, wie stark wir sein können, wenn wir auf Gott bezogen handeln.

drei
Gottes Nähe wird nicht durch eine Mutprobe erfahrbar. Gott schützt nicht vor den Gefahren des Lebens, sie geht mit. Jesus bleibt der Schrift, sich selbst und Gott treu. Dass Gott uns fähig macht, unumgängliches Leid aktiv anzunehmen und so hin zu mehr Leben führt, darin liegt für mich eines der größten Glaubensgeheimnisse.

Vierzig Tage Fastenzeit…
sind erstmal ganz schön lange.
Aber auch eine geschenkte Zeit. Vierzig Mal aufwachen und sich zuerst zweckfrei und absichtslos mit Gott verbinden, dabei eine Kerze anzünden, eine Blume aufstellen, am Fenster oder auf der Terrasse stehen. Ob fünf Minuten oder zwanzig, sich einfach bewusst mit der Gegenwart Gottes verbinden.

Vierzig Mal in den Tag gehen mit der einzigen Aufforderung liebevoll auf sich zu schauen, wie ich tue, was ich tue. Ohne verändern zu wollen. Einfach nur die jeweilige Verfassung wahrnehmen und liebevoll annehmen. Vierzig kleine Schritte um bei sich selbst anzukommen.

Vierzig Mal sich selbst Gott hinhalten und mit ihr der eigenen Wahrheit näher kommen. Das befreit, „ganz von alleine“.

Weitergehen
Nicht jede von uns steht unmittelbar vor einer großen neuen Aufgabe. Aber jede steht vor der Aufgabe das eigene Leben als wertvoll zu begreifen. Und unbeirrbar dafür einzustehen.

Wenn wir uns und der befreienden Botschaft Jesu treu werden, ist es nur eine Frage der Zeit, die Kirche strukturell zu verändern. Ich bin gespannt, ob es dabei Massendemonstrationen im öffentlichen Raum geben wird, vergleichbar der in Spanien am 8. März letzten Jahres. Die Netzwerke dafür gäbe es schon. Vermutlich aber ist die Kirche für die meisten Menschen nicht bedeutungsvoll genug und im christlichen Milieu hat man eher verlernt, sich zu organisieren.

Das Ziel aber ist klar, 50% Beteiligung heißt 50% weibliche Bischöfe, nicht als Notnagel in der Krise, sondern als Ausdruck der realen Wirklichkeit, dass die Hälfte der Christen Christinnen sind.

Ich freue mich auf eine Zeit, in der Diskussionsprozesse nicht mehr beim Doppelpunkt enden, wie es neulich eine Journalistin für den letzten Dialogprozess in unserer Diözese ausdrückte. Eine Zeit, in der es nicht mehr darum gehen wird zu argumentieren, warum etwas nicht geht. Eine Zeit in der die Kraft darauf konzentriert werden wird, wie umzusetzen ist, was dran ist.

Eine Zeit, in der die Kirche nachvollziehen wird, was gesellschaftlich längst im Werden ist, einfach damit sie ehrlich mit ganz realen Menschen in einer ganz realen Wirklichkeit in Verbindung bleiben kann. Amen.

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Eine Antwort auf 40 Tage klar und entschieden leben – 1. Fastensonntag C

  1. clara a sancta abraham sagt:

    Danke.

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