Gott richtet auf! – 1. Adventssonntag C

Mit dem ersten Adventssonntag beginnt ein neues Kirchenjahr und das Lesejahr C, das Lukasjahr. Der offizielle Text folgt ab jetzt der Neuen Einheitsübersetzung.

Aus dem Evangelium nach Lukas, Kapitel 21
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern – und Jüngerinnen:
25 Es werden Zeichen sichtbar werden an Sonne, Mond und Sternen, und auf der Erde werden die Völker bestürzt und ratlos sein über das Toben und Donnern des Meeres.
26 Die Menschen werden vor Angst vergehen in der Erwartung der Dinge, die über den Erdkreis kommen; denn die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden.
27 Dann wird man den Menschensohn in einer Wolke kommen sehen, mit großer Macht und Herrlichkeit .
28 Wenn dies beginnt, dann richtet euch auf und erhebt eure Häupter; denn eure Erlösung ist nahe.
34 Nehmt euch in Acht, dass Rausch und Trunkenheit und die Sorgen des Alltags euer Herz nicht beschweren und dass jener Tag euch nicht plötzlich überrascht
35 wie eine Falle; denn er wird über alle Bewohner der ganzen Erde hereinbrechen.
36 Wacht und betet allezeit, damit ihr allem, was geschehen wird, entrinnen und vor den Menschensohn hintreten könnt.

Autorin:
A.-Trautmann-150x150Andrea Trautmann, Pastoralreferentin in Böblingen

 
Die Predigt:
Gott richtet auf!

Liebe Leserin, lieber Leser,
das sind ja keine guten Aussichten, so werden Sie sich denken. Angst, Verwirrung, Bestürzung, Ratlosigkeit, sogar der Himmel wird erschüttert werden, und das am 1.Advent. Ob das so sein wird, wenn Gott kommt?

Die Bibel macht keine Vorhersagen, sondern sie erzählt von einer Beziehung, vom Wirken Gottes im Leben der Menschen. Solche Weltuntergangsbilder wollen in einer unheilvollen Welt vom Heil Gottes künden. Gott kommt am Ende der Zeiten, sammelt alle Völker und hält Gericht, bringt Unrecht ins Gleichgewicht. Mit dem Kommen Gottes endet die Weltherrschaft, endet Not und Bedrängnis, und das ewige Königreich Gottes beginnt. Klimakatastrophen, Kriege oder Terroranschläge sind nur einige Beispiele, die unsere Welt bedrohen. Auch in unserem eigenen Leben machen wir die Erfahrung, dass unsere Welt zerbrechlich ist. Streit in der Familie, eine schwere Krankheit, Mobbing in Schule oder Beruf, der Tod eines nahen Angehörigen oder das Zerbrechen von Beziehungen können Krisen sein, die den Himmel für uns ins Wanken bringen. Durch Jesus Christus ist das Heil Gottes in die Welt gekommen. Damit hat für uns Christinnen und Christen die Endzeit bereits begonnen. Gott kommt nicht als ferner Gott, sondern mit menschenfreundlichem Antlitz. Er oder sie kommt als Mensch. Gott selbst ist das Heil in unseren Krisen.

Gott kommt und richtet. Er richtet uns nicht zugrunde, nein – er richtet uns auf. Gott kommt und richtet uns auf. Wir können unsere Köpfe erheben vor Gott. Und auch wenn unser eigener Weg zu Ende ist, wenn unsere eigene Welt ein Ende nimmt, müssen wir nicht vor Angst vergehen, wenn wir vor den ewigen Richter treten. Gott kommt und richtet uns auf. Nicht erst am Ende der Zeiten. Mit dem Kommen Jesu in diese Welt ist das Reich Gottes schon angebrochen, mitten in der Welt. Wo Not gewendet wird, Solidarität wichtiger ist als Eigennutz, wo Versöhnung passiert, wo Gebeugtes aufgerichtet wird – da strahlt das Reich Gottes auf.

Wir wissen nicht, wann unsere Zeit zu Ende ist. Wir kennen auch den Zeitpunkt nicht, an dem Christus wiederkommt. Dies kann jederzeit sein. Darum wacht und betet allezeit, so rät uns das Evangelium. Es fordert uns auf, uns nicht von unseren Sorgen bestimmen zu lassen, sondern aufmerksam zu bleiben für die Spuren Gottes in der Welt. Wacht und betet – aufmerksam sein für mich, für meine Umwelt, für Gott. Gar nicht so einfach, haben wir uns doch manchmal eingerichtet im Alltag mit seinen Sorgen und Nöten. Manchmal sind wir müde und leben nur in den Tag hinein. Gott richtet uns auf, wenn wir ihn ankommen lassen, wenn wir bereit und wach sind für sein Kommen. Gott richtet uns auf, wenn wir ihn bei uns ankommen lassen. In dieser Hoffnung leben wir als Christinnen und Christen. Die Zeit des Advents kann uns wieder Anlass sein, uns neu auf das Kommen Christi auszurichten.

Gott richtet auf. Nicht nur im Advent. Täglich. Bis er kommt in Herrlichkeit. Amen.

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