Es reist sich besser mit leichtem Gepäck – 15. Sonntag im Jahreskreis B

Erste Lesung aus dem Propheten AmosKapitel 7
12 Amazja, Priester des Königs Jerobeam, sagte zu Amos: Geh, Seher, flüchte ins Land Juda! Iss dort dein Brot und tritt dort als Prophet auf!
13 In Bet-El darfst du nicht mehr als Prophet reden; denn das hier ist ein Heiligtum des Königs und ein Reichstempel.
14 Amos antwortete Amazja: Ich bin kein Prophet und kein Prophetenschüler, sondern ich bin ein Viehzüchter und ich ziehe Maulbeerfeigen.
15 Aber der Herr hat mich von meiner Herde weggeholt und zu mir gesagt: Geh und rede als Prophet zu meinem Volk Israel!

Aus dem Evangelium nach Markus, Kapitel 6
6b Jesus zog durch die benachbarten Dörfer und lehrte.
7 Er rief die Zwölf zu sich und sandte sie aus, jeweils zwei zusammen. Er gab ihnen die Vollmacht, die unreinen Geister auszutreiben,
8 und er gebot ihnen, außer einem Wanderstab nichts auf den Weg mitzunehmen, kein Brot, keine Vorratstasche, kein Geld im Gürtel,
9 kein zweites Hemd und an den Füßen nur Sandalen.
10 Und er sagte zu ihnen: Bleibt in dem Haus, in dem ihr einkehrt, bis ihr den Ort wieder verlasst.
11 Wenn man euch aber in einem Ort nicht aufnimmt und euch nicht hören will, dann geht weiter und schüttelt den Staub von euren Füßen, zum Zeugnis gegen sie.
12 Die Zwölf machten sich auf den Weg und riefen die Menschen zur Umkehr auf.
13 Sie trieben viele Dämonen aus und salbten viele Kranke mit Öl und heilten sie.

Autorin:
Maria Lerke Maria Lerke, Pastoralreferentin in der Seelsorgeeinheit Winnenden – Schwaikheim – Leutenbach

 
Die Predigt:
Es reist sich besser mit leichtem Gepäck!

Liebe Leserin, lieber Leser
Sommerzeit – Reisezeit – Koffer packen – Vorfreude – Hoffnung auf Tiefenentspannung! – Tapetenwechsel – Ortswechsel – Unterwegssein…. Da begegnen uns heute zwei Texte aus der Bibel – da geht es auch ums Unterwegssein, aber halt ganz anders!

Bei Amos geschieht das Reisen überhaupt nicht unfreiwillig – er ist eine unerwünschte Person, soll sich möglichst schnell aus dem Staub machen, bevor die Zuständigen es sich noch anders überlegen und ihn womöglich umbringen, denn das, was er da verkündet, wollen sie nicht hören.

Amos lebte um 750 vor Christus südlich von Betlehem. Er war Schafzüchter und Besitzer einer Maulbeerfeigenplantage. Eines Tages bekam er von Gott den Auftrag gegen die Machenschaften der Obrigkeit zu protestieren. So trat er als Prophet auf und prangerte mit klaren und heftigen Worten die Händler an, die auf dem Markt Gewichte fälschten und den Leuten für teures Geld den letzten Schund verkauften. Er schimpfte gegen die Reichen, die schamlos die kleinen Leute immer mehr in Abhängigkeit und Armut trieben. Menschen wurden nur noch nach ihrer Arbeitskraft und dem Profit beurteilt, den man aus ihnen herausholen konnte. Alle Menschlichkeit ging dadurch verloren; die einen wurden immer reicher, die anderen immer ärmer, obwohl die Geschäfte eigentlich gut gingen und die Wirtschaft blühte! Der König hatte sogar dafür gesorgt, dass an seinen Reichstempeln genügend Propheten angestellt waren – doch die sollten natürlich nicht allzu kritisch sein! Da hatte ein freier und unabhängiger Prophet wie Amos nichts zu suchen. Seine Kritik war ja kontraproduktiv! Eigentlich hatte Amos Glück, dass er gewarnt und „nur“ vertrieben wurde – sie hätten ihn ja auch gleich umbringen können.

„Vertriebene“, auch jetzt im Sommer in unseren Urlaubsländern, vor unserer Haustüre sichtbar und spürbar! Aus welchen Gründen auch immer sie vertrieben werden oder auf der Flucht sind, unermessliches Leid, Ängste, Verzweiflung, Not und nicht selten auch der Tod, das sind auch heute die Folgen!

Auch im Evangelium haben wir eine Geschichte vom Unterwegssein gehört. Jesus hat seine zwölf engsten Mitarbeiter los geschickt, um den Menschen die frohe Botschaft vom Reich Gottes zu verkünden – nicht nur gute und schöne Worte sollten sie verkünden – die Leuten sollen das Heil auch spüren können! Und so gibt Jesus den Sendboten Anteil an seiner Macht, sie bekommen die Vollmacht, die unreinen Geister auszutreiben.

Eine große Aufgabe, die Jesus seinen Freunden da zutraut! Aber dann folgt die ernüchternde Ansage: nehmt nichts mit außer einem Wanderstab, keine Vorräte, kein Geld, keine Kleidung zum Wechseln, nur ein Paar Sandalen für die Füße.

Für uns heute nur schwer vorstellbar! Nicht ordentlich ausgerüstet sein, nicht genügend vorgesorgt haben, – wozu das führen kann, haben wir doch erst jetzt wieder in Thailand sehen können, als die Kinder und Jugendlichen bei einer Höhlenwanderung vom Wasser eingeschlossen wurden. Nur mit vielen Mühen und unter Einsatz ihres Lebens konnten Profitaucher die Fußballer aus ihrer verzweifelten Lage retten.

Wer rettet die Leute heute, die sich immer weiter zurückziehen müssen, weil ihr Glaube von den Mächtigen immer weniger gerne gesehen wird.
Wer bringt denen frische Nahrung, die sich in eine Ecke gedrängt fühlen, weil sie sich am Arbeitsplatz oder im Verein für christliche Werte eingesetzt haben?
Wer versorgt die Menschen mit frischem Atem, die auch dann noch für die Sache Jesu eintreten, wenn sich die Kirchentüren hinter ihnen längst geschlossen haben?
Wer bringt diejenigen wieder ans Tageslicht, die ausgezehrt und kraftlos am Krankenbett oder an der Seite von schwer belasteten Menschen ausharren?
Wer hat da noch Mut, sich als Bote der Frohen Botschaft aussenden zu lassen?

Ist das nicht verantwortungslos, wenn Jesus die Menschen so bettelarm, einfach und schutzlos in diese erbarmungslose, egoistische und gefährliche Welt von damals und auch von heute hinein sendet? Evangelium heißt doch Frohe Botschaft – die beiden Texte von heute klingen da auf den ersten Blick eher bedrohlich!

Wagen wir also einen zweiten Blick, um herauszufinden, was Jesus mit diesen harten Forderungen seinen Boten mit auf den Weg geben wollte. Da fällt schon mal die Zahl „Zwölf“ auf. Diese Zahl erinnert an die zwölf Stämme Israels. Die Botschaft Jesus soll also „alle“ erreichen, nach Ostern sogar alle Völker der Erde. Dann ist auffallend, dass Jesus die Sendboten zu zweit auf den Weg schickt. Wenn zwei das Gleiche bezeugen, dann hat die Botschaft gleich mehr Gewicht.

„Es reist sich besser mit leichtem Gepäck“ (Silbermond)
Keine Vorräte mitnehmen und wirklich mittellos unterwegs sein, das erfordert sehr viel Gottvertrauen! Wir werden an die Stelle aus der Bergpredigt erinnert, wo Jesus sagt: „Macht euch keine Sorgen und fragt nicht: Was sollen wir essen, was sollen wir trinken, was sollen wir anziehen? Euer himmlischer Vater weiß, dass ihr das alles braucht (Mt 6, 31f) Was würde das schließlich für ein Bild abgeben, wenn seine Sendboten vollbepackt, bestens ausgerüstet und versichert bis an die Zähne von einem Gott predigen, der sich den Armen zuwendet? Jesus lässt seine Zwölf wirklich nicht blauäugig los ziehen. Sie müssen sogar damit rechnen, dass sie nicht aufgenommen werden und nicht alle ihre Botschaft hören wollen. Gott respektiert die Freiheit eines jeden Menschen – unsere Freiheit kann sogar Gott in seine Grenzen weisen! Doch Jesus entlastet seine Jünger, sie sollen in diesem Fall einfach ein Dorf weiterziehen und dort ihre Botschaft verkünden.

Nicht einmal den Staub an den Füßen sollen sie mit sich nehmen – völlig neu anfangen dürfen – das soll ihnen Mut machen, sich nicht vom Erfolg leiten zu lassen sondern allein von der Sache Jesu!

Und diese „mission impossible“, diese nach menschlichem Ermessen unmögliche Sendung hat doch tatsächlich Erfolg gehabt. Markus stellt ganz nüchtern fest: Die Zwölf machen sich auf den Weg und riefen die Menschen zur Umkehr auf. Sie trieben viele Dämonen aus und salbten viele Kranke mit Öl und heilten sie. Voller Freude kamen die Sendboten immer wieder zu Jesus zurück, erzählten ihm von ihren Erfahrungen und holten sich von ihm neuen Zuspruch und die nötige Kraft.

Heilend und befreiend wirken!
Dieser Auftrag Jesu gilt auch uns heute. Ich glaube nicht, dass Jesus was dagegen hat, wenn wir die Kommunikationsmittel der heutigen Zeit für diese Aufgabe einsetzen. Ob Jesus ein Smartphone benützen würde, wenn er heute lebte, das ist doch zweitrangig. Viel wichtiger ist doch die Frage, wie wir die Botschaft Jesu in unsere Zeit hinein übersetzen können.
Die Menschen heute sind anders geprägt als zurzeit Jesu:
– Unsere Möglichkeiten scheinen unbegrenzt, auch im Hinblick auf unser Seelenheil.
– So viele Angebote gibt es und nicht wenige Menschen basteln sich ihre eigene Religion selbst zusammen.
– Um Glück zu erleben, braucht es keine Religion. Viele Menschen fühlen sich rundum glücklich auch ohne Kirche.
– Und zum „Heilen“ gibt es ja schließlich Ärzte und die Pharmaindustrie.
Die Glaubensweitergabe an die kommende Generation findet in den Familien nur noch selten statt. Wir haben in der Zwischenzeit Kinder im Religionsunterricht, die keine Ahnung mehr haben von den Taten und Worten Jesu! Ob es da reicht, dass wir unsere sogenannten „Komm-her-Kirche“ in eine „Geh-hin-Kirche“ umwandeln? „Missionieren“ hat bei uns zudem einen starken Beigeschmack!

Mir gefällt da das Wort „Evangelisieren“ schon besser. Da geht es nicht darum, das Evangelium „nur“ hinter verschlossenen Kirchentüren zu verkünden, sondern tatsächlich hinauszugehen und an den Orten, an denen ich unterwegs bin, wenigstens das vom Evangelium zu leben, was ich verstanden habe.

Kirche ist wirklich an vielen Orten – vor allem dann, wenn die Menschen sich outen, als solche, „die zum Herrn gehören“. Dazu ist es hilfreich, unvorbereitet, unabgesichert und einfach nur als Mensch den Menschen auf Augenhöhe zu begegnen. Die Menschen mit ihren Sorgen, Bedürfnissen und Verwundungen ernst nehmen – das kann viel heilender und befreiender wirken, als wenn ich verbissen auf Erfolg aus bin!

Papst Franziskus hat dazu in seinem Apostolischen Schreiben Evangelii Gaudium folgende Sätze zu bedenken gegeben: „Mir ist eine „verbeulte Kirche“ lieber, die verletzt und beschmutzt ist, weil sie auf die Straßen hinausgegangen ist, als eine Kirche, die krank ist, weil sie sich aufgrund ihrer Verschlossenheit und ihrer Bequemlichkeit, an die eigene Sicherheit klammert!“ (EG 49). Noch deutlicher wird Papst Franziskus (in EG 47) wenn er sagt: „Häufig verhalten wir uns wie Kontrolleure der Gnade und nicht wie Förderer. Doch die Kirche ist keine Zollstation, sie ist das Vaterhaus, wo Platz ist für jeden mit seinem mühevollen Leben.“

Wertschätzend, vertrauend, erwartend und gelassen sich von Gott gesendet wissen – ich glaube, dass es darauf ankommt. Mit diesen christlichen Grundhaltungen hat die frohe Botschaft auch heute eine Chance, auf offene Ohren zu treffen. Sind wir bereit uns senden zu lassen?

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