Weitergehen – Zeuginnen und Zeugen werden – Christi Himmelfahrt B

Erste Lesung aus der Apostelgeschichte, Kapitel 1
Neue Einheitsübersetzung
1 Im ersten Buch, lieber Theophilus, habe ich über alles berichtet, was Jesus von Anfang an getan und gelehrt hat,
2 bis zu dem Tag, an dem er in den Himmel aufgenommen wurde. Vorher hat er den Aposteln, die er durch den Heiligen Geist erwählt hatte, Weisung gegeben.
3 Ihnen hat er nach seinem Leiden durch viele Beweise gezeigt, dass er lebt; vierzig Tage hindurch ist er ihnen erschienen und hat vom Reich Gottes gesprochen.
4 Beim gemeinsamen Mahl gebot er ihnen: Geht nicht weg von Jerusalem, sondern wartet auf die Verheißung des Vaters, die ihr von mir vernommen habt.
5 Denn Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber werdet schon in wenigen Tagen mit dem Heiligen Geist getauft werden.
6 Als sie nun beisammen waren, fragten sie ihn: Herr, stellst du in dieser Zeit das Reich für Israel wieder her?
7 Er sagte zu ihnen: Euch steht es nicht zu, Zeiten und Fristen zu erfahren, die der Vater in seiner Macht festgesetzt hat.
8 Aber ihr werdet Kraft empfangen, wenn der Heilige Geist auf euch herabkommen wird; und ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an die Grenzen der Erde.
9 Als er das gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben und eine Wolke nahm ihn auf und entzog ihn ihren Blicken.
10 Während sie unverwandt ihm nach zum Himmel emporschauten, siehe, da standen zwei Männer in weißen Gewändern bei ihnen
11 und sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel empor? Dieser Jesus, der von euch fort in den Himmel aufgenommen wurde, wird ebenso wiederkommen, wie ihr ihn habt zum Himmel hingehen sehen.
12 Dann kehrten sie von dem Berg, der Ölberg genannt wird, und nur einen Sabbatweg von Jerusalem entfernt ist, nach Jerusalem zurück.

Autorin:
Utta Hahn (2)Utta Hahn, Gemeindereferentin, Landpastoral Schönenberg in Ellwangen

 
Die Predigt:
Weitergehen – Zeuginnen und Zeugen werden

Liebe Leserin, lieber Leser,
die Apostelgeschichte und das Lukasevangelium sind wohl von jenem Autor, den wir Lukas nennen und der führt hier mit dem Hinweis auf das „erste Buch“ das zweite ein.

Und was im Lukasevangelium die letzte Erzählung ist – die Himmelfahrt Jesu (vgl. Lk 24,50-52), wird hier wie zur Einleitung als erstes Ereignis noch einmal, aber doch auch anders erzählt. Das Ende ist zugleich der Anfang und damit die Brücke zur Kontinuität. Es ist nicht ganz neu, was nun erzählt wird, aber es ist ganz anders.

In den ersten Versen, dem Verweis auf das erste Buch, steht in etwa eine Zusammenfassung des Evangeliums – wie im Vorspann eines Fortsetzungsbandes… „Taten und Lehre Jesu – der Heilige Geist erwählte die Jünger – Begegnung mit dem Lebenden – Worte vom Reich Gottes…“

Und in den folgenden Versen kommt nun der Ausblick, was in diesem Band erzählt werden wird… „beim gemeinsamen Mahl – Jerusalem – Verheißung – Kraft des Heiligen Geistes – Zeugen in Jerusalem, Judäa, Samarien bis an die Grenzen der Erde – Wolke – Männer aus Galiläa – unverwandt nachschauen – zwei Männer in weißen Gewändern – er kommt wieder…“

Als Leser und Leserin oder als Gemeinde, die sich an diesen Schriften orientiert, können wir gespannt sein, was da alles kommt und wirklich entwickelt sich die Apostelgeschichte in immer größere Weite.
räumlich…Von Jerusalem bis Syrien, bis Griechenland, schließlich bis Rom und darüber hinaus
gedanklich…Von den paar Jüngerinnen und Jüngern, noch ganz von der eigenen Tradition geprägt, bis zur Taufe von Nicht-Juden und der Auseinandersetzung und Einigung beim Apostelkonzil, bis hin zu den Missionsreisen des Paulus und dem Einfluss griechischen Denkens.

Die Apostelgeschichte als die Fortschreibung der Reich-Gottes-Botschaft, als Lukasevangelium Band 2. Vielleicht ist das ein ungewohnter Blick auf dieses Buch, aber er könnte uns neugierig machen.

Wir leben doch auch in Gemeinden, hadern miteinander, suchen nach Wegen, sind uneins, wollen mit der Tradition nicht brechen oder wollen endlich Neues beginnen.
Wir sind doch auch unsicher, was uns die Zukunft bringt und kennen oft den Heiligen Geist nicht, der uns verheißen ist, haben wenig Vertrauen, dass Gott uns die Kraft des Heiligen Geistes zur rechten Stunde schickt.

Der Auferstandene ist beim gemeinsamen Mahl gegenwärtig und gibt ihnen erneut diese Verheißung : 8Aber ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch herabkommen wird; und ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an die Grenzen der Erde.

Vielleicht geht es gar nicht so sehr darum, die Anderen von etwas Neuem zu überzeugen als vielmehr durch Wort und Tat – durch das ganz konkrete eigene Leben – Zeuge und Zeugin zu sein von dem Evangelium; von der Botschaft vom Reich Gottes, wie sie Jesus verkündet hat, von Jesus selbst, der lebt und nicht im Tod geblieben ist.

Die Fragen stehen auch für uns heute und hier im Raum.

Vertrauen wir darauf, dass Gott auch uns die Kraft des Heiligen Geistes schenkt?
Findet er uns offen? Betend? Vertrauend?

Sind wir Zeuginnen und Zeugen vom Gottes-Reich? Einer Welt des Friedens und der Gerechtigkeit, in der Achtung und Würde allem Leben gilt? Bis an die Grenzen der Erde?

Wie gut können wir die Jünger verstehen, die Jesus fragen, ob ER denn nun das Königreich aufrichtet – und die kurz darauf im Himmel den Wolken nachschauen. Es ist doch viel leichter, das Handeln von IHM zu erwarten, als selbst-bewusst zu werden, und im Vertrauen doch den eigenen Weg zu gehen.

Weitergehen – über die bisherigen Gedanken hinaus, über die bisherigen Traditionen hinaus, über die bisherigen – religiösen – Grenzen hinaus, vielleicht über die eigene Religion hinaus?

Die Himmelfahrt Jesu – das ist nicht nur der Abschied von einer unmittelbaren Gegenwart Jesu, der die Jüngerinnen und Jünger in Unsicherheit und Ungewissheit verharren lässt.
Die Himmelfahrt Jesu ist doch auch der Anfang dessen, was an Offenheit und Vertrauen auf den Heiligen Geist und Jesu Gegenwart in unserer Mitte zu wachsen beginnt.

Und das ist tatsächlich nicht mehr an Ort und Zeit gebunden, denn das galt für die Jüngerinnen und Jünger damals genauso wie für uns heute hier in Deutschland, in Syrien oder in Argentinien. Überall können wir Zeugnis geben für Frieden, Gerechtigkeit, Würde, Achtung, Miteinander, Dialog, Barmherzigkeit und Gastfreundschaft.

Vielleicht macht der Anfang der Apostelgeschichte doch auch neugierig, wie sich das denn da nach und nach dann entwickelt und vielleicht ist das eine Einladung, diese Apostelgeschichte einmal genauer zu lesen.

Eine kleine Lesehilfe bietet: „Die Apostelgeschichte in 50 und 1 Tag lesen“… alleine oder besser noch in der Gruppe oder gemeinsam beginnen und sich im Laufe der 51 Tage zwei dreimal treffen…

Neugierig? Die Anleitung mit den Bibelstellen gibt´s online oder zum Bestellen (siehe unten)

So sei diese Lesung eine Einladung zum Aufbruch, zum Anfang, zum erneuten Warten und Vertrauen, dass der Heilige Geist auch uns geschenkt werde. Amen

——————————————————————————————————————————–
Download: https://www.kirche-am-ort.de/files/Downloads/7_MATERIAL/Bibel/Apostelgeschichte_lesen_%20Aufsteller.pdf
Bestellen: https://expedition-drs.de/produkt/apostelgeschichte-in-50-und-1-tagen/

Dieser Beitrag wurde unter Predigten veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>