Mit Sicherheit: erfülltes Leben – Aschermittwoch

Erste Lesung aus dem Buch Joel, Kapitel 2
12 So spricht der Herr: Kehrt um zu mir von ganzem Herzen mit Fasten, Weinen und Klagen.
13 Zerreißt eure Herzen, nicht eure Kleider, und kehrt um zum Herrn, eurem Gott! Denn er ist gnädig und barmherzig, langmütig und reich an Güte, und es reut ihn, dass er das Unheil verhängt hat.
14 Vielleicht kehrt er um, und es reut ihn, und er lässt Segen zurück, so dass ihr Speise- und Trankopfer darbringen könnt für den Herrn, euren Gott.
15 Auf dem Zion stoßt in das Horn, ordnet ein heiliges Fasten an, ruft einen Gottesdienst aus!
16 Versammelt das Volk, heiligt die Gemeinde! Versammelt die Alten, holt die Kinder zusammen, auch die Säuglinge! Der Bräutigam verlasse seine Kammer und die Braut ihr Gemach.
17 Zwischen Vorhalle und Altar sollen die Priester klagen, die Diener des Herrn sollen sprechen: Hab Mitleid, Herr, mit deinem Volk, und überlass dein Erbe nicht der Schande, damit die Völker nicht über uns spotten. Warum soll man bei den Völkern sagen: Wo ist denn ihr Gott?
18 Da erwachte im Herrn die Leidenschaft für sein Land, und er hatte Erbarmen mit seinem Volk.

Aus dem Evangelium nach Matthäus, Kapitel 6
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern – und Jüngerinnen:
1 Hütet euch, eure Gerechtigkeit vor den Menschen zur Schau zu stellen; sonst habt ihr keinen Lohn von eurem Vater im Himmel zu erwarten.
2 Wenn du Almosen gibst, lass es also nicht vor dir her posaunen, wie es die Heuchler in den Synagogen und auf den Gassen tun, um von den Leuten gelobt zu werden. Amen, das sage ich euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten.
3 Wenn du Almosen gibst, soll deine linke Hand nicht wissen, was deine rechte tut.
4 Dein Almosen soll verborgen bleiben, und dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.
5 Wenn ihr betet, macht es nicht wie die Heuchler. Sie stellen sich beim Gebet gern in die Synagogen und an die Straßenecken, damit sie von den Leuten gesehen werden. Amen, das sage ich euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten.
6 Du aber geh in deine Kammer, wenn du betest, und schließ die Tür zu; dann bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist. Dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.
16 Wenn ihr fastet, macht kein finsteres Gesicht wie die Heuchler. Sie geben sich ein trübseliges Aussehen, damit die Leute merken, dass sie fasten. Amen, das sage ich euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten.
17 Du aber salbe dein Haar, wenn du fastest, und wasche dein Gesicht,
18 damit die Leute nicht merken, dass du fastest, sondern nur dein Vater, der auch das Verborgene sieht; und dein Vater, der das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.

Autorin:
Utta Hahn (2)Utta Hahn, Gemeindereferentin, Landpastoral Schönenberg in Ellwangen

 
Die Predigt:
Mit Sicherheit: erfülltes Leben

Liebe Leserin, lieber Leser,
Aschermittwoch – Beginn der Fastenzeit – aber Fasten wovon? Oder wozu?

Das zweite Vatikanische Konzil hat viele Reformen in der Kirche angestoßen und durchgeführt. Einige betrafen auch die Liturgie und die Regelungen, was katholische Christen in den verschiedenen Zeiten des Jahres tun oder unterlassen sollen. Da gab es auch einen umfangreichen Katalog von Geboten und Verboten zur Fastenzeit. Das Zweite Vatikanische Konzil hat den Blick geändert, mit dem „die Kirche“, also die Bischöfe und Priester, auf „die Gläubigen“, alle Nicht-Kleriker, die sogenannten Laien, das Kirchen-Volk, schauen. Das ist vielleicht die wichtigste Reform des Konzils überhaupt. Dass die Menschen in ihrer Verantwortung für ihr Leben und für ihren Glauben nun ernst genommen wurden und ihnen zugetraut und zugemutet wurde, diese auch wahrzunehmen.

So steht die Fastenzeit nun nicht mehr unter dem Leitwort – vieles ist verboten und man muss dies oder jenes tun. Vielmehr wird die Fastenzeit in einer starken Verbindung mit einer Besinnungs- und Bußpraxis gesehen, die sehr viele Dimensionen des Lebens mit beachtet: Das Gebet, das Teilen, den Verzicht, die Konzentration auf das Wesentliche, das Versöhnen. Sicherlich wirkte diese Neuorientierung auf viele katholische Christen wie eine Befreiung. Menschen sollen keine Angst vor Gottes Nähe und seinem Wissen um uns haben, denn er schaut auf uns mit liebevollem Blick, eben NICHT mit erhobenem Zeigefinger, immer auf der Lauer, ob er einen Fehltritt bestrafen könnte.

Das Zweite Vatikanische Konzil ist nun schon 50 Jahre her, aber welche Ideen von Fastenzeit und Aschermittwoch haben wir heute in unseren Köpfen?

Hören wir doch auf die Bibel. Der Prophet Joël.
Er spricht von Gottes Aufruf: Kehrt um zu mir von ganzem Herzen mit Fasten, Weinen und Klagen. Zerreißt eurer Herzen, nicht eure Kleider und kehrt um zum Herrn eurem Gott. Denn er ist gnädig und barmherzig, langmütig und reich an Geduld. (Joël 2,13)

Fasten, Weinen, Klagen und die Kleider zerreißen waren Zeichen der Trauer. Im Laufe der Entwicklung wurde die Busse und die Reue für begangenes Unrecht ebenfalls mit Fasten, Kleider zerreißen und in „Sack und Asche gehen“ bezeugt. Und immer war es eine öffentliche Angelegenheit. Alle sollten sich beteiligen – alle ging es an, denn oft hing das Schicksal des ganzen Volkes daran.

Aber unsere Bibel ist in jedem einzelnen Text immer auch mehr, als nur ein geschichtliches Buch. Und wir sind immer eingeladen, das Wort Gottes, das auch uns gilt, darin zu entdecken. Auch wenn also dieser prophetische Text in seiner Zeit das ganze Volk im Blick hatte, das sich als Gemeinschaft von Gott und seiner Lebens-Weisung abgewandt hatte, so geht der Ruf Gottes auch an uns und bleibt gültig: Kehrt um – besinnt euch – schaut auf euer Leben – ist es dem Leben zugewandt oder dem Leben abgewandt?
Und es bleibt auch gültig, dass Gott mehr auf das Herz schaut, denn auf die Form.

Aschermittwoch und die Fastenzeit sind der äußere Rahmen – eine Einladung, einen inneren Weg zu gehen. Wir sind eingeladen Gott-Suchende zu sein und dazu braucht es immer wieder ein Innehalten und Betrachten unseres Lebens, unseres Herzens und ein Neu-Ausrichten, eine Um-Kehr zu Gott.

Was ist dann aber mit dem Beispiel Jesu? Ja, Jesus ging 40 Tage in die Wüste und begann danach sein öffentliches Leben. In dieser Zeit hat er gefastet, gebetet, sich konzentriert, in der Stille ausgeharrt, die Beziehung zu Gott bedacht, vertieft, gesucht, vielleicht Klarheit gefunden.

Aber während seiner ganzen Wanderjahre hat er seine Freunde nie zum Fasten angehalten, es gibt keine Erzählungen, wie er es mit der eigenen Fastenpraxis gehalten hat. Jesus war kein Mönch, kein Asket. Und doch gibt es in seinem Leben nichts Oberflächliches, alles ist ausgerichtet auf Lebendigkeit und lebt aus einer unglaublichen Kraft, die aus ihm, aus seiner innigen Beziehung zu Gott sprudelt.

Und dann gibt es auch noch diesen Abschnitt im Matthäusevangelium. Zum Fasten.
Ganz im Kontrast zum Propheten Joël ist das Fasten, wie Jesus es die Jüngern und Jüngerinnen lehrt, keine öffentliche Angelegenheit. Jesus fokussiert ganz auf die intime und individuelle Beziehung des Menschen zu Gott. Zu einem Gott, der liebevoll und gütig auf uns schaut und langmütig und geduldig mit uns unterwegs ist. In dieser Beziehung geht es um den Wert des Menschen, die Gott ihm zuspricht, die nicht von dem Urteil und der Aufmerksamkeit der anderen Menschen abhängt.

Das Fasten als Zeichen der Umkehr, der Neu-Orientierung, des Dankes oder der Bitte ist ein Gebet, das den Vater erreicht und ehrlicher und tiefer gelebt wird, wenn es nicht auf die äußere Aufmerksamkeit baut.

Jesus traute jeder und jedem von uns zu, Kind Gottes zu sein. Das eigene Leben gestalten und verantworten zu können, die Liebe Gottes in der Seele zu spüren und mit aller Kraft des Herzen unser Leben auf die Antwort auszurichten. Jesus wollte seinen Freunden und uns zeigen, dass wir DAS LEBEN IN FÜLLE haben können – oder vielleicht noch besser ausgedrückt: nicht HABEN sondern LEBEN KÖNNEN.

So ist das Fasten Teil des Gebets und Ziel des Fastens ist die Neugestaltung des Lebens mit Blick auf die Mitmenschen.

Pragmatisch könnte das auch heißen.
Die gewonnene Zeit/Geld – durch Fasten und Verzicht auf…. – kann ich Gott – im Gebet – und den Mitmenschen – im Teilen, im Mitdenken, im Einsatz für andere – schenken.

Und was bleibt für mich?
Mit Sicherheit: erfülltes Leben!

Fasten
im ersten Testament ist es mal Zeichen der Trauer,
mal Zeichen der Zerknirschung
immer ist es öffentlich, geht alle an
sucht Versöhnung mit Gott
sucht Neuanfang

Jesus
fastet nur einmal, bevor er in die Öffentlichkeit geht
zur Vorbereitung, um bereit zu werden für das Neue
um stark zu werden für den Wandel und die Widerstände

Jünger und Jüngerinnen Jesu
Fasten Wir?
Bereiten Wir uns auf Neues vor?
Sehnen wir uns nach Kraft für Wandel
Leben wir aus der Beziehung zu einem liebevollen väterlich mütterlichen Gott?

Ich wünsche Ihnen eine erfüllende Fastenzeit.

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2 Antworten auf Mit Sicherheit: erfülltes Leben – Aschermittwoch

  1. J Kuba sagt:

    Kann es sein, daß die Texte zu Aschermittwoch und zum 1. Fastensonntagverwechselt wurden?

  2. J Kuba sagt:

    Mir scheint, bei de Texten zu Aschermittwoch und zum 1, FAstensonntag ist etwas durcheinander geraten

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