Work-Life-Balance oder ora et labora – 5. Sonntag im Jahreskreis B

Aus dem Evangelium nach Markus, Kapitel 1
In jener Zeit
29 ging Jesus zusammen mit Jakobus und Johannes gleich in das Haus des Simon und Andreas.
30 Die Schwiegermutter des Simon lag mit Fieber im Bett. Sie sprachen mit Jesus über sie,
31 und er ging zu ihr, fasste sie an der Hand und richtete sie auf. Da wich das Fieber von ihr und sie sorgte für sie.
32 Am Abend, als die Sonne untergegangen war, brachte man alle Kranken und Besessenen zu Jesus.
33 Die ganze Stadt war vor der Haustür versammelt,
34 und er heilte viele, die an allen möglichen Krankheiten litten, und trieb viele Dämonen aus. Und er verbot den Dämonen zu reden; denn sie wussten, wer er war.
35 In aller Frühe, als es noch dunkel war, stand er auf und ging an einen einsamen Ort, um zu beten.
36 Simon und seine Begleiter eilten ihm nach,
37 und als sie ihn fanden, sagten sie zu ihm: Alle suchen dich.
38 Er antwortete: Lasst uns anderswohin gehen, in die benachbarten Dörfer, damit ich auch dort predige; denn dazu bin ich gekommen.
39 Und er zog durch ganz Galiläa, predigte in den Synagogen und trieb die Dämonen aus.

Autorin:
A. TrautmannAndrea Trautmann, Pastoralreferentin in Böblingen

 
Die Predigt:
Work-Life-Balance oder ora et labora

Liebe Leserin, lieber Leser,
ein voller Terminplan verschafft Anerkennung, nicht nur bei der Chefin und den Kollegen. Abends ein paar Haken hinter erledigte Aufgaben machen zu können, verschafft Befriedigung. Immer schneller, immer besser, immer mehr. Effizienz ist wichtig und Zeitersparnis. Wenn wir uns richtig organisieren, dann schaffen wir das auch noch. Auch in der Kirche kennen wir das. Jenes muss getan, dieses darf nicht vernachlässigt werden, alte Traditionen sind wichtig und für Neues wollen wir offen sein. Kirchengemeinderatssitzung, Wochenende der Firmlinge, Gemeindefasching, Weltgebetstag der Frauen, Seniorennachmittag, – vieles soll getan und organisiert werden.

Im heutigen Evangelium haben wir einen typischen Tag aus Jesu Leben gehört. Es war Sabbat. Jesus war mit seinen Freunden in der Synagoge und nach dem Gottesdienst in ihrem Haus zu Gast. Er hat gesehen, was Not wendend war und hat geholfen. Nach Ende des Sabbats am Abend hat er viele Kranke der Stadt geheilt und sich schlafen gelegt. Den nächsten Tag beginnt er im Gebet. Danach geht es anders weiter. Überraschenderweise lässt sich Jesus nicht von dem: Alle suchen dich seiner Jünger locken, sondern er bleibt bei sich. Lasst uns anderswohin gehen, damit ich auch dort predige, denn dazu bin ich gekommen. Es geht also nicht darum möglichst alle zu heilen. Wichtig ist von Gott zu erzählen, zu verkündigen. Nicht Heilen um des Heilens willen. Sondern durch das Heilen, durch Helfen die Liebe Gottes spürbar machen. Im Tun die Liebe Gottes zu bezeugen.

Auch in unserer Gesellschaft kennen wir das. Im Besonderen die sogenannten helfenden Berufe sind oft ausgebrannt. Wer caritative Arbeit leistet, sei es hauptberuflich oder im Ehrenamt ist oft gedrängt von der Größe des Elends, arbeitet ohne Pause, verausgabt sich oft weit über die eigenen Grenzen hinaus. Das Gebet, die innige Verbindung mit Gott, schützt vor Überschätzung des eigenen Wirkens und bewahrt gleichzeitig davor angesichts von Not und Elend in Depression zu verfallen.

Was zählt ist die Botschaft. Die Botschaft vom Reich Gottes. Die Botschaft von Gott, der die Menschen liebt, der zu ihnen steht auch in Not und Elend, und der Hoffnung macht auf Heilung all der Dinge, die in uns verletzt und gebrochen sind. Um sich dieser Botschaft immer wieder zu versichern, ist es notwendig auch im eigenen Leben Zeit für Gott und das Gebet zu haben. Im eigenen Leben ausgewogen zu werden zwischen Tun und Gebet, actio und contemplatio, ora et labora. Work-Life-Balance kann man auch sagen. Ich kann die Liebe Gottes nicht weitergeben, wenn ich sie nicht immer wieder in meinem Leben selbst erfahre. Und nur das schützt mich davor mich angesichts von Not und Ungerechtigkeiten nicht zu verausgaben oder zurückzuziehen.

Dies gilt auch für unsere Gemeinden. Es geht nicht darum immer mehr zu tun, mit immer weniger Menschen. Es geht darum, dass Gott durch unser Tun verkündet wird. Wo wird die Gegenwart Gottes in unserer Gemeinde spürbar? Wo sind Zeiten des Gebets und Orte der Stärkung und des Ausrichtens auf Gott hin? Wann nehmen wir die Konflikte und Herausforderungen unseres Alltags mit ins Gebet? Wann halten alles Gott bin und bitten ihn um Wandlung, Stärkung, Trost, eine neue Sicht?

Immer wieder dürfen wir uns erinnern, dass es nicht darum geht, was wir alles geschafft haben. Es gilt, Gottes Botschaft aufscheinen zu lassen – in den Sitzungen des Kirchengemeinderats, beim Familienfasching, im Kirchenchor – in allem, was wir tun. Die Liebe Gottes im Alltag, an einem vollen Tag mit Zeitdruck und Ärger zu bewahren und zu leben, ist sicher eine der größten Herausforderungen. Um so mehr ist es wichtig, kleine Inseln im Alltag für die Beziehung zu Gott zu pflegen. Ein Gebet vor dem Essen, ein Kreuzzeichen bevor ich aus dem Haus gehe, eine Minute die Augen schließen und mich erinnern, dass Gott da ist und für mich sorgt, eine Kerze anzünden für Jesus, das Licht der Welt, – Gelegenheiten, Gott in unserem Alltag zu erfahren. Gelegenheiten schaffen, für mich selbst und in all unserem Tun, um uns immer wieder daran zu erinnern, dass Gott es ist, der zählt. Amen.

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