Eine Tischrede zum Fest Mariä Geburt am 8. September

Aus dem Evangelium nach Matthäus, Kapitel 1
18 Mit der Geburt Jesu Christi war es so: Maria, seine Mutter, war mit Josef verlobt; noch bevor sie zusammengekommen waren, zeigte sich, dass sie ein Kind erwartete – durch das Wirken des Heiligen Geistes.
19 Josef, ihr Mann, der gerecht war und sie nicht bloßstellen wollte, beschloss, sich in aller Stille von ihr zu trennen.
20 Während er noch darüber nachdachte, erschien ihm ein Engel des Herrn im Traum und sagte: Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen; denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist.
21 Sie wird einen Sohn gebären; ihm sollst du den Namen Jesus geben; denn er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen.
22 Dies alles ist geschehen, damit sich erfüllte, was der Herr durch den Propheten gesagt hat:
23 Seht, die Jungfrau wird ein Kind empfangen, /
einen Sohn wird sie gebären, /
und man wird ihm den Namen Immanuel geben, /
das heißt übersetzt: Gott ist mit uns.

Autorin:
Margret Schäfer-Krebs Margret Schäfer – Krebs, Pastoralreferentin, Referentin im Bischöflichen Ordinariat Rottenburg für Liturgie und Ökumene

 

Zum Hintergrund des heutigen Festes:

In der Ikonographie sind sie keine Rarität: Bilder mit der heiligen Anna im Wochenbett und helfende Frauen, mit ihr und der neugeborenen Maria beschäftigt. Sie sind oft Teil von Bilderzyklen zum Leben Marias und ihrer Sippe. Die Inspiration zu diesen Bildern stammt jedoch nicht von den vier Evangelien, die Eingang in die Bibel gefunden haben, sondern von einer frühchristlichen Schrift, die vermutlich um die Mitte des zweiten Jahrhunderts entstanden ist, das sogenannte Protoevangelium/Vorevangelium des Jakobus. Anders als in den kanonischen Evangelien geht es in dieser Schrift vornehmlich um Maria und ihre Herkunft. Diese wird in Jerusalem lokalisiert. Das Wohnhaus ihrer Eltern Joachim und Anna stand demnach am Teich Bethesda. An diesem Ort wurde zunächst zu Ehren Marias eine byzantinische Kirche gebaut. Mit ihrer Weihe ist die Einführung des Festes Mariä Geburt verbunden, das in der Ostkirche seit 500 n.Chr. gefeiert wird. In Rom wurde es rund zwei Jahrhunderte später eingeführt. Gemeinsam begehen wir dieses Marienfest mit den Orthodoxen, den Armeniern und der Syrischen Kirche des Ostens. Einen Tag früher feiern die Kopten und die syrisch-orthodoxen Christen.

Heute kann man in der Nähe des Löwentores in der Jerusalemer Altstadt statt der ursprünglichen Marienkirche die Sankt-Anna-Kirche besuchen, die nach der Eroberung Jerusalems durch die Kreuzfahrer erbaut wurde. In ihr führt ein Abgang zu einer Grotte, wo die Geburtsstätte Marias verehrt wird. Der Legende des Jakobus-Evangeliums nach, waren Joachim und Anna, ähnlich wie Zacharias und Elisabeth aus dem Lukas-Evangelium, lange Zeit kinderlos. Dies galt als Schande. So wurde Joachim eines Tages aus dem Tempel gewiesen, als er ein Opfer darbringen wollte. Doch dann verkündete ein Engel dem verzweifelten Paar, sie würden eine Tochter voll der Gnade bekommen.

Ihr Geburtsfest ist liturgisch eine Rarität, denn das Kirchenjahr kennt außer der Geburt Jesu, nur noch die Geburt Johannes des Täufers, am 24. Juni, und eben die der Mutter Jesu.

Eine Tischrede

Mariä Geburt, ein Geburtstag auf den ich gerne anstoßen würde und Maria dazu herzlich gratulieren. Wozu könnte ich sie beglückwünschen und was würde ich ihr gerne an ihrem Festtag sagen? Ich möchte es mit einer kurzen Tischrede versuchen:
Liebe Maria, zum wievielten Mal dein Geburtstag gefeiert wird, lässt sich gar nicht mehr sagen; auf Zahlen kommt es auch überhaupt nicht an. Dein Festtag heute ist für viele Menschen ein Tag, an dem man sich freut, dass es dich gab und gibt, und dass an deinem Leben Gottes Handschrift ablesbar ist.

Deine Geschichte mit Gott hat schon längst vor all dem begonnen, was später dann besonders vom Evangelisten Lukas aufgeschrieben wurde. Schon früh hat man dich mit den Geschichten deiner Glaubensväter und -mütter vertraut gemacht. Geschichten voller Risiken und Vertrauen, voller Niederlagen und Neuanfänge, voller Abenteuer, Zweifel, Nöte und Glück. Geschichten, in denen Menschen bezeugten: Das hab ich Gott zu verdanken. Gott ist einer, der nicht wegschaut, wenn Menschen ihre Würde und ihr Recht genommen wird, wenn sie ausgebeutet und links liegen gelassen werden. Vor allem für das Schicksal von Frauen hat er ein Ohr. Kinderlos oder verwitwet zu sein, war so ziemlich das Übelste, was einem in deiner Zeit passieren konnte. Deine Eltern konnten davon ein Lied singen, ebenso wie deine Cousine Elisabeth im Bergland von Judäa. Doch
bei Gott ist kein Ding unmöglich, das wusstest du aus der Geschichte mit Sarah und Abraham.

Als Sarah nur noch darüber lachen konnte, dass sie in ihrem hohen Alter ein Kind zur Welt bringen sollte, wurde den beiden von einem Engel die Frage gestellt: Ist beim Herrn etwas unmöglich?(Gen 18,14). Gottes Weisheit und seine Pläne fordern heraus, das hast auch du schon sehr früh erfahren. Was deinen Eltern und deinen Vorfahren im Glauben, Sarah und Abraham, erst spät widerfahren ist, ist dir bereits in ganz jungen Jahren begegnet und auch du hast darauf gebaut: Für Gott ist nichts unmöglich (Lk 1,37).

Für dieses Vertrauen, für dein unglaublich mutiges Ja zu dem, was Gott dir ins Herz, in den Sinn und auch in die Hände und in den Schoß gelegt hat, danken wir dir auch heute wieder. Wer sein Leben mit Gott geht und das Wagnis an ihn zu glauben eingeht, findet an dir das beste Vorbild und eine Schwester im Glauben und darüber hinaus Hilfe in so vielen kritischen Situationen und Nöten.

Das heutige Evangelium zeigt auch, dass Gott dir für deine Situation den richtigen Mann zur Seite gestellt hat. Er ist einer, der über Recht und Ordnung hinaus denkt und träumt, einer, der fragt, was vor Gott recht ist – ein Gerechter eben. Gern hätte ich mitgehört, was ihr beide während deiner Schwangerschaft mit Jesus, so alles bedacht und geredet habt. Und auch bei der Reise nach Betlehem zur Volkszählung – du dabei hochschwanger; bei der Geburt Jesu in einem erbärmlichen Unterschlupf vor den Toren der Stadt; auf der Flucht nach Ägypten; bei der Rückkehr und dem Neuanfang in Nazareth… Wie habt ihr euch gegenseitig Halt und Mut gegeben? Wie hat das euren Glauben an Gott geprägt? Kamt ihr nicht auch ins Zweifeln? Gott hat euch keinen roten Teppich ausgelegt; ihr habt zu den kleinen Leuten gehört. Wie konntet ihr trotz aller Widrigkeiten, immer wieder Ja sagen, zu dem was euch auch von Gott her zugemutet wurde?

Maria, du hast dich dein Leben lang an Gottes Wort gehalten und wurdest in dunklen Stunden von Gott gehalten. Das gilt es heute wieder zu feiern, zusammen mit vielen auf der Welt, die durch deinen Sohn auch Gottes Töchter und Söhne wurden. Deshalb sagen wir zu dir, Maria, auch Mutter und feiern deinen Geburtstag. Wir sind dankbar für deine Geschichte mit Gott und wir hoffen, im Blick darauf auch unseren Weg vertrauend gehen zu können – und wenn wir Hilfe brauchen, wissen wir ja, wir können das ganze Jahr zu dir kommen.

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