Mit Leib und Seele vertrauen – Hochfest der Aufnahme Mariens in den Himmel

Aus dem Evangelium nach Lukas, Kapitel 1
Neue Genfer Bibelübersetzung
In jenen Tagen
39 machte sich Maria auf den Weg ins Bergland von Juda. So schnell sie konnte, ging sie in die Stadt, in der Zacharias wohnte.
40 Sie betrat sein Haus und begrüßte Elisabeth.
41 Als Elisabeth den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib. da wurde Elisabeth mit dem Heiligen Geist erfüllt
42 und rief laut: „Du bis die gesegnete aller Frauen, und gesegnet ist das Kind in deinem Leib!
43 Doch wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?
44 In dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib.
45 Glücklich bist du zu preisen, weil du geglaubt hast; denn was der Herr dir sagen ließ, wird sich erfüllen.“
46 Da sagte Maria: „Von ganzem Herzen preise ich den Herrn,
47 und mein Geist jubelt vor Freude über Gott, meinen Retter.
48 Denn er hat mich, seine Dienerin, gnädig angesehen, eine geringe und unbedeutende Frau. Ja man wird mich glücklich preisen – jetzt und in allen kommenden Generationen.
49 Er, der Mächtige, hat Großes an mir getan. Sein Name ist heilig,
50 und von Generation zu Generation gilt sein Erbarmen denen, die sich ihm unterstellen.
51 Mit starkem Arm hat er seine Macht bewiesen; er hat die in alle Winde zerstreut, deren Gesinnung stolz und hochmütig ist.
52 Er hat die Mächtigen vom Thron gestürzt und die Geringen emporgehoben.
53 Den Hungrigen hat er die Hände mit Gutem gefüllt und die Reichen hat er mit leeren Händen fortgeschickt.
54 Er hat sich seines Dieners, des Volkes Israel, angenommen, weil er sich an das erinnerte,
55 was er unseren Vorfahren zugesagt hatte: dass er nie aufhören werde, Abraham und seinen Nachkommen Erbarmen zu erweisen.“

Autorin:
Gabriele Greiner-Jopp Gabriele Greiner-Jopp, verheiratet, lebt in Wendlingen, z.Zt. als Dekanatsreferentin, Gemeindereferentin und Beraterin tätig

 
Die Predigt:
Mit Leib und Seele vertrauen

Liebe Leserin, lieber Leser,
„Du bist ganz schön abgehoben“ – wenn wir das zu jemand sagen, ist es nicht positiv gemeint. Und „schön“ ist es tatsächlich nicht, wenn jemand den Kontakt zum wirklichen Leben verloren hat, zu den sogenannten Realitäten, und damit oft genug auch zu den Menschen. Solche Menschen wirken leicht „von oben herab“ in ihrem Verhalten und in ihrer Sprache.

Andererseits sagen wir „Alles Gute kommt von oben“. Wie passt das zusammen? Ist entscheidend, wie hoch jemand abgehoben ist, oder von wie weit oben das Gute kommt?

Am 15. August feiern katholische Christen das Fest der Aufnahme Marias in den Himmel, kurz: Mariä-Himmelfahrt. Sie feiern eine Frau, die Erde und Himmel in sich verbunden hat. Solange sie lebte war sie nicht abgehoben. Aus der Bibel kennen wir ihre Erfahrungen mit dem Sohn Jesus: angekündigt als Retter, von der schwangeren Maria erfasst als Umsturz für die Menschen am Rande, die Armen und Rechtlosen, uneheliches Kind, Flucht ins Ausland, widerspenstiger Sohn, Unverständnis der Familie und Verwandten in Nazareth, hingerichtet als Verbrecher. Maria hat nicht alles verstanden, was da geschah, aber letztlich ist sie zu ihm gestanden und hat auf Gottes Zusage vertraut: Dieses Kind wird der Retter sein – Jesus = Gott rettet. Alles Gute kommt von oben, das hat sie im Magnifikat gesungen und bezeugt, das wir eben gehört haben! Als sie ihren toten Sohn in die Erde gelegt hat, ist sie nicht verzweifelt, sondern hat erlebt, dass seine Botschaft und seine Liebe weiter leben, unsterblich sind.

Mitten im Sommer, in der Zeit der Reife und Ernte feiern wir diese Frau, Maria. Mit Leib und Seele hat sie vertraut. So hat sie den Himmel mit der Erde verbunden. So hat sie uns Gott nahe gebracht. Das ist die Ernte IHRES Lebens. Deshalb ist mitten in dem fruchtbaren Monat August ihr Festtag; deshalb gedenken wir ihrer mit Sträußen aus Heilkräutern, die die Kraft des Himmels und der Erde in sich tragen. Deshalb vertrauen wir darauf, dass wir in Maria sehen, wie ein menschenfreundlicher Gott uns annimmt und aufnimmt – mit Leib und Seele.

Dieses Vertrauen lässt uns nicht abheben sondern hilft uns, realistisch zu bleiben. Das Gute, das von oben kommt, schmeckt auf der Erde schon nach Himmel. Sonst ist es abgehoben.

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