Ein Stück vom Himmel – Fest der Verklärung des Herrn

Aus dem Evangelium nach Matthäus, Kapitel 17
In jener Zeit
1 nahm Jesus Petrus, Jakobus und dessen Bruder Johannes beiseite und führte sie auf einen hohen Berg.
2 Und er wurde vor ihren Augen verwandelt; sein Gesicht leuchtete wie die Sonne und seine Kleider wurden blendend weiß wie das Licht.
3 Da erschienen plötzlich vor ihren Augen Mose und Elija und redeten mit Jesus.
4 Und Petrus sagte zu ihm: Herr, es ist gut, dass wir hier sind. Wenn du willst, werde ich hier drei Hütten bauen, eine für dich, eine für Mose und eine für Elija.
5 Noch während er redete, warf eine leuchtende Wolke ihren Schatten auf sie und aus der Wolke rief eine Stimme: Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe; auf ihn sollt ihr hören.
6 Als die Jünger das hörten, bekamen sie große Angst und warfen sich mit dem Gesicht zu Boden.
7 Da trat Jesus zu ihnen, fasste sie an und sagte: Steht auf, habt keine Angst!
8 Und als sie aufblickten, sahen sie nur noch Jesus.
9 Während sie den Berg hinabstiegen, gebot ihnen Jesus: Erzählt niemand von dem, was ihr gesehen habt, bis der Menschensohn von den Toten auferstanden ist.

Autorin:
A. Trautmann
Andrea Trautmann, Pastoralreferentin, Diözese Rottenburg-Stuttgart

 
Die Predigt:
Ein Stück vom Himmel

Liebe Leserin, lieber Leser,

Mitten im Leben,
in der Mitte des Kirchenjahrs feiern wir heute am 6. August das Fest der Verklärung Christi. Wir hören dabei die Bibelstelle, die wir auch immer zu Beginn der Fastenzeit hören. Wir können gar nicht anders, als Leiden und Auferstehung mitzuhören. Mitten drin. Mitten auf dem Weg von Jesu Alltag in Galiläa, auf dem Weg nach Jerusalem, zu Leiden, Tod und Auferstehung. Mitten im Leben. Die heutige Bibelstelle von der Verklärung Jesu auf dem Berg erinnert an die Erzählung des Buches Exodus, an die Erscheinung Gottes auf dem Sinai – mitten in der Wüste – dem Leid Ägyptens entflohen, das Land der Verheißung noch weit.

Mitten im Alltag braucht es Feste. Neben den großen Hochfesten Weihnachten, Ostern und Pfingsten kennt das Kirchenjahr auch kleine Hochfeste, so wie das Fest der Verklärung Christi, das nur selten auf einen Sonntag fällt und uns so oft entgeht. Feste sind wichtig, um aus dem Alltagstrott herauszukommen und den Kopf wieder frei zu kriegen, Atem zu holen und neue Kraft zu schöpfen. So ein Fest ist das Fest der Verklärung Christi. Mitten im Alltag, der Weg nach Jerusalem ist noch weit, die Leidenszeit kündigt sich schon an und es braucht den Blick darüber hinaus. Vergewisserung, für Jesus und die Jünger.

Dem Himmel so nah
Verklärung – ein theologischer Fachbegriff. Umgangssprachlich verwendet, um etwas Schwieriges zu beschönigen. Vieles verklärt sich im Nachhinein, so sagt man und meint, dass Erlittenes im Nachhinein oft freundlicher wirkt, als es war. Verklärung – ein Wort das über das Irdische hinausweist. „Kathpedia“, das Onlinelexikon, verweist auf die altägyptische Totenliturgie und den Zeitpunkt der Seelenwandlung. Verklärung – es wird klar, was im Dunkel lag. Das heutige Evangelium schreibt von Verwandlung, von der Sonne auf Jesu Gesicht, von seinen Kleidern blendend weiß wie das Licht. Verklärung ist kein Dauerzustand, bleibt aber unvergessen. Insofern weist diese Erfahrung nicht nur für den Augenblick über das rein Irdische hinaus, sondern trägt auch durch die schwierigen Zeiten des Alltags. Ein Moment immenser Klarheit, reiner Freude, ein Augenblick der Ewigkeit. Ein Stück vom Himmel.

Mit den Füßen auf der Erde und dem Herzen im Himmel
Was bedeutet das nun für die Christen und Christinnen damals und für uns heute?
Die Jünger und Jüngerinnen Jesu und auch die ersten Gemeinden, für die diese Texte geschrieben wurden, hatten Zweifel. Zweifel an Gott, Zweifel an Jesus Christus, Zweifel an sich selbst. Zweifel hervorgerufen durch das Leben, genährt durch schwierige Momente, persönlich und politisch. „Lohnt sich das denn alles?“ „Immer denk ich es wird besser, aber in 70 Jahren nicht.“ „Ich bin müde, immer wieder neu anfangen, ich kann nicht mehr.“ Oder den Israeliten in der Wüste in den Mund gelegt: Wir sind schon so lange unterwegs, gibt es das verheißene Land? War es falsch auf Gott zu vertrauen, wo doch nichts besser wird?

Das Fest der Verklärung Christi ist für die Kirchen des Ostens, die armenische Kirche, die syrischen Kirchen, die chaldäische Kirche, die koptische Kirche seit alters her ein wichtiges Hochfest. Ein Fest des ungeschaffenen Lichts. Ein Fest der Hoffnung in schwierigen Zeiten. Ein Blick über den Alltag hinaus, auf Gott, in Richtung Himmel: die Verheißung in den Blick nehmen, sich stärken lassen. So wie die Jünger im heutigen Evangelium es erfahren. Aus der leuchtenden Wolke spricht die Stimme, die Jesus – seine Identität und seine Botschaft, und die Hoffnungen, die wir in ihn setzen – bestätigt. „Er ist mein geliebter Sohn, auf ihn sollt ihr hören!“ „Steht auf! Habt keine Angst!“. Und als sie aufblickten, sahen sie nur noch Jesus. Die Antworten auf die Zweifel der Israeliten in der Wüste, der Jünger Jesu, vieler anderer, die uns im Glauben vorausgegangen sind, sind uns überliefert. Ja, es lohnt sich! Vertrau auf Gott! Glaub an Jesus und seine Botschaft!

Lassen auch wir uns bestärken. Von der Verheißung, die uns Generationen überliefert haben. Vom Glaubenszeugnis der anderen. Durch Jesus Christus. In der Hoffnung, dass sich bei uns alles verklärt und dann alles klar ist, für heute und in Ewigkeit. Amen.

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Eine Antwort auf Ein Stück vom Himmel – Fest der Verklärung des Herrn

  1. clara a sancta abraham sagt:

    O Heiland reiss die Himmel auf…. dieses Lied fällt mir soeben ein….

    Jesus erkennen dürfen, ihn als Sohn Gottes sehen dürfen

    Gott öffne uns die Augen für Dein uns Nahe Sein, nicht nur am Gipfel des Lebens

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