Die Chance ergreifen und den Himmel gewinnen – 17. Sonntag im Jahreskreis A

Aus dem Evangelium nach Matthäus, Kapitel 13
Übersetzung: Lutherbibel 2017
In jener Zeit sprach Jesus zu den Menschen:
44 Das Himmelreich gleicht einem Schatz, verborgen im Acker, den ein Mensch fand und verbarg; und in seiner Freude geht er hin und verkauft alles, was er hat, und kauft den Acker.
45 Wiederum gleicht das Himmelreich einem Kaufmann, der gute Perlen suchte,
46 und da er eine kostbare Perle fand, ging er hin und verkaufte alles, was er hatte, und kaufte sie.

Ballon
Autorin:
Sigrid Haas, Diplom-Theologin, Mannheim

 
Die Predigt:
Die Chance ergreifen und den Himmel gewinnen

Liebe Leserin, lieber Leser,
In seiner Freude verkauft er alles, was er hat, und kauft den Acker. Eine radikale Entscheidung, ein mutiger, konsequenter Mensch! Hätten Sie auch so gehandelt? Alles aufgegeben für einen Schatz – etwa die Liebe Ihres Lebens oder eine Lebensaufgabe?

Gott gibt uns Chancen

Gott will, dass wir glücklich sind, das Leben in Fülle haben, den Himmel auf Erden. Deshalb bekommen wir die Chancen zur Erfüllung unserer Lebensträume. Allerdings erkennen wir diese Gelegenheiten häufig gar nicht oder zu spät, und falls doch, ergreifen wir sie aus Angst sehr oft nicht, sondern lassen uns vom Verstand überzeugen, das sei absolut unmöglich. Aber je älter wir werden, desto seltener kommen solche Chancen, und am Lebensende bereuen viele dann bitter, dass sie das Glück verpasst haben.

Erkennen – entscheiden – handeln

In jeweils nur zwei Sätzen wird in den Gleichnissen klar gesagt, warum die beiden Menschen den Schatz erhalten: Sie erkennen ihn, entscheiden sich hundertprozentig dafür und tun sofort alles, um ihn zu bekommen.

Jesus sagt uns, dass eine solche Entscheidung und ihre Umsetzung einfach sein kann. Wahrscheinlich denken Sie jetzt: Schön wäre es, wenn das wirklich so wäre! Doch könnte es das nicht tatsächlich sein? Ich glaube ja, allerdings nur, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind.

Was ist ein Schatz?

Ein Schatz ist etwas sehr Kostbares. Einen geliebten Menschen nennen wir liebevoll so und in Abenteuerfilmen wird „Der Schatz im Silbersee“ gesucht. Ein echter Schatz zeichnet sich außerdem dadurch aus, dass er uns wirklich glücklich macht und die Hingabe nicht in selbstzerstörerischer Besessenheit endet, wie im Film, wenn die Banditen mit dem Goldschatz in die Tiefe stürzen.

Sich selbst kennen – den Schatz erkennen

Selbsterkenntnis und Klarheit sind nötig um zu wissen, was das Kostbarste ist: Was macht mich wirklich glücklich, wann fühle ich mich wie im Himmel?

Für die allermeisten Menschen ist es die Liebe. Wenn wir uns von einem Menschen oder von Gott mit all unseren Schwächen wirklich geliebt fühlen, ist das der Himmel auf Erden. Für andere, etwa Menschen in Diktaturen oder Kriegsgebieten sind es Freiheit und Frieden, für Kranke die Gesundheit.

Diese Sehnsucht nach Gott, dem Himmel, dem Paradies, nach Liebe, Freude, Gemeinschaft, Frieden, Gerechtigkeit, Freiheit tragen alle Menschen tief in sich. Doch viele suchen die Erfüllung beispielsweise in Reichtum oder Erfolg, weil sie den Zugang zu sich selbst, zu ihren wahren Gefühlen verloren haben.

Wissen wir, was uns kostbar ist, werden wir die Chance auf die Erfüllung unserer Sehnsucht erkennen, weil wir wach und offen sind und zur richtigen Zeit am richtigen Ort, ob intuitiv geführt oder durch gezieltes Suchen.

Das Alte loslassen – sich für den Schatz entscheiden

Wenn wir, gefangen und erstarrt in resigniertem Erdulden von Problemen, Alltagsroutine und Scheinsicherheit im Altvertrauten, den Himmel vergessen haben, dann erweckt Gott durch Menschen, Ereignisse und Chancen unsere tiefste Sehnsucht wieder, konfrontiert uns mit unseren Ängsten und fordert uns zum mutigen Handeln heraus, damit wir wieder lebendig und glücklich werden.

Mit Halbherzigkeit können wir allerdings keinen Schatz gewinnen: Er verkauft alles, was er hat. Dieses „alles“ steht für die Hindernisse, die den Himmel verschließen. Das kann beispielsweise ein auszehrender Managerjob sein, der keine Freizeit mehr lässt, eine destruktive Beziehung, die krank macht oder limitierende Glaubenssätze wie „Das geht nicht“. Nur wenn wir uns zu hundert Prozent für den Schatz entscheiden, indem wir das begrenzende Alte loslassen, werden wir ihn erhalten. Denn nur leere Hände können empfangen und umarmen.

Ohne Zögern und Zweifeln handeln – den Schatz bekommen

Am Ende der Himmelreichsreden will Jesus uns mit den Gleichnissen sagen: Nun lebe das Himmelreich – jetzt, hier auf der Erde. Der Urtext verdeutlicht die Wichtigkeit des Handelns auch sprachlich durch die Gegenwartsform: er verkauft alles, was er hat, im Gegensatz zur Vergangenheitsform: ein Schatz, den ein Mensch fand.

Handeln wir mutig sofort und ohne zu zweifeln, gewinnen wir den Schatz, hören wir auf den Verstand, verlieren wir ihn. Jesus sagt in Mt 18,3: Wenn ihr nicht wie die Kinder werdet, könnt ihr nicht ins Himmelreich kommen. Kinder tun, was ihr Herz sagt, und sei es noch so verrückt – lernen wir von ihnen, wieder auf unser Herz zu hören!

Der Himmel ist hier und jetzt

Das Himmelreich ist also nicht in ferner Zukunft, sondern hier auf der Erde – jetzt, heute kann sich die Tür zum Himmel öffnen – wenn wir die Chancen ergreifen, die jeder Tag, jede Begegnung bietet.

Dann wird das Himmelreich immer mehr in uns und um uns sein, die Liebe Gottes wird durch immer mehr Menschen erstrahlen, weil sie nicht mehr den Dämonen der Angst folgen, sondern ihrem Herzen und wieder eins werden mit sich selbst und dadurch auch mit Gott

Anita Moorjani, die ein Nahtoderlebnis hatte, beschreibt den Himmel so: Er ist kein Ort, sondern ein Zustand, eine Realität, in der jede Wahl aus Liebe getroffen wird statt aus Angst. Amen.
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Eine Antwort auf Die Chance ergreifen und den Himmel gewinnen – 17. Sonntag im Jahreskreis A

  1. Maria sagt:

    Danke für diese stärkende Predigt.

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