Glaubt an Gott und glaubt an mich – 5. Sonntag der Osterzeit A

Aus dem Evangelium nach Johannes, Kapitel 12
Übersetzung: Bibel in gerechter Sprache
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngerinnen und Jüngern:
1 „Seid nicht aufgewühlt und erschrocken! Glaubt an Gott und glaubt an mich.
2 Im Haus Gottes, meiner Heimat, sind viele Wohnungen. Hätte ich euch sonst gesagt: Ich gehe, um für euch einen Platz vorzubereiten?
3 Und wenn ich gegangen bin und euch einen Platz bereitet habe, dann komme ich wieder und nehme euch zu mir, damit auch ihr da seid, wo ich bin.
4 Und wohin ich gehe – ihr kennt den Weg.“
5 Thomas sagte zu ihm: „Rabbi wir wissen nicht, wohin du gehst. Wie können wir den Weg kennen?“
6 Jesus sagte zu ihm: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Nur durch mich gelangt ihr zu Gott, der Quelle allen Lebens.
7 Wenn ihr mich erkannt habt, dann habt ihr auch Gott erkannt. Von nun an kennt ihr Gott und habt sie gesehen.“
8 Philippus sagte zu ihm: „Rabbi, zeige uns Gott und wir sind zufrieden.“
9 Jesus sagte zu ihm: „So lange Zeit bin ich schon bei euch und du hast mich nicht erkannt, Philippus? Alle, die mich gesehen haben, haben auch Gott gesehen. Wie kannst du da sagen: Zeige uns Gott?
10 Glaubst du nicht, dass ich in Gott bin und Gott in mir ist? Die Worte, die ich euch sage, rede ich nicht von mir aus, sondern Gott, die in mir wohnt, führt ihre Taten aus.
11 Glaubt mir, dass ich in Gott bin und Gott in mir, und wenn nicht, dann glaubt wegen der Taten.
12 Amen, amen, ich sage euch: Alle, die an mich glauben, werden die Taten, die ich vollbringe, auch tun, und sie werden noch größere als diese tun, denn ich gehe zu Gott.“

Autorin:
Angela RepkaAngela Repka, Offenbach, Literaturübersetzerin, verheiratet, zwei Söhne, vier Enkelkinder, Ausbildungskurs zum Diakonat der Frau, diakonische Tätigkeit in der Pfarrgemeinde

 
Die Predigt:
Glaubt an Gott und glaubt an mich

Liebe Leserin, lieber Leser,
im Evangelium zum 5. Sonntag in der Osterzeit kehren wir zu den Abschiedsreden Jesu an seine Jüngerinnen und Jünger zurück. Gerade hat Judas den Tisch der zum Abendmahl versammelten Gemeinschaft verlassen, um in die Nacht einzutreten und Jesus zu verraten. Jesus hat seinen Weggang angekündigt und die Seinen auf die gegenseitige Liebe eingeschworen, in der sie mit ihm verbunden bleiben, auch wenn sie ihm jetzt nicht an den Ort folgen können, wo er hingeht. Sie werden neue, äußerst schmerzvolle Erfahrungen durchleben müssen und er tröstet und stärkt sie: „Glaubt an Gott und glaubt an mich“. Nur der Glaube und die gegenseitige Liebe wird sie vor Verzweiflung und Resignation bewahren können.

Dann spricht Jesus von dem Platz, den er für seine Freunde und Freundinnen vorbereiten wird, von den vielen Wohnungen im Hause Gottes, seiner Heimat, in die er sie zu sich heimholen wird. Den Weg dorthin würden sie kennen, bemerkt er. Geheimnisvoll und schwer verständlich ist diese Bildsprache voller Andeutungen für die Anwesenden – und, zugegebenermaßen, auch für uns Leserinnen und Leser heute. So ist es nicht verwunderlich, wenn Thomas sagt: „Rabbi, wir wissen nicht, wohin du gehst. Wie sollen wir dann den Weg kennen?“ Auch als er vom Vater (vgl. Einheitsübersetzung) spricht, den sie schon jetzt kennen und gesehen haben, weil sie ja Jesus kennen und gesehen haben, begreift sein Jünger Philippus nichts und verlangt, er solle ihnen den Vater zeigen. Die Jünger sind zwar Jesus, ihrem Meister, gefolgt, doch sie haben offenbar Wesentliches nicht erkannt. Obwohl Jesus mitten unter ihnen lebte, lehrte, wirkte. Wie ist das möglich?

Ja, es ist möglich, dass wir mit anderen auf engstem Raum zusammen leben und sie dennoch nicht gut kennen, nicht wissen oder auch nur ahnen, was sie in ihrem innersten Kern ausmacht. Und viele kennen nicht einmal sich selbst, ihre wirklichen Bedürfnisse oder das, was an Potenzialen in ihnen steckt. Sie führen ein Leben ohne tiefere Beziehung zu sich selbst. Manchmal erwarten wir, dass andere unsere Probleme lösen und vielleicht haben sich auch die Jüngerinnen und Jünger Jesu zu sehr auf den Meister verlassen und zu wenig ihrer eigenen Kraft getraut. Dabei will Jesus sie genau an diesen Kraftort führen – weil er sie liebt.

Lieben heißt nach dem Schriftsteller James Baldwin dem geliebten Menschen die Dinge bewusst zu machen, die er nicht sieht. Und genau das tut Jesus. Die Jünger und Jüngerinnen sollen durch seine Person erfahren und sehen, worauf es ankommt: auf die intime Beziehung zu Gott, seinen Ursprung, den er Vater, Abba, Papa nennt, der durch ihn, mit ihm und in ihm sichtbar und erfahrbar wird. Das sollen die, welche er liebt und für die er sein Leben hingibt, endlich erkennen. „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben.“ Nach seinem Beispiel sollen auch sie leben und in der Welt Gott erfahrbar machen, denn: „Alle, die an mich glauben, werden die Taten, die ich vollbringe, auch tun, und sie werden noch größere als diese tun, denn ich gehe zu Gott.“

Die machtvolle, lebensspendende, nicht exklusive Gottesbeziehung ist das wirksamste, was er den Seinen offenbaren kann. Aus dieser Quelle können sie Hoffnung, Liebe und Kraft schöpfen, um sie an andere weiterzugeben. Es ist der Platz, an den er sie durch sein Leben und Sterben geführt hat, und an dem er ihnen über den Tod hinaus immer nahe sein wird. Es ist ein Platz mitten im Leben, der ihre Gemeinschaft stärkt und inspiriert, kein abgehobener spiritueller, jenseitiger Ort. Hier wirkt die Heilige Geistkraft, die tröstet und Heimat schenkt, aber auch antreibt hinauszugehen und das wohltuende Gutsein Gottes zu bezeugen.

„Glaubt an Gott und glaubt an mich“. Wer sich auf Gott verlässt, wird finden, was er/sie nötig hat, was genau zu ihr/ihm passt, damit die Taten getan werden können, die Liebe und Gerechtigkeit in unserer Welt wachsen lassen. Durch eine unmittelbare lebendige Gottesbeziehung werden wir zu unserer verschütteten, beschnittenen und nicht selten von uns selbst aus Angst, Bequemlichkeit oder anderen Gründen verleugneten Macht zu handeln befreit.

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2 Antworten auf Glaubt an Gott und glaubt an mich – 5. Sonntag der Osterzeit A

  1. Walter sagt:

    „Wunder-Glauben… „?

    ist dieses Nicht-Wissen – Können und Zweifeln der damaligen Zeugen (!) nicht auch uns Heutigen vertraut ?
    Und hat nicht gerade deshalb die Naturwissenschaft die Theologie aus der Religion in die Ethik verdrängt ?
    Vielleicht ist dies der „evolutionäre Sprung “ für den menschlichen Intellekt:
    weg vom „fraglosen , konfessionsgebundenen Nachfolgen “ hin zum allgemeingültigen Ethos, ohne welches nicht nur die Primaten schon längst ausgestorben wären…!
    Pax et iustitia gilt auch dort, wenn auch auf andere Weise…

  2. clara a sancta abraham sagt:

    „Alle, die an mich glauben, werden die Taten, die ich vollbringe, auch tun, und sie werden noch größere als diese tun, denn ich gehe zu Gott.“
    Zitat von oben.

    Ist das nicht eine ganz große Zusage an uns, der! Auftrag an uns?!!
    Der Auftrag an uns, der uns zu glaub würdigen NachfolgerInnen Jesu macht.
    Und deren Geruch ( s Stallgeruch von letzter Woche) himmlisch duftet :-) und andere an zieht?
    Wenn wir interessant „duften“, weil wir anders handeln, zum Beispiel konsequenter liebend und da seiend, dann werden sie kommen, durch die Türe gehen – im Vertrauen auf Gott, und auf Jesus – IHM glauben und weitere Wunder wirken können.

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