Gottes Weg mitgehen – Neujahr 2017 / Hochfest der Gottesmutter Maria und Weltfriedenstag

Erste Lesung aus dem Buch Numeri, Kapitel 6
22 Der Herr sprach zu Mose:
23 Sag zu Aaron und seinen Söhnen: So sollt ihr die Israeliten segnen; sprecht zu ihnen:
24 Der Herr segne dich und behüte dich.
25 Der Herr lasse sein Angesicht über dich leuchten und sei dir gnädig.
26 Der Herr wende sein Angesicht dir zu und schenke dir Heil.
27 So sollen sie meinen Namen auf die Israeliten legen und ich werde sie segnen.

Antwortpsalm 67
2 Gott sei uns gnädig und segne uns. /
Er lasse über uns sein Angesicht leuchten,
3 damit auf Erden sein Weg erkannt wird /
und unter allen Völkern sein Heil.
5 Die Nationen sollen sich freuen und jubeln. /
Denn du richtest den Erdkreis gerecht. Du richtest die Völker nach Recht /
und regierst die Nationen auf Erden.
6 Die Völker sollen dir danken, o Gott, /
danken sollen dir die Völker alle.
8 Es segne uns Gott. /
Alle Welt fürchte und ehre ihn.

Autorin:
_MG_7932-webBirgit Droesser, Pastoralreferentin, war tätig in der Gemeindepastoral, in der Klinikseelsorge und im Theol. Mentorat Tübingen

 
Die Predigt:
Gottes Weg mitgehen

Liebe Leserin, lieber Leser,
in der vergangenen Nacht haben wir das Jahr 2016 verabschiedet, ein Jahr, das uns mit vielen aufschreckenden Ereignissen umgetrieben hat. Auch persönlich haben wir sicher das eine und andere loslassen müssen und leiden möglicherweise unter einem schweren Verlust. So sind nicht wenige unter uns, denen gestern nicht nach feiern zumute war. Doch heute stehen wir am Beginn eines neuen Jahres und unser Blick geht voraus. Er streift die noch leeren Seiten des neuen Kalenders. Was werden die Tage, Wochen und Monate uns bringen, in der Weltpolitik, in unserem Land, in unserem eigenen Leben? Welche Herausforderungen werden auf uns zu kommen? Wie werden wir am Ende dieses Jahres dastehen? Werden wir es überhaupt miteinander zu Ende erleben? Fragen, die uns nicht unberührt lassen. Da können wir einen Zuspruch, der nicht einfach so daher geredet ist, sondern wirklich hilft, gut gebrauchen. Manchmal kann man hören: „Wir machen halt so weiter wie bisher“. Ich aber möchte das neue Jahr ernst nehmen als Einladung und Möglichkeit, weiter zu kommen auf meinem Lebensweg, mich weiter zu entwickeln und in meinem Glauben zu wachsen.

Der heutige Antwortpsalm 67 nimmt die Bitte des bekannten aaronitischen Segens auf und verknüpft sie mit einem Anliegen:
Gott sei uns gnädig und segne uns.
Er lasse über uns sein Angesicht leuchten,
damit auf Erden sein Weg erkannt wird
und unter allen Völkern sein Heil
.

In der Bitte der Psalmbeterin oder des Psalmbeters geht es nicht nur um das Wohlwollen und den Schutz Gottes für mein eigenes Leben. Vielmehr sagen die Psalmbeter, Gott möge ein Leuchten auf uns legen, das Leuchten seines Angesichts, damit wir im Strudel dieser Zeit nicht orientierungslos bleiben, sondern in seinem Licht unterscheiden und erkennen können, und zwar seinen Weg, seinen Weg auf dieser Erde und für diese Welt. Auch wenn Gott oft so fern scheint, die Welt ist Gott ein Anliegen; das Wohlergehen seiner Geschöpfe ist ihm überhaupt nicht gleichgültig. Das ist die Grunderkenntnis der israelitischen Beterinnen und Beter, uns so sind ihre Gebete Klage, Dank und Lobpreis für ihren Gott, der mitgeht. Jesus lebte in dieser Gebetsgemeinschaft. Die Psalmen waren auch seine Gebete; durch ihn werden wir Christen mit in diese Gemeinschaft hineingenommen.

Die Gemeinschaft der Glaubenden sagt uns über die Jahrhunderte hinweg: Gott geht mit, Gott will mit dir seinen Weg gehen, gehen aber musst du selbst. So stellt sich aus den Psalmworten heraus für mich die Frage: Wie sollte mein Weg in dieses neue Jahr hinein aussehen, damit er ein kleiner Teil von Gottes Weg auf dieser Erde werden kann? Der Begriff Gerechtigkeit kommt in den Blick. So heißt es im zweiten Abschnitt:
Die Nationen sollen sich freuen und jubeln.
Denn du richtest den Erdkreis gerecht.
Du richtest die Völker nach Recht
und regierst die Nationen auf Erden.

Im Gegensatz zu dem, was wir täglich erleben, ist Gerechtigkeit ein ganz wichtiges Thema in der Bibel und in der Botschaft Jesu. Ohne Gerechtigkeit kann es in Gottes Augen kein gutes Leben, keinen Frieden, kein Heil geben, und zwar für alle Menschen, alle Völker, alle Nationen. Erinnern wir uns an das Lied Marias im Magnificat: Er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen. Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben und lässt die Reichen leer ausgehen. Gerechtigkeit bedeutet für die Menschen der Bibel in erster Linie Treue. Gott ist den Menschen treu; er wird sie in keiner Lebenslage verlassen. Das hat er Mose am brennenden Dornbusch zugesagt und das wird immer so sein. Er hat sich der Welt gegenüber verpflichtet. Er will uns in seiner Liebe leiten; was aber, wenn Hass, Eigennutz und Lieblosigkeit den Ton angeben. Gott kann die Herzen der Menschen nur dann bewegen, wenn sie sich ihm öffnen.

Für die Frage nach meinem Weg durch dieses neue Jahr finde ich drei Wegweisungen:
Mir ist wichtig, dass ich meinerseits Gott treu bleibe, dass ich mir immer wieder etwas von ihm sagen lasse, dass ich auf seine Stimme höre, die an jedem Tag zu mir spricht, die mich vor Irrwegen bewahren will, die mahnt, lockt und tröstet. Wie Maria – wir werden es im Evangelium hören – möchte ich seine Worte im Herzen bewahren und darüber nachdenken.

Und ein zweites: unser Leben hat eine unzerstörbare Perspektive. Wir gehen mit jedem Jahr nicht auf ein Nichts, nicht auf eine tödliche Leere, sondern auf Gottes Gericht zu. Wir werden eines Tages vor einem Richter stehen, der uns liebt, der unsere Schwächen und Verfehlungen ernst nimmt, aber viel besser als wir selber einschätzen wird, was uns möglich war und was nicht.

Und schließlich: Wenn ich Gottes Weg der Gerechtigkeit auf dieser Erde mitgehen will, möchte ich mir die Goldene Regel neu ins Gedächtnis rufen, jeden Menschen so behandeln, wie ich es mir für mich selbst wünsche, ehrlich, aufrichtig und konsequent, aber auch um Verstehen bemüht, einfühlsam und liebevoll.

In diesem Sinne wünsche ich uns allen einen guten Weg durch das neue Jahr 2017. Amen

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