Sympathie und Vertrauen – 18. Sonntag im Jahreskreis A

Aus dem Evangelium nach Matthäus, Kapitel 14
13 In jener Zeit fuhr Jesus mit dem Boot in eine einsame Gegend, um allein zu sein. Aber die Leute in den Städten hörten davon und gingen ihm zu Fuß nach.
14 Als er ausstieg und die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen und heilte die Kranken, die bei ihnen waren.
15 Als es Abend wurde, kamen die Jünger zu ihm und sagten: Der Ort ist abgelegen und es ist schon spät geworden. Schick doch die Menschen weg, damit sie in die Dörfer gehen und sich etwas zu essen kaufen können.
16 Jesus antwortete: Sie brauchen nicht wegzugehen. Gebt ihr ihnen zu essen!
17 Sie sagten zu ihm: Wir haben nur fünf Brote und zwei Fische bei uns.
18 Darauf antwortete er: Bringt sie her!
19 Dann ordnete er an, die Leute sollten sich ins Gras setzen. Und er nahm die fünf Brote und die zwei Fische, blickte zum Himmel auf, sprach den Lobpreis, brach die Brote und gab sie den Jüngern; die Jünger aber gaben sie den Leuten,
20 und alle aßen und wurden satt. Als die Jünger die übrig gebliebenen Brotstücke einsammelten, wurden zwölf Körbe voll.
21 Es waren etwa fünftausend Männer, die an dem Mahl teilnahmen, dazu noch Frauen und Kinder.

Autorin:
scale-210-210-02_971128715_2Margret Schäfer – Krebs
Pastoralreferentin,
Leiterin des Referates Liturgische Dienste am Institut für Fort- und
Weiterbildung der Diözese Rottenburg-Stuttgart

 
Die Predigt:
Sympathie zu den Leuten und Vertrauen in Gott

Liebe Leserin, lieber Leser,
Evangelium, frohe Botschaft, passend zur Urlaubszeit: Jesus fuhr mit dem Boot in eine einsame Gegend um allein zu sein.Jesus braucht mal Abstand, muss raus aus dem und denen, die ihn sonst umgeben. Das macht ihn sehr sympathisch und zum jetzigen Zeitpunkt im Jahr deckt sich sein „mal weg müssen“ mit der Sehnsucht von vielen: Abstand gewinnen von dem, was uns täglich fordert und bisweilen überfordert.

Matthäus erzählt in den vorausgehenden Textabschnitten von etlichen Heilungen und den Fragen, die Jesus damit auslöste; sein Tun provozierte. Gutes tun und damit anecken und Feindschaft erfahren, das kostet Energie. Und dann noch dieser Mord an Johannes dem Täufer. Johannes war bei König Herodes in Ungnade gefallen, weil er die Verbindung des Königs mit dessen Schwägerin Herodias tadelte.
Jesus wusste, dass er mit dem, was er sagte und tat, sich in die gleiche Situation bringen konnte wie Johannes. Drei Kapitel weiter vorne heißt es: Die Pharisäer gingen nach der Heilung eines Mannes am Sabbat hinaus und fassten den Beschluss, Jesus zu töten. Jetzt gilt: Erst einmal raus und weggehen, niemand sehen und von niemand angefragt werden. Sich der eigenen Situation bewusst und klar werden. Sich vielleicht sogar neu entscheiden, den eigenen Weg weiterzugehen und sich trotz der Gefahr treu bleiben. Ein Bild von Jesus, das ihn sehr menschlich und nahe erscheinen lässt.

Aber, dieses schreckliche ‚aber’; aber die Leute, die sind, wie sie eben sind, sie hören von seiner Abfahrt und laufen ihm einfach auf dem Landweg nach. Auch diese Situation kommt dem einen oder der anderen von uns nur zu bekannt vor. Man kommt einfach nicht zur Ruhe; ständig will jemand was, man wird mit seinen eigenen Bedürfnissen einfach nicht wahrgenommen. Man hat da zu sein. Bisweilen kann das zu einer Zerreisprobe werden: wenn die eigenen Bedürfnisse und die von anderen aufeinander treffen. Wie geht Jesus damit um und was könnte mir, könnte uns das sagen? Was wir eben gehört haben, wird ja als ‚Evangelium’ qualifiziert, es ist eine frohe Botschaft, also mehr als eine Anweisung zum rechten Verhalten bei Urlaubsreife und Stress. Suchen wir also nach dem, was uns heute durch diese Geschichte von Jesus her erleichtern, froh machen und lebensdienlich sein kann.

Was tut Jesus? Er steigt tatsächlich aus, rudert nicht weiter oder sucht sich, als er die Menge sieht, eine Bucht, die ihn verdeckt. Nein, er legt mit seinem Boot an, er sieht die vielen Menschen und hat Mitleid – griechisch: Sympathie. Es waren nicht seine Freunde oder sonst sympathische Leute, sondern einfach Leute; Leute mit Bedürfnissen und Hunger und Krankheiten. Er sieht die Leute, nicht aus der Ferne, sondern aus der Nähe und damit betreffen sie ihn. Aus der Ferne betrachtet, kann man über vieles gescheit daherreden, wenn ich aber etwas an mich heranlasse, dann muss ich mich dazu verhalten. Jesus bekommt Sympathie für die Leute, und so bekommt das, was „dazwischengekommen ist“ Vorrang. Jesus hat und nimmt sich die Zeit.

Interessant, dass Matthäus hier nicht von einer Lehrveranstaltung Jesu erzählt oder von Gleichnissen; es heißt ganz knapp: er hatte Mitleid mit ihnen und heilte die Kranken, die bei ihnen waren. Jesus macht nicht alles Mögliche, er konzentriert sich auf das, was Not tut, auf das, woran es krankt; Jesus konzentriert sich auf das, was in dieser Situation heilsam und lebensdienlich ist. Das kann auch uns eine Orientierungshilfe sein.

Am Abend dieses Tages wird es selbst den Jüngern zu viel; für das leibliche Wohl sind wir nicht auch noch zuständig. „Schick sie weg!“ Und dann ist es Jesus, der den Jüngern quer kommt. Nein, hungrig wird niemand weggeschickt, „gebt ihr ihnen zu essen!“ So kommt in diese Geschichte nochmals Bewegung. Die Jünger schauen nach den Vorräten, diese bringen sie zu Jesus, er preist Gott dafür, bricht die Brote, und gibt sie den Jüngern, damit diese sie an die Leute weitergeben. Welch eine segensreiche Dynamik!

Das Gefühl, es ist immer zu wenig, es reicht hinten und vorne nicht, was kann ich schon ausrichten, ist in vielen Situationen da; auch in unseren Gemeinden sind wir zu wenig. Aber wenn wir das wenige nicht verachten, sondern Jesus bringen, wird es am Ende reichen. Was er in die Hand nimmt, wird zum Segen. Und es reicht für alle, wenn es geteilt wird. Wer das, was er oder sie aus der Hand Gottes empfängt, behalten will, verliert es; wer aber gibt, vermehrt. Brotvermehrung ist das Gegenteil von Eigenbrötelei.

Das heutige Evangelium hat uns mitgenommen in einen Tag mit Jesus. Es begann mit dem Wegfahren – allein, und endete mit fünftausend Menschen, die satt geworden sind. Mit Sympathie zu den Leuten und Vertrauen in Gott – kein Wunder; aber mit wundervollen Anregungen für uns in der Urlaubszeit und auch danach.

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2 Antworten auf Sympathie und Vertrauen – 18. Sonntag im Jahreskreis A

  1. W. sagt:

    „auch in unseren Gemeinden sind wir zu wenig“ ja dieser letzte Teil der Predigt hat mich berührt. So ist es auch bei uns. Wie soll es weitergehen? Jesus nimmt das wenige und vermehrt es. Das ist wirklich eine Aussage, die trösten kann, die mich entlastet. Sie befreit uns von dem Zwang, alles alleine schaffen zu müssen. So kann ich mit ruhigem Gewissen eine Auszeit nehmen. –Doch muss ich nicht wie Jesus meine Urlaubszeit abbrechen? Kann ich die Nachrichten auf dem AB , die Mails einfach ignorieren? Jesus hat nicht gewartet, bis er seine Auszeit beendet hatte.

    • Benedikta sagt:

      „Jesus nimmt das Wenige und vermehrt es“. Darauf kommt es an. Wenn ich
      eine Auszeit habe, kann Jesus andere Helfer animieren und er wird es auch tun.

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