Welche Weisheit suchst du an der Krippe? – Erscheinung des Herrn

Erste Lesung aus dem Buch Jesaja, Kapitel 60
1 Auf, werde licht denn es kommt dein Licht / und die Herrlichkeit des Herrn geht leuchtend auf über dir.
2 Denn siehe, Finsternis bedeckt die Erde / und Dunkel die Völker, doch über dir geht leuchtend der Herr auf, / seine Herrlichkeit erscheint über dir.
3 Völker wandern zu deinem Licht / und Könige zu deinem strahlenden Glanz.
4 Blick auf und schau umher: / Sie alle versammeln sich und kommen zu dir. Deine Söhne kommen von fern, / deine Töchter trägt man auf den Armen herbei.
5 Du wirst es sehen und du wirst strahlen, / dein Herz bebt vor Freude und öffnet sich weit. Denn der Reichtum des Meeres strömt dir zu, / die Schätze der Völker kommen zu dir.
6 Zahllose Kamele bedecken dein Land, / Dromedare aus Midian und Efa. Alle kommen von Saba, / bringen Weihrauch und Gold / und verkünden die ruhmreichen Taten des Herrn.

Autorin:
scale-210-210-02_971128715_2Margret Schäfer – Krebs, Pastoralreferentin, Referentin im Bischöflichen Ordinariat Rottenburg für Liturgie und Ökumene

 
Die Predigt:
Welche Weisheit suchst du an der Krippe?

Liebe Leserin, lieber Leser,
zu den eher ärmlichen Hirten stellen sich mit dem heutigen Feiertag respektable Gestalten bei der Krippe ein. Drei Könige werden sie im Volksmund genannt. Der Evangelist Matthäus spricht von Magiern ohne eine bestimmte Anzahl anzugeben. Je nach Übersetzung werden sie Sterndeuter oder einfach Weise genannt. Der Kirchenvater Origines (158-254 n.Chr.) spricht wegen der im Evangelium erwähnten drei Geschenke erstmals von drei Magiern. Zu Königen wurden diese drei im 6. Jahrhundert und im 9. Jahrhundert bekamen sie ihre Namen: Caspar Melchior und Balthasar. So stehen nun in vielen Krippen weltweit drei veritable Könige, je nach Ausstattung auch mit Dienerschaft und imposanten Lasttieren.

Wieder mal keine Frauen, so fuhr es mir schon über die Weihnachtstage durch den Kopf. Herr-lich geht es zu, auch an der Krippe. In größeren Krippenlandschaften tauchen unter den Hirten oder den weiteren dazu gestellten Bevölkerungsteilen schon auch weibliche Figuren auf, aber im engeren Umfeld der Krippe ist außer der Mutter Jesu keine Frau zu sehen. Diese Wahrnehmung beschäftigt mich seither. Frauen stehen zwar vor der Krippe aber kaum in der Krippe.

Umso überraschender war für mich die dieser Tage gemachte Entdeckung einer weiblichen Königin in einer historischen Krippe, der so genannten Altstadtkrippe, die der Sülchgauer Altertumsverein von Rottenburg am Neckar alljährlich neben anderen historischen Krippen ausstellt. Es ist eine dunkelhäutige Schönheit, mit einem Gehilfen und einem imposanten Schimmel als Reittier. Sie steht nicht bei der Gruppe der drei Könige, sondern ihnen gegenüber, auf der anderen Seite der Geburtsgrotte. Es gibt sie also doch, die Nummer Vier im Bunde. Sie eine absolute Rarität, heißt es in der Beschreibung, die auch ihre Identität benennt: „Wo im Zug auch eine dunkelhäutige Frau mit reitet oder in der Sänfte getragen wird, sehen wir sogar die sagenhafte Königin von Saba die einst König Salomo in Jerusalem besucht hatte…“¹

Königin an der Krippe

Die Königin von Saba an der Krippe, diese Darstellung ist für mich mehr als eine altertümliche Aufmischung der Männergesellschaft um das neugeborene Jesuskind, diese Darstellung macht neugierig. Im ersten Buch der Könige (1Kön 10,1-13) wird erzählt, dass diese Königin von der Weisheit König Salomons gehört und sich mit viel Gefolge und großem Reichtum zu ihm auf den Weg nach Jerusalem gemacht hat, um seine Weisheit zu prüfen. Sie ist außerordentlich beeindruckt von der Klugheit des israelitischen Königs, vom Leben am Tempel und auch von Salomons Hofhaltung: Was ich in meinem Land über dich und deine Weisheit gehört habe ist wirklich wahr…deine Weisheit und deine Vorzüge übertreffen alles, was ich gehört habe…Gepriesen sei Jahwe, dein Gott, der an dir Gefallen fand und dich auf den Thron Israels setzte(dort Verse 6.7c.9). Die Königin übergibt Salomon ihre kostbaren Gaben, zentnerweise Gold, Balsam und Edelsteine. Salomon wiederum ließ es an Gegenleistungen nicht fehlen.

Diese Begegnung klingt wie ein orientalisches Märchen. Bevor man diese Geschichte aber ins Reich des Fantastischen abtut, könnte das Motiv dieses Besuches auch uns Heutigen zu denken geben. Die Königin von Saba macht sich auf den Weg zum König von Israel, weil sie von seiner Weisheit gehört hat, davon angetan ist und diesen weisen König selbst hören will. Interesse an der Weisheit des anderen haben, auf sie hören und davon profitieren wollen zum Wohl des eigenen Volkes, wie viel Gutes und Friedensstiftendes liegt in dieser Motivation zur Begegnung. Wie viele missglückte Besuche gibt es, weil das gegenseitige Interesse nicht dem gilt, was der oder die andere zu sagen hat, sondern dem, was er oder sie hat. Das gegenseitige Wert-Schätzen wiegt am Ende schwerer als die Schätze, die man zählen und wiegen kann. Und wo Weisheit regiert, fehlt es auch nicht an Schätzen zum Leben.

Diese gute und faszinierende Begegnung der Königin von Saba mit König Salomon wurde zu einem typologischen Vorbild. Den Kirchenvätern gilt die Königin von Saba als Bild der „Kirche aus Heiden“ und auch als Braut des „neuen Salomo“, Jesus Christus. Hrabanus Maurus, der große abendländische Gelehrte des 9. Jahrhunderts, sieht in der Ehrerbietung der Königin von Saba gegenüber König Salomon die Anbetung des Jesuskindes durch die drei Könige vorgebildet. Der Messias ist ein Salomon in Idealgestalt. Psalm 72, der heutige Antwortpsalm, singt davon ein Lied. In der sehr bildhaften Lyrik des Adam von St. Victor (+ 1146) sind die Königin und Salomo Trauzeugen der Vermählung Christi mit der Kirche.

Die Königin von Saba, eine Weisheit liebende und Weisheit suchende Frau an der Krippe. Ist die Rarität ihrer Darstellung nicht schon selbst ein Zeichen? Gerade deshalb aber möchte ich diese Rarität auch als Kostbarkeit sehen und mich von dieser vierten Königin fragen lassen: Welche Weisheit suchst du an der Krippe?
Welche Weisheit begegnet dir in diesem Kind?

Meine Antwort heute lautet: Hier an der Krippe herrschen andere Gesetze. Nicht die großen Worte retten die Welt, nicht Zäune und verschlossene Türen, sondern eine Liebe, die Maß nimmt an diesem Kind und seinem Weg bis Ostern. Dieses Kind kann man nicht anbeten mit geballten Fäusten oder ideologischen Parolen. An der Krippe zählt nicht mehr was ich habe, sondern was ich gebe. Ich hoffe, dass mir die Weisheit, die vom Kind in der Krippe ausgeht, wie ein Stern durch das Jahr leuchtet. Und sollte er, was anzunehmen ist, immer wieder verblassen oder sich hinter Wolken verstecken, dann möchte ich mich an die geistige Schwester von Saba erinnern, die mir bei der Suche nach Weisheit bestimmt helfen kann und möchte.

_____________________________________________________________________________________
Anm.1: aus Dieter Manz, Rottenburger Krippenbuch. Vier Jahrhunderte Krippenzentrum Rottenburg am Neckar, Kunstverlag Josef Fink, Lindenberg im Allgäu 2011, S. 68f.

Dieser Beitrag wurde unter Predigten veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten auf Welche Weisheit suchst du an der Krippe? – Erscheinung des Herrn

  1. claus kilian sagt:

    danke für die Königin in der Krippe. Sternsingerkinder sind in der Mehrzahl Mädchen –
    Mädchen sind es, die den Segen bringen. Einmal werden sie selbst gesegnet, Mutter sein. Herrlich kann ich das nur nennen, weil ich Urgroßvater bin.

    • Walter sagt:

      Weisheit der Krippe…
      Die Königin von Saba fühlte sich wohl angezogen von Salomons „hörendem Herz „.
      Der Christus preist selig die arm sind im Geist ( Mt5,1-)

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>