Die himmlische Perle – 17. Sonntag im Jahreskreis A

Aus dem Evangelium nach Matthäus, Kapitel 13
In jener Zeit sprach Jesus zu der Menge:
44 Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Schatz, der in einem Acker vergraben war. Ein Mann entdeckte ihn, grub ihn aber wieder ein. Und in seiner Freude verkaufte er alles, was er besaß, und kaufte den Acker.
45 Auch ist es mit dem Himmelreich wie mit einem Kaufmann, der schöne Perlen suchte.
46 Als er eine besonders wertvolle Perle fand, verkaufte er alles, was er besaß, und kaufte sie.
47 Weiter ist es mit dem Himmelreich wie mit einem Netz, das man ins Meer warf, um Fische aller Art zu fangen.
48 Als es voll war, zogen es die Fischer ans Ufer; sie setzten sich, lasen die guten Fische aus und legten sie in Körbe, die schlechten aber warfen sie weg.
49 So wird es auch am Ende der Welt sein: Die Engel werden kommen und die Bösen von den Gerechten trennen
50 und in den Ofen werfen, in dem das Feuer brennt. Dort werden sie heulen und mit den Zähnen knirschen.
51 Habt ihr das alles verstanden? Sie antworteten: Ja.
52 Da sagte er zu ihnen: Jeder Schriftgelehrte also, der ein Jünger des Himmelreichs geworden ist, gleicht einem Hausherrn, der aus seinem reichen Vorrat Neues und Altes hervorholt.

Autorin:
Passfoto A.R.Angela Repka, Offenbach, Literaturübersetzerin, verheiratet, zwei Söhne, drei Enkelkinder, Ausbildungskurs zum Diakonat der Frau, diakonische Tätigkeit in der Pfarrgemeinde

 
Die Predigt:
Die himmlische Perle

Liebe Leserin, lieber Leser,
es ist schon etliche Jahre her, dass ich für meinen Mann eine Arbeit angefertigt habe, die er sehr schätzte. Er honorierte sie mir mit Perlen, die ich bis heute gerne trage – nicht nur als Schmuck, sondern auch als Zeichen der Wertschätzung, Dankbarkeit und Liebe meines Mannes. Und die schöne, große Perle am Silberkettchen erinnert mich seither an jene Perle, die im heutigen Evangelium eine Rolle spielt, auch wenn sie nicht so erlesen ist wie die des biblischen Kaufmanns und von der Benutzung schon einen blinden Flecken hat.

Was hat es auf sich mit der Perle, für deren Erwerb der Kaufmann aus der Gleichnisrede Jesu seine ganze Habe verkauft hat? Kurz davor erzählt Jesus noch von einem Mann, der in einem Acker einen Schatz entdeckt hat und dann voll Freude seinen ganzen Besitz verkauft, um diesen Acker zu erwerben. Eine gute Investition, das Geschäft seines Lebens? Vielleicht ist dieser Schatz ja viel mehr wert als die eingesetzte Geldsumme und der neue Besitzer nun ein gemachter Mann, der zu großem Reichtum gelangt ist, indem er den nichtsahnenden Vorbesitzer übervorteilt hat.

Bei der Geschichte mit der Perle liegt der Fall anders. Hier heißt es, der Kaufmann, der immer auf der Suche nach schönen Perlen war, habe eine besonders wertvolle gefunden und alles verkauft, was er hatte, um sie zu besitzen. Das ist für einen Geschäftsmann ungewöhnlich und man fragt sich: Wie geht es jetzt weiter? Er kann ja nicht allein von der Freude an seiner wertvollen Perle leben – oder? Ist er am Ende gar zum Bewacher seines großartigen Besitzes verkommen oder hat ihn seine Freude an der Perle zu mehr beflügelt? Wir wissen es nicht. Wichtig ist in beiden Geschichten, dass die handelnden Personen im entscheidenden Moment alles eingesetzt haben für etwas, das ihnen größer und besser erschien als alles andere davor. Dazu fordert Jesus auch die Zuhörenden auf – hier speziell seine Jüngerinnen und Jünger -, aber genauso uns heute. Und zum Vergleich steht in den erzählten Geschichten nicht nur irgendein Schatz, sondern das Himmelreich selbst. Damit bringt Jesus eine andere Dimension ins Spiel. Denn wer von den damals Anwesenden hatte schon so viel Geld, dass er einen Acker oder gar einen überaus wertvollen Schmuck kaufen konnte? Jesus hat ja dem Volk gepredigt, unter denen es viele Arme, Kranke und Ausgestoßene gab, denen er geholfen hat. Vor allem ihnen wollte er die Augen und das Herz öffnen für den Schatz des Lebens, der ihnen in seiner Person zum Greifen nahe gekommen war: für das Reich Gottes, das den vollen Einsatz lohnt, das sie bereits jetzt berühren konnten und von dem sie selbst heilsam berührt wurden. Sie konnten am eigenen Leibe erfahren, dass die himmlische Perle des Gottesreiches, das der Freudenbote Jesus in seinen Worten und durch sein heilendes, befreiendes Handeln verkündete, nicht nur den Wohlhabenden, Gelehrten oder sonst in irgendeiner Weise Privilegierten und Auserwählten vorbehalten war.

Wer heute vom Reich Gottes spricht, riskiert allerdings, nicht verstanden zu werden. Die feministische Theologin Elisabeth Schüssler – Fiorenza übersetzt den Begriff dynamisch als „wohl-tuendes Gut-sein Gottes“, das uns in Leben, Tod und Auferstehung Jesu in besonderer Weise aufgeleuchtet ist. Wir können Hoffnung und Freude daraus schöpfen und diese an unsere Nächsten weitergeben, indem wir als Glieder der Nachfolgegemeinschaft Jesu selbst gut sind und unseren Teil zum Wohle aller beitragen.

Es kann in dieser Gemeinschaft, die wir Kirche nennen, nicht darum gehen, geistigen oder materiellen Besitz anzuhäufen, zu sichern und zu bewachen oder Einzelnen oder der Gemeinschaft wie auch immer begründete Privilegien zu verschaffen, während andere – wie beispielsweise immer noch die Frauen – von zentralen Bereichen ausgeschlossen werden. Es geht vielmehr um gerechte, solidarische Beziehungen, um die ganze Fülle des Lebens, die allen zugesagt ist, die der frohen Botschaft Jesu vertrauen und beginnen, nach ihr zu leben. Erst dann erhalten wir eine Ahnung von dem, was heute schon vom Reich Gottes unter uns möglich ist. Auf diesen Schatz, auf unsere himmlische Perle, die den ganzen Einsatz lohnt, sollten wir nicht verzichten, denn sonst droht, dass wir am Eigentlichen vorbeileben und ins Abseits geraten. Davor will Jesus als Verkünder des wohl-tuenden Gut-seins Gottes uns Menschen damals wie heute bewahren.

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