Zum Tag der Diakonin – Festtag der Heiligen Katharina von Siena am 29. April

Erste Lesung zum 2. Sonntag der Osterzeit über die Zeit der Apostelinnen und Apostel, Kapitel 2
– Übersetzung Bibel in gerechter Sprache
42 Sie (die zum Glauben an Jesus, den Gesalbten, gekommen waren,)blieben fest bei der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft, beim Brotbrechen und bei den Gebeten.
43 Jede Person überkam ehrfürchtiges Staunen; viele Wunder und Zeichen geschahen durch die Apostel.
44 Alle aber, die Vertrauen gefasst hatten, waren zusammen und teilten alles, was sie hatten.
45 Sie verkauften ihren Besitz und ihr Vermögen und verteilten den Erlös an alle, je nachdem jemand Not litt.
46 Tag für Tag hielten sie sich einmütig und beständig im Heiligtum auf, brachen das Brot in den einzelnen Häusern, nahmen Speise zu sich voll Jubel und mit lauterem Herzen,
47 lobten Gott und waren gut angesehen beim ganzen Volk. Der Herr aber ließ täglich welche zu ihrer Rettung dazukommen .

Autorin:
Passfoto A.R.Angela Repka, Offenbach, Literaturübersetzerin, verheiratet, zwei Söhne, drei Enkelkinder, Ausbildungskurs zum Diakonat der Frau, diakonische Tätigkeit in der Pfarrgemeinde

 
Die Predigt:
Zum Tag der Diakonin

Liebe Leserin, lieber Leser,
seit 1998 begehen auf Initiative des Katholischen Deutschen Frauenbundes (KDFB) immer mehr Gläubige den Festtag der Heiligen Katharina von Siena am 29. April als „Tag der Diakonin“. Mit Gottesdiensten, Bildungsveranstaltungen und Aktionen soll das Anliegen der Öffnung des sakramentalen Ständigen Diakonats auch für Frauen wachgehalten und befördert werden. Inzwischen findet an diesem Tag jährlich eine vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken, dem KDFB, der Kath. Frauengemeinschaft Deutschlands und dem Netzwerk Diakonat der Frau getragene zentrale Veranstaltung statt – diesmal in Berlin zum Thema „Wer ist meine Nächste? Wer ist mein Nächster?“. Ganz im Sinne der Hl. Katharina, die einst nicht nur Armen und Kranken selbstlos geholfen, sondern sich auch in die Kirchenpolitik eingemischt hat, wird es dort um politisches Engagement und diakonisches Handeln gehen.

In der Tat hängt beides eng zusammen, denn wer sich für die Menschen diakonisch einsetzt, kann sich nicht mit dem Verbinden von Wunden oder dem Verteilen von Gütern zufrieden geben, obwohl dies zunächst an erster Stelle steht. Die Frage, wer oder was die Wunden, die Bedürftigkeit, das Leid verursacht hat, kann ich nicht ausschließen und oft wird sehr schnell klar, dass es nicht nur um persönliches Pech, manchmal auch eigene Schuld, sondern ebenso um ungerechte, ausgrenzende Strukturen geht.

Wie gut wäre es, eine Gemeinschaft, wie sie in der obigen Lesung geschildert wird, im Rücken zu haben! So könnte Kirche sein! Obwohl wir wissen, dass die Verhältnisse in der urchristlichen Gemeinde auch nicht immer ideal waren, dass dieses Bild sogar ein Gegenentwurf auf dem Hintergrund von Streitigkeiten zwischen den sogenannten Hellenisten und den Judenchristen war. Aber der Entwurf existiert und entspricht der Sehnsucht nach einer christlichen Gemeinschaft, die damals gewiss, zumindest ansatzweise, auch verwirklicht wurde, attraktiv war und gute Früchte trug.

In der Bibel in gerechter Sprache wird ‚Glauben’ gern mit ‚Vertrauen’ übersetzt und im Glossar heißt es dazu: „Gemeint ist eine Lebenspraxis, die dem kommenden Gottesreich schon in der Gegenwart entspricht.“ Ein solcher Glaube setzt Dynamik frei, verändert, begeistert, macht mitfühlend für die Not und die Bedürfnisse der anderen, weckt Jubel in lauteren, befreiten Herzen, treibt an zu Gotteslob, strahlt in die Umwelt hinein. Alles wurde geteilt – ganz sicher nicht nur Besitz und Vermögen, sondern auch die geistigen und geistlichen Gaben, so dass sich die Charismen der einzelnen entfalten und dem Gemeindeaufbau dienen konnten. Die Bibel in gerechter Sprache trägt dem unter anderem Rechnung, indem sie die ‚Apostelgeschichte’ als ‚Die Zeit der Apostelinnen und Apostel’ bezeichnet, eben weil auch Frauen Apostelinnen waren und weil sie als Missionarinnen, Lehrerinnen, Katechetinnen, Diakoninnen, Patroninnen usw. eine bedeutende Rolle bei der Verbreitung des christlichen Glaubens gespielt haben, was beispielsweise Elisabeth Schüssler Fiorenza in dem grundlegenden Werk „Zu ihrem Gedächtnis… Eine feministisch-theologische Rekonstruktion der christlichen Ursprünge“ überzeugend darlegt. Stellen wir uns einmal einen Augenblick lang vor, die Kirche hätte sich als Gemeinschaft Gleichgestellter in dieser Richtung weiterentwickelt, um gemäß dem Auftrag Jesu Christi die Welt als Sauerteig zu durchwirken. Wo wäre die Welt, die Menschheit heute?

Vor uns liegt ein weiter Raum – der Spielraum Gottes, der einem formalistischen, erstarrten, unkreativen Glauben nicht zugänglich ist. Das Zweite Vatikanische Konzil hat vor fünfzig Jahren Wege zu neuer Lebendigkeit eröffnet. Ein Ausdruck dieser Lebendigkeit sind auch die dreiundzwanzig Frauen, die sich zu ihrer Berufung zum sakramentalen Diakonat bekannt und eine diakonische Ausbildung absolviert haben. Sie folgen der Vision einer diakonischen Kirche, die nicht um sich selbst kreist, sondern ohne Wenn und Aber an der Seite der Menschen steht, in der Frauen und Männer ihre Charismen und Berufungen gleichberechtigt miteinander zum Wohle aller leben können. Sie sind in diakonalen Arbeitsfeldern tätig und wollen dabei, ganz wie ihre Glaubensbrüder, nicht auf die Anerkennung und Rückenstärkung durch ihre Kirche verzichten, „damit sie ihren Dienst mit Hilfe der sakramentalen Diakonatsgnade wirksamer erfüllen können.“ (Ad Gentes 16) Es wäre übrigens auch eine Anerkennung der vielen Frauen ( 80%!), die in der Kirche sozial und karitativ tätig sind.

Bischof Franz-Josef Bode hat kürzlich in einem Interview mit der Wochenzeitung „Christ und Welt“ zum schwierigen Verhältnis der katholischen Kirche zu ihren Frauen immerhin nicht ausgeschlossen, „dass uns der Geist Gottes eines Tages tiefere Einsichten beschert, wie die Berufungen in der Kirche noch tiefer verbunden werden.“ Was das Amt der Diakonin angeht, wurde schon vorzügliche theologische Vorarbeit für solche Einsichten geleistet. Warum noch länger warten? Denn, wie die Kirchenrechtlerin Sabine Demel einmal gesagt hat: „Nicht die Theologie muss dem Recht angepasst werden, sondern das Recht muss der Theologie Rechnung tragen.“ Damit das kommende Gottesreich schon heute eine Chance hat, vielfältig und wohltuend unter uns Gestalt anzunehmen.

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7 Antworten auf Zum Tag der Diakonin – Festtag der Heiligen Katharina von Siena am 29. April

  1. Kähny sagt:

    Wie definiert sich SEINE Kirche ?
    Über die „Weihe“ oder über die unterschiedlich talentierten Glieder an dem einen Leib des Christus ?

    Das eine bedeutet ständische Unterscheidung in antik-mosaischer Tradition.
    Das andere „Funktion“ und gleichwertiges Glied im einen Leib des Christus :

    Es ist der „Muff unter den Talaren „,der ( bei uns ) 95% von den sich zu Christus Bekennenden von der Erfahrung der Gemeinschaft ausschliesst…

    „… DEIN Wille geschehe…!“

    • Birgit Droesser sagt:

      Lieber Herr Kähny,
      könnten Sie bitte erläutern, was Sie mit dem Ausschluss „von der Erfahrung der Gemeinschaft“ meinen und was mit dem „Muff unter den Talaren“?
      Es würde mich interessieren. Danke vorab!
      B. Droesser

      • Kähny sagt:

        Liebe Frau Droesser,
        1) je kleiner (und je älter !) die 5%- Restgemeinde,umso selbstgenügsamer,fester geprägt ,und umso geringer die Bereitschaft zur Veränderung: sie wird „exklusiv“…!

        2) was beim Muff unter den Talaren riecht ist – die Angst,welche der Verkündigung der Frohen Botschaft die Authenzität nimmt :
        Positions-und Pensionsverlust erlauben keine Experimente jenseits der eng gezogenen „roten Linie“; auch keine Bekehrung,kein radikales Umdenken,wie es der Christus immer und immer wieder fordert…

        Gottes Suche ebenso wie die Gottsuchenden : keine Chance…?

        Der Umbau vom kapitalintensiven Sozial-und Immobilienkonzern KIRCHE zu SEINER brotbrechenden Hausgemeinschaft : SEIN Weg ?

  2. Angela Repka sagt:

    Lieber Herr Kähny,

    vielleicht schauen Sie heute am „Tag der Diakonin“ noch einmal auf diese Seite und finden meine etwas späte Antwort. Ich verstehe Ihre Bedenken, die viele teilen. Aber ich möchte die urchristliche Gemeinde nicht gegen die Kirche heute ausspielen, sondern sie lieber als Quelle der Inspiration zu Erneuerung und Weiterentwicklung in der Nachfolge Jesu Christi nutzen. Ich stelle mir vor, als würde ich von einem vorbeiziehenden großen Ozeandampfer mit vielen verschiedenen Menschen auf ein schaukelndes Boot schauen. Beide kommen nur mit Gottvertrauen und Können voran, beide sind auch gefährdet, aber die Organisation auf beiden ist doch sehr unterschiedlich.
    Leitung wird wohl immer notwendig sein. Heutzutage sind flache Hierarchien und Teamarbeit angesagt, die Leitung kann roulieren oder auf eine bestimmte Zeitdauer begrenzt sein – ein Modell, das sehr anspruchsvoll ist, und manchmal vielleicht frustrierend sein kann.
    Das Amt stellt zunächst wichtige Funktionen sicher, indem eine Person auf Dauer und mit Gottes Segen in Dienst genommen wird. Mag sein, dass die Kirche der Zukunft einmal auf das Amt verzichten kann, wenn die heilige Geistkraft das Schiff in die entsprechende Richtung bläst. Bis dahin hat jede/r Verantwortung wahrzunehmen an ihrem/seinem Platz, denn solange Kirche unterwegs ist, bleibt sie erneuerungsbedürftig und das geht nicht von selbst. Das heißt auch, dass zumindest dort, wo Frauen in der Kirche schon heute mehrheitlich Aufgaben wahrnehmen, wie zum Beispiel im sozial-karitativen Arbeitsbereich, wie die Männer mit Amtsvollmacht auszustatten sind. Wenn sich unsere Kirche, von der Geistkraft Gottes angetrieben, dazu durchringt, wird sie sich schon ein gutes Stück zum eigenen und zum Wohle aller gewandelt haben.

    In dieser Hoffnung grüßt Sie am „Tag der Diakonin“
    Angela Repka

    • Kähny sagt:

      Liebe Frau Repka,

      ist nicht die „königliche Priesterschaft“ in beiderlei Geschlecht per se gottgeweiht ?

      Warum muss das Rad denn immer neu erfunden werden ?

      Waren es nicht immer die religiösen= bindungsfähigen Vorsteherinnen der Hausgemeinschaft,die in der Kraft des Hl. Geistes Wege gefunden haben,um a l l e n totalitären Ansprüchen ( u.a. Sündentheologie…) zu trotzen ?

      Derweil die Männer *) gezwungen waren sich in sinnlos-zerstörerischen
      (… auch Religions-) Kriegen „blutige Nasen“ holen zu müssen, bauten die og.Diakoninnen -ohne Amt und Weihe – im Sinn der „Bergpredigt“ an SEINEM Reich…

      *)der war/ist kein Mann, der nicht kriegs-/bundeswehrtauglich war/ist…

      Uns allen wünscht den „richtigen Wind“
      und grüsst Sie herzlich,
      KH.Kähny

  3. Benedikta Hellrung sagt:

    Lieber Herr Kähni,
    ich bin nicht der Ansicht, dass gerade die älteren Mitglieder der „Restgemeinde“
    keine Veränderung in der Kirche wollen. Adenauers Satz „Keine Experimente !“
    ist nicht mein Motto. Ich bin 79 Jahre und warte schon seit dem Konzil auf die
    volle Gleichberechtigung der Frauen in der Kirche. Ich bin auch überzeugt, dass sie kommen wird.
    Freundliche Grüße
    Benedikta Hellrung

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