Gegensätze versöhnen aus der Kraft Gottes – Taufe des Herrn A

Aus dem Evangelium nach Matthäus, Kapitel 3
13 In jener Zeit kam Jesus von Galiläa an den Jordan zu Johannes, um sich von ihm taufen zu lassen.
14 Johannes aber wollte es nicht zulassen und sagte zu ihm: Ich müsste von dir getauft werden, und du kommst zu mir?
15 Jesus antwortete ihm: Lass es nur zu! Denn nur so können wir die Gerechtigkeit, die Gott fordert, ganz erfüllen. Da gab Johannes nach.
16 Kaum war Jesus getauft und aus dem Wasser gestiegen, da öffnete sich der Himmel, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube auf sich herabkommen.
17 Und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe.

Autorin:
def9d78cf6Gabriele Greiner-Jopp, verheiratet, lebt in Wendlingen
z.Zt. als Dekanatsreferentin, Gemeindereferentin und Beraterin tätig

 
Die Predigt:
Gegensätze versöhnen aus der Kraft Gottes

Liebe Leserin, lieber Leser,
noch keine zwei Wochen ist das neue Jahr nun alt – keine lange Zeit. In den Evangelien ist die Kindheit Jesu jedoch vorbei. Mit der Taufe Jesu beginnt der sogenannte „Ernst des Lebens“. Für ihn und für uns als Christen, die wir auf seinen Namen getauft sind. Elmar Klinger, ein emeritierter Theologieprofessor in Würzburg hat gesagt: „Man kann von Jesus wissen, ohne zu glauben, dass er Christus ist. Niemand kann an Christus glauben, ohne von Jesus zu wissen.“ An wen glauben wir, wenn wir auf Jesus als Christus schauen? Heute schauen wir auf einen, der sich am Jordan von Johannes taufen lassen will. Bevor Jesus öffentlich auftritt, scheint er diese Taufe als Voraussetzung zu brauchen. „Lass es zu, sofort“ übersetzt Fridolin Stier, was Jesus zu Johannes sagt. Ein recht energischer Befehl, voller Autorität. Aber was passiert da, was soll Johannes zulassen, wofür ist diese Taufe so notwendig?

Jesus steigt hinunter in die Fluten des Jordan, wie andere auch, die umkehren wollen. Er liefert sich aus: Dem Wasser und damit der Möglichkeit unterzugehen; seiner Angst und der Möglichkeit als neuer Mensch aufzutauchen. Mit allem was er ist und hat liefert er sich am Jordan Gott aus. DAS muss Johannes zulassen. Diese Erfahrung braucht Jesus, damit er die Wüste besteht, damit er beginnen kann zu predigen und zu heilen. Hier am Jordan, bei der Taufe, stellt sich Jesus in einem verdichteten Moment all den Spannungsfeldern, die später sein Wirken prägen: Er stellt sich zwischen Himmel und Erde. Er stellt sich seiner Angst und dem Vertrauen, dass Gott da ist. Er stellt sich dem möglichen Tod, in der Hoffnung, dass daraus neues Leben entsteht.

Und Gott wiederum stellt sich zu Jesus. Er bestätigt diesen Menschen. Unmittelbar, nachdem Jesus aus dem Wasser gestiegen ist, lesen wir in der Übersetzung von Fridolin Stier: „öffneten sich die Himmel und er sah den Geist Gottes – herniedersteigend wie eine Taube – über ihn kommen. Und da! Eine Stimme aus den Himmeln, die sagt: Dieser ist mein Sohn, der Geliebte, an dem ich Gefallen habe“. Es lohnt sich, dieses Bild, das bei Matthäus, Markus und Lukas vorkommt, näher zu betrachten. Wir erfahren, weshalb dieser Sohn geliebt ist. Wenn im Hebräischen von Gottes Geist die Rede ist, ist die Vorstellung weiblich geprägt. „Die Ruach“ heißt es. Die Ruach, die weibliche Seite Gottes bestätigt Jesus als ihren geliebten Sohn. Wie sie am Anfang der Schöpfung über dem Wasser schwebt, so schwebt die Ruach nun über den Fluten des Jordan und dem neuen Menschen Jesus. Dass Jesus Gottes Geist in Gestalt einer Taube sieht, verrät uns etwas über diesen geliebten Sohn und seinen Auftrag, sein Programm: Wir kennen die Taube, die Noah am Ende der Sintflut ausschickt um zu erkunden, ob Leben auf der Erde wieder möglich ist; die Taube ist hier Botschafterin des neuen Lebens. Wir kennen die Taube als Symbol für den Frieden, und die Menschen zur Zeit Jesu kannten die weiße Taube als Symbol für die Liebe.

Wenn nun die Ruach Jesus als geliebten Sohn bestätigt und dies sichtbar wird in der Gestalt einer Taube, erfahren wir: Jesus wird geliebt, weil er den Menschen neues Leben bringt, weil er dies friedlich und gewaltlos tun wird, weil er aus der Kraft Gottes heraus die Menschen bedingungslos liebt, sie annimmt, ernst nimmt, mitnimmt so wie sie sind. Darin ist Jesus Sohn Gottes. Er ver-söhnt. In seinem Wirken versöhnt Jesus viele Gegensätze: Arm und Reich. Er geht in alle Häuser, spricht zu allen und mit allen, die ihm zuhören. Kranksein und Gesundsein, weil er das Heil-Sein der Menschen im Sinn hat. Erde und Himmel versöhnt er: Mit beiden Beinen steht Jesus auf der Erde, hat einen Beruf erlernt, nimmt Beispiele aus dem Alltag der Menschen und bringt dieses Leben auf der Erde in Verbindung mit dem Reich der Himmel. Oder: er holt mit seinem Wirken das Himmelreich auf die Erde. Er versöhnt Worte und Taten; er handelt so wie er spricht. Weil er sich dem Hass seiner Gegner stellt, ohne die Liebe zu den Menschen zu verlieren, wird er auch diese Gegensätze versöhnen. Mit der Hingabe seines Lebens versöhnt er das Leben mit dem Tod. Und damit die stärksten Gegensätze.

Durch unsere Taufe sind wir, wie Jesus Christus, als Tochter und Sohn Gottes bestätigt. Wir sind Schwestern und Brüder Christi. Wo wir seinem Beispiel folgen, öffnet sich uns der Himmel. Wo wir uns unseren Ängsten aussetzen, voller Vertrauen auf das Leben, das uns geschenkt ist, stärkt uns Gottes heilige Geistkraft, die Ruach. Wo wir die Spannungen in uns und um uns wahrnehmen, tragen und annehmen im Vertrauen, dass Gott mit uns ist, tragen wir zur Versöhnung bei, kann neues Leben wachsen. Möge uns das gelingen im Jahr 2014.

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Eine Antwort auf Gegensätze versöhnen aus der Kraft Gottes – Taufe des Herrn A

  1. Kähny sagt:

    „Scherbenhaufen“…
    die über Jahrtausende gezüchtete ,männlich -rational- dominierte Theologie hat zusammen mit dem Defizit aus Zölibat und Homosexualität einen Scherbenhaufen aus Betriebsblindheit und Ignoranz hinterlassen:
    es braucht „die Ruach „. Es braucht – wiedereinmal – die „Trümmerfrauen “ ,um diesen Scherbenhaufen abzutragen…

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