Diakonin Heilige Elisabeth – Zum Festtag der heiligen Elisabeth von Thüringen am 19. November

Lesung aus dem Buch Jesaja, Kapitel 58
So spricht der Herr:7 Teile an die Hungrigen dein Brot aus, nimm die obdachlosen Armen ins Haus auf, wenn du einen Nackten siehst, bekleide ihn und entzieh dich nicht deinen Verwandten.
8 Dann wird dein Licht hervorbrechen wir die Morgenröte, und deine Wunden werden schnell vernarben.
Deine Gerechtigkeit geht dir voran, die Herrlichkeit des Herrn folgt dir nach.
9 Wenn du dann rufst, wird der Herr dir Antwort geben, und wenn du um Hilfe schreist, wird er sagen: Hier bin ich.
Wenn du der Unterdrückung bei dir ein Ende machst,
10 dann geht im Dunkel dein Licht auf, und deine Finsternis wird hell wie der Mittag.

Autorin:
Walburga_2009Walburga Rüttenauer – Rest,
Bensberg, verheiratet, drei Kinder, Grundschullehrerin, nach der Pensionierung Ausbildungskurs zum Diakonat der Frau, diakonische und liturgische Aufgaben in der Pfarreigemeinde

Elisabeth (2)

 
Die Predigt:
Diakonin Heilige Elisabeth

Liebe Leserin, lieber Leser,
„Wenn du der Unterdrückung bei dir ein Ende machst, auf keinen mit dem Finger zeigst und niemand verleumdest, dem Hungrigen dein Brot reichst und den Darbenden satt machst, dann geht im Dunkel dein Licht auf, und deine Finsternis wird hell wie der Mittag“. So schließt die alttestamentliche Lesung zum Gedenktag der Hl. Elisabeth von Thüringen: „dann geht im Dunkel dein Licht auf“. Du, wir alle, können zu einem Licht werden, das die Dunkelheit menschlichen Leids und Unvermögens erhellt.

Am 19.November feiert die Kirche das Fest der Hl. Elisabeth. Sie ist so ein strahlendes Licht, das im Dunkel ihrer Umgebung aufleuchtete und bis heute weiter leuchtet. Vor fast 800 Jahren wurde sie in Ungarn geboren und starb bereits mit 24 Jahren in Deutschland, wohin sie die Politik der Mächtigen verschlagen hatte. Was ist das für eine Frau, deren kurzes Leben uns heute noch oder gerade wieder beeindruckt? Elisabeth besaß die Gabe: Von ganzem Herzen, mit ganzer Seele, mit ihrem ganzen Verstand und all ihren Kräften Gott und zugleich ihren Nächsten zu lieben. Sie ist von dieser Liebesleidenschaft so durchdrungen, dass sie keine Kompromisse zulässt. Als sie mit 14 Jahren mit dem Landgrafen Ludwig vermählt wird, findet ihre leidenschaftliche Liebessehnsucht ihre erste tiefe Erfüllung. Ihre Liebe zu Ludwig ist für sie eine fleischgewordene menschliche Form, Gott zu lieben. So ist es nicht erstaunlich, dass ihr Mann wie selbstverständlich duldet, dass Elisabeth in den Augen der Welt „unvernünftig“ die Armen und Ausgegrenzten an ihrem Glück teilnehmen lässt. Mit vollen Händen teilt sie von ihrem Reichtum aus. Sie zeigt aber auch ihrem Mann, wie äußerst wertvoll ihr seine zärtliche Geborgenheit ist, die er ihr schenkt. Aber fast im selben Augenblick möchte sie die Traurigen und Verlassenen an dieser Geborgenheit teilnehmen lassen. Es fällt ihr sehr schwer, von ihrem Mann getrennt zu sein. Wenn er von einer Reise heimkehrt, „küsst sie ihn mit Herz und Mund und mehr denn tausend Stund“ wie es in der Chronik heißt. Doch gleich darauf steigt sie von der Wartburg herab zu denen, die auf ihre Zuwendung warten.

Als sie die Nachricht erhält, dass Ludwig auf einer Reise nach Jerusalem in Brindisi gestorben ist, schreit sie, die ihr drittes Kind erwartend, laut auf. „Er ist tot, dann ist mir die Welt tot und alles, was an ihr süß ist.“ Sie läuft rasend durch alle Zimmer und Räume, stößt ihren Kopf gegen Wände und Türen. In ihrem Schmerz ist sie außer sich und hemmungslos.1 Als seine Gebeine nach einem halben Jahr auf der Wartburg ankommen, spricht sie leise weinend in einem Gebet: „Könnt ich ihn wiederhaben, so wollte ich ihn gegen die ganze Welt eintauschen, selbst wenn ich mit ihm betteln gehen müsste. Aber gegen Deinen Willen möchte ich ihn- dafür bist Du Zeuge- nicht um den Preis eines einzigen Haares zurückkaufen… An uns geschehe dein Wille!“2

Ihre Hingabe in den unbegreiflichen Willen Gottes und ihre überströmende Liebe sind total. So fügt sie ihrer Trauer das Elend und die Not der Ausgegrenzten hinzu, denen sie sich jetzt noch intensiver widmet. Sie verlässt die Wartburg, baut mit dem Vermögen ihrer Witwengabe ein Spital und lebt dort zusammen mit den Kranken, Sterbenden und Verlassenen. Sie lebt dort aus der Liebe Gottes bis zur Erschöpfung. Und stirbt. Und ist am Ziel.

Elisabeth war eine Diakonin bis in die äußersten Fasern ihrer Person.
Als Gräfin stieg sie herab von ihrer exponierten Stellung und kniete sich, in der doppelten Bedeutung des Wortes, in die diakonische Arbeit, wo sie in den verlassenen, übersehenen Menschen in aufregender Weise Christus begegnete. Dies alles liegt 800 Jahre zurück. Dass sie aus unserer heutigen Sicht sich selbst vergaß und ihre Liebe zu den Armen über die Liebe zu ihren Kindern stellte, mag uns unerträglich erscheinen. Sie war in den letzten Jahren ihres kurzen Lebens das Opfer eines schlechten Seelsorgers, der ihre Jugend und Frömmigkeit skrupellos ausnutzte, um sie von sich abhängig zu machen. Ich verstehe ihren frühen Tod als ein Geschenk Gottes, der sie vor Schlimmerem bewahrte.

Die Kirche brauchte und braucht auch in unserer Zeit Männer und Frauen, die sich der unbegreiflich großen Liebe Gottes zu den Menschen hingeben und aus diesem Liebesüberfluss austeilen. Liebend und dienend schenken sie weiter, was sie selbst erfahren. Nur so kann die Kirche Jesu Christi glaubwürdig Seine heilende und frohe Botschaft verkünden. In einer seiner kurzen Predigten in der morgendlichen Messe sagte Papst Franziskus : „Hier will ich unterstreichen, dass die Frau eine eigene Sensibilität für die Dinge Gottes hat, vor allem indem sie uns hilft, das Erbarmen, die Zärtlichkeit und Liebe zu verstehen, die Gott für uns hat.“

Deshalb betone ich das „und“ so, weil es gerade im diakonischem Dienst die besondere, andersartige Liebefähigkeit von Frauen geben sollte, die wie Elisabeth ihr ganzes Leben diakonisch, d.h. dienend, ausrichten. Ich möchte hier eine von unserer Kirche nicht anerkannte und nicht geweihte Diakonin zu Wort kommen lassen: „Meine dreijährige Ausbildung zum diakonischen Leitungsdienst vor fast 10 Jahren betrachte ich als ein tragendes Fundament für meine diakonische Tätigkeit in meiner Gemeinde, aber auch als ein Zeichen der Achtung den Menschen gegenüber, die Hilfe brauchen und denen ich so kompetenter helfen kann. Doch diese Kirche, in der ich aufgewaschen bin, glaubt mir nicht, dass Gott mich zur Diakonin berufen hat. Ja, sie verbietet mir, den Namen Diakonin zu tragen. Sie verweigert mir und all den Frauen, die sich auch berufen fühlen, die Stärkung durch eine Weihe.“

Die Hl. Elisabeth strebte kein Amt an. Das war bei ihr auch nicht nötig. Sie beugte sich als Gräfin dienend zu den Armen hinunter und konnte so ihnen eine besondere Wertschätzung entgegenbringen, sie auf diese Weise erhöhen. Auch unsere Hilfsbedürftigen und Notleidenden würden sich vielleicht aufgewertet fühlen, wenn eine Diakonin sich ihrer annimmt und all ihre Kraft und Liebe im Auftrag der Kirche aufwendet, um ihnen zu helfen. So würden sie erfahren, dass die Kirche sie nicht vergessen hat und die Amtskirche würde merken, dass diese Frauen eine andere Arbeit leisten als die männlichen Diakone. Ohne sie fehlt etwas Wichtiges in der diakonischen Arbeit unserer Kirche.

Die Arbeit dieser oben zitierten Frau würde äußerlich betrachtet mit einer Diakoninnenweihe vielleicht nicht anders werden. Doch ich bin sicher, dass sie, gestärkt durch die Weihe, überzeugender im Auftrag unserer Kirche arbeiten könnte. Ein Wort von Madeleine Delbrél, eine Diakonin unserer Tage, ist mir in den letzten Jahren immer wertvoller und wichtiger geworden. Ich möchte damit mein Anliegen zusammenfassen. „Die Liebe ist unsere einzige Aufgabe!“ Dabei kann ich die Liebe zu Gott und die Liebe zu den Menschen nicht voneinander trennen, denn in der Liebe zu einem Menschen liebe ich Gott, wie es die Hl. Elisabeth uns vorgelebt hat. Vergessen wir dabei nicht: Frauen lieben anders!
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Einzelheiten zum Leben der Hl.Elisabeth wurden einer Predigt von Paulin Link entnommen, in: Frauen Predigen, Stuttgart, Schwabenverlag 1998, 1) S. 83, 2) S. 84

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3 Antworten auf Diakonin Heilige Elisabeth – Zum Festtag der heiligen Elisabeth von Thüringen am 19. November

  1. Kähny sagt:

    Wozu Titel …?
    es wäre viel/a l l e s gewonnen,wenn die aus dem Alten Testament überkommene Klerus -und Amtskirche SEIN Kreuz ohne Purpur und Titel trüge:
    das klerikale Almosendenken ist verantwortlich für den Untergang der solidarischen Kirche:
    der Christus brauchte keine „Foundraiser“ und Anlageberater…!
    (Mt 6,33 :“… trachtet zuerst nach dem Reich Gottes…!“).

  2. W. sagt:

    Antwort an Herrn Kähny:
    Grundsätzlich sehe ich das auch so und dieser Gedanke ist mir nicht unbekannt. Es ist nur seltsam, dass dieser Vorschlag erst gemacht wurde, seit die Frauen sich für ein Amt bewerben. Seit Jahrhunderten machen Frauen die Arbeit und kein Papst oder Bischof hat ihnen jemals ein Amt angeboten. Kann es sein, dass hier wieder wie so oft in der Kirche das liebe Geld regiert?

  3. Karsten Herold sagt:

    Hallo,

    habe den Beitrag nicht gelesen, möchte aber eine äußerst interessante Geschichte an sie weiterleiten das es eine Frau zu geben scheint die sehr,sehr eng mit der Person Elisabethin Verbindung steht…:https://www.youtube.com/watch?v=uudRoIHNLas&t=149s

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