Handlungsanleitung für ein neues Miteinander – 22. Sonntag im Jahreskreis C

Aus dem Evangelium nach Lukas, Kapitel 14
1 Als Jesus an einem Sabbat in das Haus eines führenden Pharisäers zum Essen kam,
7 bemerkte er, wie sich die Gäste die Ehrenplätze aussuchten. Das nahm er das zum Anlass, ihnen eine Lehre zu erteilen. Er sagte zu ihnen:
8 Wenn du zu einer Hochzeit eingeladen bist, such dir nicht den Ehrenplatz aus. Denn es könnte ein anderer eingeladen sein, der vornehmer ist als du,
9 und dann würde der Gastgeber, der dich und ihn eingeladen hat, kommen und zu dir sagen: Mach diesem hier Platz! Du aber wärst beschämt und müsstest den untersten Platz einnehmen.
10 Wenn du also eingeladen bist, setz dich lieber, wenn du hinkommst, auf den untersten Platz; dann wird der Gastgeber zu dir kommen und sagen: Mein Freund, rück weiter hinauf! Das wird für dich eine Ehre sein vor allen anderen Gästen.
11 Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.
12 Dann sagte er zu dem Gastgeber: Wenn du mittags oder abends ein Essen gibst, so lade nicht deine Freunde oder deine Brüder, deine Verwandten oder reiche Nachbarn ein; sonst laden auch sie dich ein, und damit ist dir wieder alles vergolten.
13 Nein, wenn du ein Essen gibst, dann lade Arme, Krüppel, Lahme und Blinde ein.
14 Du wirst selig sein, denn sie können es dir nicht vergelten; es wird dir vergolten werden bei der Auferstehung der Gerechten.

Autorin:
Rita Wild, Gemeindereferentin in der Klinikseelsorge Bonn, geistliche Begleiterin / Exerzitienbegleiterin

 
Die Predigt:
Handlungsanleitung für ein neues Miteinander

Liebe Leserin, lieber Leser,
gerade komme ich von einem Vortrag von Leonardo Boff zurück. Er sprach über die Herausforderungen der Gegenwart angesichts des „Schreis der Völker, des Schreis der Armen und der Erde“. Dass wir an einem kritischen Punkt der Weltgeschichte stehen, ist vielen, besonders Menschen mit einem wachen und aufmerksamem Blick, mit klarem Verstand und offenem Herzen bewusst. „Transformation“ ist das Schlüsselwort für eine Veränderung unserer Lebens- und Konsumweise, eine gerechte Teilhabe aller an den Gütern und Reichtümern der Welt und einen liebevolleren Umgang mit der Erde und allen Lebewesen auf ihr. Es erfordert ein Umdenken und ein entschieden anderes Handeln von allen Menschen auf der Welt …
Jetzt lese ich das Tagesevangelium dieses Sonntags noch einmal neu und entdecke fast so etwas wie eine Handlungsanleitung für ein neues Miteinander und die gerechte Teilhabe aller, nicht nur beim Festmahl.

Jesus ist zu Gast beim Mahl eines angesehen Pharisäers. Er beobachtet genau, und dieses Schachern um die besten Plätze drängt ihn, eine Lehre zu erteilen. Zuerst wendet er sich an den Eingeladenen: Du bist Gast! Nimm den untersten Platz! Lass dich auf den Gastgeber ein! Verlass dich darauf, dass er dir den angemessenen Platz schon gibt! Was für ein Kontrastprogramm zu dem, was Jesus beobachtet: wie die Eingeladenen den Raum betreten, mit welchem Gehabe; wie sie einander abschätzen und sich dann auf die Suche nach einem Platz begeben, der dem eigenen Rang entspricht, neben einem angenehmen Gesprächspartner; ein Platz, von dem aus man leicht an die guten, ja an die besten Speisen und Getränke kommen kann … Wie viel Mühe und Sorgfalt – von Geld nicht zu sprechen – wird dafür angelegt, um bei solchen Festmählern oder Festbanketten eine gute Figur zu machen, sich ins rechte Licht zu setzen und das Beste zu gönnen?!

Jesus fordert zum Mut heraus, sich anders zu verhalten: Vertrau auf den Gastgeber. Er hat Dein Wohl im Blick! Dazu möchte Jesus seine Zuhörer und Zuhörerinnen einladen. Er möchte eine andere „Ordnung“, eine die das Wagnis des Sich – Einlassens, des Vertrauens, der Offenheit nicht fürchtet, und die uns vom Rennen um die besten Plätze, dem Kampf ums Prestige befreit. Sie ermöglicht ein anderes Einfinden, nicht nur an der Festtafel sondern auch im Zusammenleben im Alltag, und schafft Freiraum für ein Miteinander aller auf Augenhöhe.

Jesus wendet sich im Weiteren an den Gastgeber. Er hatte beobachtet, wie sich der Gastgeber darstellt, mit wem er sich umgibt, wen er zu welchem Platz führt… Jesus fühlt sich geradezu gedrängt, dem Berechnenden etwas entgegen zu setzen: Er fordert die Zuhörer und Zuhörerinnen auf, eine Einladung an die weniger Ansehnlichen, die Zukurzgekommenen und An – den – Rand – Gedrängten auszusprechen. Er möchte die selbst gesetzten Grenzen, die geschlossenen Zirkel, in denen wir uns bewegen, sprengen.
Jesus stellt ein Kontrastprogramm auf: Sich den Armen und Bedürftigen zuzuwenden und ihre Zuwendung beim Festmahl zu empfangen, – das führt zur Seligkeit des Gastgebers! Das bewirkt Rettung und Heil!

So lautet Jesu Botschaft an diesem Sonntag. In diesen Herausforderungen liegt ein heilsamer Schlüssel für die drängenden Fragen unserer Zeit. Es ist ein Einüben in das Vertrauen, in das Gast – Sein und Sich – versorgen – Lassen und in das Gastgeber- und Gastgeberin – Sein für die, die in Nöten sind.
Gerne würde ich Sie und mich ermutigen, es einfach mal auszuprobieren.
Dazu wünscht Ihnen Gottes Segen und einen schönen Sonntag

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Eine Antwort auf Handlungsanleitung für ein neues Miteinander – 22. Sonntag im Jahreskreis C

  1. Kähny sagt:

    Die Verlustangst gebiert mit dem Futterneid einen ( zerstörerischen ?! ) Urinstinkt.
    In gut 2 Mio Jahren hat die Beziehung zu Gott ( Religion ) daran nichts geändert.

    Kommt Gott uns -2000 Jahre nach og. Jesus-Erzählung- in Papst Franziskus neu zu Hilfe…?

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