Fürchte dich nicht! – Am Heiligen Abend

Aus dem Evangelium nach Matthäus, Kapitel 1
18 Mit der Geburt Jesu Christi war es so: Maria, seine Mutter, war mit Josef verlobt; noch bevor sie zusammengekommen waren, zeigte sich, dass sie ein Kind erwartete – durch das Wirken des Heiligen Geistes.
19 Josef, ihr Mann, der gerecht war und sie nicht bloßstellen wollte, beschloss, sich in aller Stille von ihr zu trennen.
20 Während er noch darüber nachdachte, erschien ihm ein Engel des Herrn im Traum und sagte: Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen; denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist.
21 Sie wird einen Sohn gebären; ihm sollst du den Namen Jesus geben; denn er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen.
22 Dies alles ist geschehen, damit sich erfüllte, was der Herr durch den Propheten gesagt hat:
23 Seht, die Jungfrau wird ein Kind empfangen, / einen Sohn wird sie gebären, / und man wird ihm den Namen Immanuel geben, / das heißt übersetzt: Gott ist mit uns.
24 Als Josef erwachte, tat er, was der Engel des Herrn ihm befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich.
25 Er erkannte sie aber nicht, bis sie ihren Sohn gebar. Und er gab ihm den Namen Jesus.

Autorin:
Gabriele Thönessen, Gemeindereferentin im Pfarrverband Selfkant mit Schwerpunkt in der spirituellen Erwachsenenbildung, Bistum Aachen

 
Die Predigt:
Fürchte dich nicht!

Liebe Leserin, lieber Leser,
Wie erkennt man einen Engel?
Sie spielen nicht nur in der Weihnachtsgeschichte eine Rolle, aber dort ganz besonders: Engel. Sie sind unsichtbar und wir wissen nicht einmal, wie sie aussehen. Jeder Versuch einer Darstellung trifft wahrscheinlich mehr daneben als in die Mitte.
Die Bibel beschreibt die äußere Gestalt der Engel nur vage, und das hat seinen guten Grund. Engel sind die guten Mächte Gottes, die Sein Wort verkünden oder ausführen, die behüten, wegweisen und deuten. Nicht sie selbst, sondern ihr Auftrag steht im Mittelpunkt. Wenn Engel auftauchen, sollte man aufhorchen. Sie erscheinen jeweils an entscheidenden Punkten der Geschichte Gottes mit uns Menschen.

Das Erkennungszeichen
Aber woran kann ich sie erkennen? Das ist eigentlich nicht so schwer, denn sie haben ein Erkennungszeichen, so etwas wie ein Losungswort, mit dem sie an unsere Türe klopfen: „Fürchte dich nicht“.
Die Ereignisse vor und nach der Geburt Jesu sind von diesen Worten begleitet: Zacharias hört diese Worte im Tempel, Maria hört sie bei der Verkündigung der Geburt Jesu. Die Hirten hören diese Worte, bevor die Engel ihnen die frohe Botschaft verkünden. Und Josef hört im Traum die Engelstimme mit dem „Fürchte dich nicht“.
Entgegen der Volksfrömmigkeit, die Josef oft nur als „Anhängsel“ einer glaubensstarken Maria wahrnimmt, zeichnet der Evangelist Matthäus ein anderes Bild von Josef. Er stellt ihn vor als gläubigen Juden, der die Thora barmherzig auslegt. Seine Verlobte erwartet ein Kind, das nicht von ihm ist. Statt sie öffentlich bloßzustellen, was eine harte Verurteilung Marias nach sich ziehen würde, denkt er darüber nach, sich in Stille von ihr zu trennen.

Der Traum und das Erwachen
Da spricht ein Engel im Traum zu ihm und sagt ihm, er solle die neue Situation, und damit Maria und das Kind annehmen. Damit bestätigt er die Denkrichtung Josefs. Aber die Worte des Engels bewegen Josef dazu, noch einen Schritt weiter zu gehen und etwas „Unmögliches“ zu tun, etwas, das Mut und Vertrauen erfordert. Verstärkend erinnert der Engel im Matthäusevangelium Josef an die Worte des Heilspropheten Jesaja, und bezieht die Messiasverheißung auf das Kind, welches Maria erwartet.
Und Josef traut dieser Engelsstimme und entscheidet sich gegen die damaligen gesellschaftlichen Normen. Er trennt sich nicht von Maria, sondern von seinen bisherigen Plänen und von einer großen Kränkung. Damit beweist er eine ganze Menge Mut. Er nimmt seine Aufgabe in Gottes Heilsplan an. So kann der Immanuel, der Gott mit uns, in diese Familie hinein geboren werden.

Den Traum leben
Man kann Josef einen Träumer nennen, einen, der auf seine Traumstimme hört. Aber er ist kein Traumtänzer. Das sind die, die zwar Träume haben, aber ihnen nicht trauen oder nicht trauen können. Josef jedoch erwacht von seinem Traum und setzt ihn in die Realität um. Daran erkennt man Menschen, bei denen das „Fürchte dich nicht“ angekommen ist. Denn wo Angst ist, haben Gottes gute Pläne zu wenig Platz zum Atmen.
So wie Maria bei der Verkündigung durch den Engel ihr Ja gegeben hat, dass an ihr geschehe, was verheißen wurde, so hat Josef seine Zustimmung gegeben, indem er das in die Tat umsetzte, was der Engel ihm sagte.

Von Josef und Maria leben lernen
Was brauche ich, damit auch heute Weihnacht für mich werden kann, das heißt, dass Gott in mir wachsen und geboren werden kann? Ich brauche das Vertrauen Marias in Gottes manchmal „unmöglich“ erscheinende Pläne, die mein Leben verändern, und den Mut des Josef, auf meine innere Engelstimme zu hören und danach zu handeln, notfalls gegen alle Konventionen.
Wo ich meine Furcht hinter mir lasse, da kann Gott in mir und durch mich handeln. Da kann Neues geboren werden. So kann ich auch heute, übrigens nicht nur zu Weihnachten, immer wieder neu erfahren, dass Gott mit mir, in mir ist. Denn wie Josef dürfen wir heute auch mit einer großen Verheißung Gottes leben: seinem großes „Ja“ zu jedem von uns, in diesem Leben und im zukünftigen Leben.
Darum sollten wir uns nicht zu klein und zu unbedeutend halten. Wir alle haben eine Aufgabe in Gottes großen Plan. Sie braucht Platz zum Atmen. Fürchte dich nicht.

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Eine Antwort auf Fürchte dich nicht! – Am Heiligen Abend

  1. Kähny sagt:

    Gott und das Böse…

    Weihnachten ist – nur in meiner Umgebung ?- Frauensache !!
    Kein Wunder- : Fest der Geburt.
    Welcher Mann kann d a mitreden ?

    Die „Männerkirche “ hat sich deshalb nun schon seit Jahrtausenden ins Theologisieren verabschiedet und somit die Frau in ihren so existenziellen Gefühlen alleingelassen.

    Vom judisch-patriarchalischen Schöpfungsepos an bis in die heutige männerdominierte Medienlandschaft wird die Geburt nur als von Schmerzschreien begleitete Genitalverstümmelung dargestellt.

    „Mein Bauch gehört mir “ – wurde zur -natürlichen ? – Reaktion :
    Die Angst ist die Mutter des Bösen.

    Die Weihnacht und die Gier…
    Die Aufgabe: Männer – es gibt viel zu tun ! Packen wir´s an ?
    KH.Kähny

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