Ein Wort zuvor

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© MVG Medienproduktion, 1990

Geh aber zu meinen Brüdern und Schwestern und sag ihnen: Ich gehe zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott. Maria von Magdala ging hin und verkündete den Jüngern: Ich habe den Herrn gesehen und sie berichtete, was er ihr gesagt hatte. In diesen Versen 17 und 18 im 20. Kapitel des Johannesevangeliums sendet der von den Toten auferweckte Jesus Christus eine Frau, die nach damaliger Rechtsauffassung überhaupt nicht zum Zeugnisgeben berechtigt war, um die Osterbotschaft in die Welt zu tragen. Maria von Magdala wurde deshalb in der frühen Kirche der Ehrentitel Apostelin der Apostel verliehen.

Obwohl es der Katholischen Kirche sehr wichtig ist, ihre Ämter und Strukturen an die apostolische Zeit zurückzubinden, hat sie aus dem Umgang Jesu mit den Frauen und seinem Auftrag an sie keine bleibenden Konsequenzen gezogen. Schon in der frühen Zeit des Christentums tat sich die Kirche schwer mit der Gleichberechtigung aller Menschen in der Botschaft Jesu vom Reich Gottes. Zwar nennt der Apostel Paulus in seinen Briefen Frauen und Männer als Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Apostel und Apostelin, Diakon und Diakonin, sind sie doch eins in Christus. Frauen und Männer leiten Hausgemeinden und reden prophetisch, aber die Namen der Frauen und ihre Geschichten sind im Gegensatz zu denen der männlichen Jünger weitgehend in Vergessenheit geraten.

Bis heute hat sich daran wenig geändert. Frauen sind in der Katholischen Kirche von den Ämtern und damit auch in der Regel von der Verkündigung in der Eucharistiefeier der Gemeinde ausgeschlossen mit der Folge, dass die weibliche Sicht und Lebenserfahrung in der Auslegung der Heiligen Schrift fehlt.

Diese Initiative mit einer Predigt zu jedem Sonn- und Feiertag machen wir unserer Kirche an Pfingsten 2011 zum Geburtstagsgeschenk und wollen damit einen inhaltlichen Beitrag leisten zum angestoßenen und lange überfälligen Dialogprozess.

Wir sind Frauen, die in einem kirchlichen Beruf als Gemeinde- und Pastoralreferentin ausgebildet sind und ihn in überwiegender Zahl zur Zeit auch ausüben oder nach Absolvierung eines von zwei Ausbildungskursen zum Diakonat der Frau heute in einer diakonischen Tätigkeit stehen.

Geh und verkünde, mit diesen Worten möchten wir Sie dazu einladen, unter den Predigt-texten ihre Meinung zu äußern.

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